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Künftig nachts verriegelt : 2020 soll der neue Goetheturm stehen

Gut Holz: der alte Goetheturm. Sein Nachfolger wird auch Stahlteile enthalten. Bild: Wolfgang Eilmes

Vor einem Jahr ist das Wahrzeichen im Stadtwald niedergebrannt. Die Brandstifter sind noch immer nicht gefasst. Dafür werden die Pläne zum Wiederaufbau konkreter.

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          Als am frühen Morgen des 12. Oktober 2017, also genau vor einem Jahr, die Feuerwehr alarmiert wird, weil der Goetheturm am Rand des Stadtwaldes wie eine Fackel brennt, steht schnell fest, dass die Stadt eines ihrer Wahrzeichen verlieren wird. Aber wenigstens nicht unwiederbringlich. Schon wenige Stunden später versprechen Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und weitere Mitglieder der Stadtregierung vor den verkohlten Metallstützen am Fundament, den Turm wieder aufzubauen. Eine Online-Umfrage unter den Frankfurtern bestätigt wenige Wochen später, dass sich 78 Prozent den Turm so zurückwünschen, wie er war: 43 Meter hoch und vollständig aus Holz gebaut.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das wird so nicht möglich sein. Wie das Grünflächenamt gestern mitteilte, ist eine reine Holzkonstruktion nach dem heute geltenden Baurecht ebenso wenig genehmigungsfähig wie das Imprägnieren des Holzes mit Teeröl. Dies hatte dem Turm die dunkle Farbe gegeben, ihn aber auch vor einem Jahr noch schneller abbrennen lassen. Der Feuerwehr war nach ihrem Eintreffen sofort klar, dass der rund 85 Jahre alte Turm nicht zu retten sei. Sie versuchte nur dafür zu sorgen, dass die Flammen nicht auf den Wald übergriffen.

          So originalgetreu wie möglich

          Im neuen Goetheturm werden Stahlelemente verbaut werden, um seine Stabilität zu verbessern und die Wartung zu erleichtern, wie es heißt. Diese Stützen würden später kaum sichtbar sein. Und es wird, anders als es sich der Ortsbeirat in Sachsenhausen gewünscht hat, auch wieder ein Netz geben, um zu vermeiden, dass sich Menschen herunterstürzen. Es wird sogar künftig mehr als die oberste Aussichtsplattform umfassen.

          Mit dem Wunsch der Frankfurter, den Turm so originalgetreu wie möglich wieder aufzubauen, sind auch alle Überlegungen verworfen worden, den Turm mit einem Aufzug zu versehen und damit barrierefrei zu gestalten. Ausflügler werden also wie in der Vergangenheit die 196 Stufen erklimmen müssen, um einen umfassenden Blick auf die Stadt und den Taunus genießen zu können.

          Künftig nachts verriegelt

          Und noch eine Änderung wird es geben, die den einen oder anderen irritieren könnte: Der Turm soll künftig nachts so verriegelt werden, dass er nicht mehr zu ersteigen ist. Auch bisher gab es am Eingang eine Tür, die zudem nachts abgeschlossen war. Doch es gibt kaum jemanden, der in Frankfurt groß geworden ist und nicht davon berichten kann, wie er sich des Nachts auf den Turm geschlichen hat, womöglich mit der ersten Freundin im Arm. Für romantische Abende suchen sich Teenager künftig besser einen anderen Platz: Der Eingang des neuen Goetheturms wird von Kameras überwacht sein.

          Zerstörung: Am Morgen des 12. Oktober 2017 brennt der Turm ab.
          Zerstörung: Am Morgen des 12. Oktober 2017 brennt der Turm ab. : Bild: dpa

          Allerdings müssen Frankfurter und Touristen noch einige Zeit auf die Eröffnung warten. Im für den Wiederaufbau zuständigen Grünflächenamt, das sich mit dem Baudezernat abstimmt, geht man davon aus, mit den Fundamentarbeiten in einem Jahr beginnen zu können. Mitte 2020 soll der neue Goetheturm fertiggestellt sein. Das interne Ziel lautet, den Turm bis zum 2. Mai jenes Jahres errichtet zu haben. An diesem Tag feiert der Sachsenhäuser Vereinsring sein traditionelles Goetheturmfest.

          Ein bis zwei Millionen Euro

          Was der neue Turm kosten wird, ist nach Angaben der Stadt noch nicht genau zu beziffern. Die Versicherung ersetzt der Stadt den Neuwert des Holzturms, doch für jede Veränderung und alle zusätzlichen Wünsche muss die Stadt aufkommen. Insgesamt würden wohl ein bis zwei Millionen Euro benötigt, schätzt das Grünflächenamt. Welcher Anteil die Versicherung übernehmen werde, „da ist man noch am Rechnen“, heißt es. Auf den sofort nach dem Brand eingerichteten Spendenkonten für den Wiederaufbau sind inzwischen rund 160.000 Euro eingegangen. Vereine und Geschäftsleute werben auch weiterhin um Spenden, etwa mit einem Goetheturmwein.

          Auch ein Jahr nach dem Brand wissen die Ermittler nicht, wer das Feuer gelegt hat. Es gebe „keine heiße Spur“, teilt die Polizei mit. Unklar sei bis heute, ob es ein oder mehrere Täter waren. Klar ist jedoch, dass es Brandstiftung war, denn es wurden Brandbeschleuniger benutzt. „Kriminaltechnisch sind alle Spuren ausgewertet“, so eine Sprecherin. Es habe auch einige Hinweise gegeben, doch keiner habe zum Täter geführt.

          Brandserie begann am 1. Mai 2017

          Die Ermittler der „AG Holz“ arbeiten weiter, zumal es nicht der einzige Fall in jüngerer Zeit war, in dem ein „Feuerteufel“ Holzbauten in Schutt und Asche gelegt hat. Die Serie begann am 1. Mai 2017, als im Koreanischen Garten der Morgentau-Pavillon niederbrannte. Es folgte das Feuer im Chinesischen Garten des Bethmannparks. Zudem wurde an zwei Kindertagesstätten gezündelt, und am 21. Januar dieses Jahres brannte das Blaue Haus am Niederräder Mainufer ab.

          Die Polizei vermutet, dass alle Fälle miteinander zu tun haben, Beweise gebe es aber nicht. In allen Fällen seien Brandbeschleuniger verwendet worden. Die Täter hätten es verstanden, keine Spuren zu hinterlassen, und sie seien zur „besten Brandstifterzeit“ unterwegs gewesen: zwischen zwei und vier Uhr morgens, wenn selbst eine Stadt wie Frankfurt schläft.

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