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Bank 1822 direkt : Die geheimnisvollste Bank des Finanzplatzes

Verschlossen: Die Zahlen der 1822 Direkt bleiben weitgehend verborgen. Bild: Esra Klein

Eine Bank an der Borsigallee in Frankfurt soll partout nicht von sich reden machen. Dabei könnte die 1822 Direkt in diesem Jahr ein Jubiläum feiern.

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          Es gab Zeiten, vor einem Jahrzehnt ungefähr, da waren zwar nicht Kunden, wohl aber Journalisten bei der 1822 Direkt willkommen. Der Chef der in einem Zweckbau unweit des Hessen-Centers im Frankfurter Osten untergebrachten Direktbanktochter hatte stets viel zu erzählen. Denn Online-Banking war damals noch neu, und auch die Möglichkeit, Geldgeschäfte am Telefon abzuwickeln, hatte noch etwas Unerhörtes. Generationenlang war man dazu in eine Filiale gegangen, alternativlos.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Damals war die Frankfurter Sparkasse noch arg stolz auf ihren innovativen Zweig. Doch inzwischen breitet sie über das nüchtern eingerichtete Gebäude an der Borsigallee einen weiten Mantel des Schweigens aus. Wenn das Kreditinstitut, Marktführer im Privatkundengeschäft in der Mainmetropole, größte Sparkasse Hessens, viertgrößte Deutschlands, seine Bilanz vorlegt, spielt die 1822 Direkt keine Rolle mehr. Das war schon in den Jahren so, als Herbert Grüntker die Fraspa führte, und das war gestern, als erstmals sein Nachfolger Robert Restani die Zahlen präsentierte, nicht anders. Gerade einmal die Kundenzahl der Direktbanktochter wurde erwähnt, 360.000. Aber das sagt über ein Bankhaus natürlich wenig aus. Wie viele Einlagen? Wie wird das Geld angelegt? Immerhin zahlt die 1822 Direkt noch 0,4 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld, für Neukunden sogar für einige Monate 1,0 Prozent. Und wer dort ein Girokonto eröffnet, bekommt als Prämie 120 Euro. Nur auf Nachfrage und nur in knappen Worten ließ Restani wissen, alle Geschäftsbereiche der Frankfurter Sparkasse verdienten Geld. Also auch die 1822 Direkt. Wie auch immer.

          Besteht seit fast 20 Jahren

          Dabei könnte die 1822 Direkt in diesem Jahr sogar ein Jubiläum feiern. Denn sie wird 20 Jahre alt. In den Anfangsjahren liegt wohl auch ein Grund für das Schweigen. Denn bei Sparkassen herrscht das Regionalprinzip, man kommt sich nicht in die Quere. Eine Online-Bank aber fischt überall nach Kunden, also zwangsläufig auch bei anderen Sparkassen. Als die Sparkasse 2005 von der Landesbank Hessen-Thüringen übernommen wurde, suchte man nach Möglichkeiten, andere Häuser zu beteiligen. Das blieb aber alles stecken. Auch der über mehrere Jahre betriebene Plan, der Geschäftseinheit eine eigene Banklizenz zu verschaffen, wurde niemals Wirklichkeit.

          Bild: F.A.Z.

          So fließt also der Ergebnisbeitrag der 1822 Direkt, den es Restani zufolge geben soll, in das Gesamtergebnis der Frankfurter Sparkasse ein, die im vergangenen Jahr etwas weniger verdiente als 2014, aber trotzdem noch ordentliche Zahlen vorlegte. Der neue Vorstandsvorsitzende sprach vom zweitbesten Ergebnis in der Geschichte der Sparkasse. Die Kundeneinlagen sind um 3,5 Prozent gestiegen, die Kreditzusagen fielen 2015 sogar 11,5 Prozent höher aus als 2014, und in der Verwaltung ist die Sparkasse ihrem Namen gerecht geworden und hat gespart; die Zahl der Beschäftigten sank leicht um 50 auf 1837. Ob sie alle und womöglich auch die Kunden in diesem Jahr noch das zwanzigjährige Bestehen der 1822 Direkt feiern, wird sich zeigen. Wahrscheinlich ist es nicht.

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