https://www.faz.net/-gzg-88qpy

Flüchtlinge in Hessen : 20.000 versorgt, 100.000 im Sinn

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Flüchtlinge beschäftigten Behörden und Bürger im ganzen Land. Die Regierung in Wiesbaden sucht nach einer gemeinsamen Strategie und verbreitet Zuversicht. Doch für die Städte beginnt die Arbeit erst so richtig.

          4 Min.

          Niemand kann sich mehr drücken: Landauf, landab entstehen Notunterkünfte, gleichzeitig brauchen immer mehr Asylbewerber eine dauerhafte Bleibe. Das alles können die Behörden nur schaffen, weil ihnen viele freiwillige Helfer zur Hand gehen. Der Überblick zeigt, was gerade zu tun ist.

          Notbetten in Reih und Glied

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Halle ist fertig, es fehlen nur noch die künftigen Bewohner: Der Odenwaldkreis habe seine Aufgabe erfüllt, teilte der Landrat gestern mit. In einer Lagerhalle in Michelstadt stehen nun bis zu 1000 Plätze bereit. Wann sie belegt sein werden, ist noch offen, dass die Halle bald voll sein wird, steht aber außer Frage.

          Neun solcher Notunterkünfte hat die Landesregierung bisher bei den Städten und Kreisen angefordert. Sie sind gedacht für die neu ankommenden Asylbewerber, viele von ihnen erreichen das Transitland Hessen mit Zügen aus dem Süden. Die Notunterkünfte ergänzen das Netz der Erstaufnahmeeinrichtungen und ihrer Zweigstellen. Sie dienen dazu, die Asylsuchenden zu registrieren und ihre Verfahren in Gang zu setzen. Mobile Teams nehmen in den Notunterkünften die Personalien auf und kümmern sich um die medizinische Erstversorgung. Knapp 19 000 Menschen leben derzeit in den Lagern, die das Land verantwortet.

          Dass jemand in Hessen registriert wird, bedeutet aber nicht, dass er hierbleiben wird. Das Bundesland nehme wegen seiner zentralen Lage zunächst etwa doppelt so viele Asylbewerber auf, wie schließlich dort blieben, sagt eine Sprecherin des hessischen Sozialministeriums. Nach der Registrierung würden die Asylsuchenden aber auf alle Bundesländer verteilt.

          Schätzung auf wackliger Grundlage

          Niemand weiß, wie viele Flüchtlinge Hessen in diesem Jahr erreichen werden. Die aktuelle Schätzung basiert noch auf der Annahme, dass ganz Deutschland 80.000 Asylsuchende aufnimmt. Demnach geht die hessische Landesregierung davon aus, bis Jahresende knapp 60.000 Asylsuchende versorgen zu müssen. Dazu kommen aber noch gut 40.000 Flüchtlinge, die zwar hier registriert, aber in anderen Bundesländern untergebracht werden. Zusammen ist also mindestens mit einer Zahl von 100.000 Asylbewerbern zu rechnen, die hessische Unterkünfte durchlaufen.

          Gesunken ist derweil die Zahl der Asylsuchenden aus Balkanländern. Aus Albanien registrierten die Behörden im September noch rund 300 Ankömmlinge, das sind mehr als zwei Drittel weniger als im Juni.

          Das kommt auf die Kommunen zu

          Der hessische Innenminister hatte keine guten Nachrichten für die Vertreter der Städte und Kreise. Vergangene Woche teilte er ihnen mit, dass sie von nun an mit deutlich höheren Zuweisungen zu rechnen haben. Überraschend kommt das nicht. Dass die enorme Steigerung der Zahlen wegen des Erstaufnahme-Verfahrens mit einer gewissen Verzögerung in den Städten und Gemeinden ankommt, war den Verantwortlichen bewusst.

          Für eine Stadt wie Frankfurt bedeutet dies, dass statt im Schnitt 60 bis 70 nun 120 bis 140 Frauen und Männer jede Woche mit einem Schlafplatz zu versorgen sind. Hinzu kommen noch unbegleitete jugendliche Flüchtlinge, die über ein gesondertes Verfahren verteilt werden. Bisher wohnen in Hessens größter Stadt knapp 4000 Erwachsene und Minderjährige. Ihre Zahl wird nun noch schneller steigen.

          Das sagt die Landesregierung

          „Wir schaffen das“, lautet die Mutmachparole von Kanzlerin Angela Merkel. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagt das Gleiche, doch verbindet er seine Zuversicht stets mit einer kleinen Einschränkung: „Es wird uns fordern, aber wenn wir es gut machen, wird es uns nicht überfordern.“ Er baue darauf, dass die historische Aufgabe im Konsens aller Demokraten gemeistert werden könne und nicht am „klassischen politischen Gehacke“ scheitere.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach dem schlechten 2020 steigen die Dividenden-Ausschüttungen dieses Jahr auf Rekordhöhen.

          Ausschüttungen : Die Rückkehr der Dividenden

          2020 war ein schlimmes Jahr für alle Freunde von Dividenden. 2021 ist alles anders: Die Ausschüttungen steigen auf einen Rekordwert. Doch ein Blick auf die Dividendenrendite reicht meistens nicht aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.