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25 Jahre deutsche Einheit : Die DDR im Dachzimmer

  • -Aktualisiert am

Aktivistin: In ihr privates DDR-Museum hat Johanna Gorkosch schon viel Mühe und Zeit investiert. Bild: Marcus Kaufhold

Johanna Gorkosch stellt in ihrer Bockenheimer Wohnung Alltagsgegenstände aus der DDR aus. Eine politische Botschaft will sie nicht vermitteln - aber ein Anliegen hat sie doch.

          In der DDR war Johanna Gorkosch nur ein einziges Mal. Mitte der achtziger Jahre, um ihre Schwiegereltern zu besuchen. Trist sei das gewesen und irgendwie deprimierend, sagt sie. In ihrem eigenen kleinen DDR-Museum in Bockenheim sehen Besucher nichts davon. Bunt hat Gorkosch die nur zehn Quadratmeter große Dachkammer geschmückt. Wimpel der Armeesportvereinigung Vorwärts hängen von der Decke, schwarz-rot-goldene DDR-Fahnen an der Wand, und kleine Anstecker und Hefte liegen in den Regalen der Mansarde. „Ein Stück deutscher Vergangenheit“ will die 61 Jahre alte Frau hier bewahren. Mehr als 2000 Gegenstände hat sie schon gesammelt und ausgestellt.

          Anfangs war ihr Mann wenig begeistert

          Angefangen hat alles zufällig, erzählt sie. 1980 lernte sie ihren Mann kennen, der aus der DDR ausgereist war. Vieles von dem, was er von dort mitgebracht hatte, landete in der Ecke oder ging kaputt. Auch Bekannte, die in den Westen gezogen waren, steckten ihre Sachen in Kisten oder warfen sie weg. „Sie wollten wahrscheinlich mit ihrer Vergangenheit in der DDR abschließen“, sagt Gorkosch. Sie aber fühlte sich moralisch verpflichtet, die Dinge aufzubewahren. Schließlich sei die DDR ein Stück deutscher Identität. Sie sei es wert, in Erinnerung zu bleiben - unabhängig davon, wie schlimm das sozialistische Regime gewesen sei. „Ich habe den Leuten diese Verantwortung sozusagen abgenommen.“

          Vielleicht tat sie es auch, um ihre neue Heimat besser zu verstehen. Denn Gorkosch wurde in Jugoslawien geboren, kam mit den Eltern nach Deutschland und wuchs an der Grenze zur Schweiz auf. 1998, ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes, zog die Verwaltungsfachfrau nach Frankfurt, in die Wohnung, neben der sich ihre Museumskammer befindet.

          Begeistert war ihr Mann nicht, als sie anfing, seine Sachen aus der DDR hervorzukramen und später auch Verwandte und Bekannte aus dem Osten danach fragte. Er habe sich Sorgen gemacht, dass ihre Sammlung missverstanden werden könnte - als politische Botschaft zugunsten der DDR-Führung. Erst mit der Zeit konnte er sich mit ihrem Projekt anfreunden. Gorkosch sagt: „Sein Ding war das aber nie.“

          Unverhofft gefundene Exponate

          Auch die anderen, die Gorkosch wegen der Ausstellungsstücke ansprach, waren zumindest verwundert. „Sie haben sich gefragt, wie man solch einen Krempel sammeln kann“, sagt die Frau mit der eckigen Brille. DDR-Gläser, Geschirrtücher und sogar Toilettenpapier nahm sie an und sortierte sie sorgfältig in das richtige Regal.

          Unterstützung bekam sie von Freunden. Als die ihre immer größer werdende Sammlung zum ersten Mal sahen, waren sie begeistert von der Vielfalt der Exponate. Daraufhin fragten sie in ihrem Bekanntenkreis, ob noch jemand Dinge aus dem Osten habe: „Dadurch ist es quasi zum Selbstläufer geworden.“ Immer noch kommen Leute vorbei und bringen Gegenstände aus der DDR-Zeit mit. Viele, weil sie wüssten, dass sie ihr damit eine Freude machten, sagt sie: „Und einige sind wahrscheinlich einfach froh, ihren Kram loszuwerden.“

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