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Attacke auf Schiedsrichter : 15 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung für Fußballer

  • -Aktualisiert am

Der Angeklagte hatte dem Schiedsrichter wegen einer Gelb-Roten Karte ins Gesicht geschlagen. (Symbolbild) Bild: Max Kesberger

Ein Fußballspieler aus dem südhessischen Münster wurde zu 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Mann hatte im Oktober einen Schiedsrichter geschlagen.

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          Es war ein einziger Schlag ins Gesicht, gesetzt nach einer Gelb-Roten Karte, der das Leben eines zweiundzwanzigjährigen Fußballschiedsrichters nachhaltig verändert hat. Kurz vor Ende eines Kreisligaspiels im südhessischen Münster (Darmstadt-Dieburg) war der Unparteiische vergangenen Oktober von einem Spieler derart niedergestreckt worden, dass er mehrere Minuten bewusstlos auf dem Rasen gelegen hatte und schließlich mit einem Rettungshubschrauber nach Mainz geflogen wurde. Der Vorfall hatte bundesweit Aufsehen erregt und eine Debatte um Gewalt gegen Schiedsrichter angestoßen. Eine Handyaufnahme der Attacke kursierte bald darauf in verschiedenen Medien.

          Wegen gefährlicher Körperverletzung ist der 28 Jahre alte Angreifer am Donnerstag vom Amtsgericht im südhessischen Dieburg zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden. Außerdem muss er sich einem Anti- Aggressionstraining unterziehen und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Sobald der Achtundzwanzigjährige wieder eine Anstellung hat, soll er 2000 Euro an eine gemeinnützige Schiedsrichter-Organisation sowie seinem Opfer 3500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Er hoffe, dass dieses Urteil einen generalpräventiven Effekt habe, so der Vorsitzende Richter. „So etwas wollen wir nicht mehr sehen.“

          Die Staatsanwaltschaft hatte anderthalb Jahre Haft zur Bewährung gefordert, die Verteidigung eine Verurteilung wegen einfacher und nicht wegen gefährlicher Körperverletzung. Er wolle nun mit seinem Mandanten besprechen, ob Berufung gegen das Urteil eingelegt wird, sagte der Anwalt nach der Verhandlung. „Das war mein letztes Spiel“, sagt der ehemalige Unparteiische, als er im Zeugenstand vom Tattag berichtet. Seitdem habe er nicht mehr auf den Platz zurückkehren können. Die körperlichen Folgen, so scheint es, hat er inzwischen zwar weggesteckt, obgleich auch sie nicht unerheblich waren: Gehirnerschütterung, Schwindelattacken, Kopfschmerzen und wegen einer Kieferverletzung mehrere Tage Flüssignahrung. „Ich habe meine Liebe zur Tomatensuppe entdeckt“, so das Opfer. Eine Rechtsmedizinerin dagegen nennt die Attacke „eine das Leben gefährdende Behandlung“. Nicht nur, weil der Zweiundzwanzigjährige mehrere Minuten bewusstlos war. Er hätte seine Zunge verschlucken und daran ersticken können. Ebenfalls bestehe bei einem solchen Schlag die Gefahr, dass der Getroffene mit dem Kopf aufschlägt oder der so überstreckt wird, dass Schlagadern reißen.

          Attacke hatte psychische Folgen

          Der Schiedsrichter hatte, gemessen daran, Glück. Dennoch musste er vier Tage im Krankenhaus bleiben, bis Ende November war er arbeitsunfähig. Psychisch hat er immer noch zu kämpfen. Vor der Attacke habe er schon freitags damit begonnen, sich auf ein Sonntagsspiel vorzubereiten. Inzwischen werde er schon beim Gedanken daran „unglaublich nervös“. Der Schlag habe ihn völlig unvorbereitet getroffen. „Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Spieler angreift.“ Außerdem fühle er sich schlecht, weil er als Schiri aufgehört habe. „Das ist eigentlich das falsche Signal.“ Aber er könne nicht mehr weitermachen. Trotz allem nahm er eine Entschuldigung des Angeklagten an.

          Dieser wiederum hatte zu Prozessbeginn erklärt, dass er sich für den Schlag schäme. Vermutlich ist ihm erst später klargeworden, welche Folgen sein Ausraster hatte. Seine ehemalige Mannschaft ist seit dem Vorfall vom Spielbetrieb abgemeldet. Vier Spieler, so der ehemalige Trainer vor Gericht, hätten nicht einmal mehr neue Vereine gefunden, bei denen sie spielen durften. Auch für den Angeklagten hatte die Attacke über den Prozess hinaus Folgen. „Ich habe mich seitdem zurückgezogen, auch wegen des Videos“, sagte er noch am Morgen. Der Staatsanwalt fasst später zusammen, was dem Achtundzwanzigjährigen auch in Zukunft das Leben schwermachen dürfte: „Es wird sich immer jemand daran erinnern.“

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