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100 Wohnungen : Frankfurt geht nach Friedberg, um zu bauen

Begehrtes Bauland: An diesem Fleck in Friedberg will die Frankfurter ABG bauen Bild: Rüchel, Dieter

Ab ins Umland: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding aus Frankfurt will 100 Wohnungen im Passivhaus-Standard in Friedberg errichten.

          3 Min.

          Die Frankfurter wollen ihre Ankündigung wahr machen und im Umland bauen. In der vergangenen Woche hat Frank Junker, Chef der Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding, in Friedberg seine Pläne vorgestellt. Ginge es nach ihm, errichtete die ABG im nächsten Jahr auf dem Gelände der ehemaligen Wohnsiedlung der amerikanischen Soldaten am südlichen Stadtrand von Friedberg rund 100 familiengerechte Wohnungen im Passivhaus-Standard, ohne Sozialbindung.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Das ist für uns eine sehr interessante Sache“, sagt Friedbergs Bürgermeister Michael Keller (SPD). Er sieht die 100 Wohnungen als Pilotprojekt, schließlich hat die Stadt im Süden ihrer Gemarkung seit 2008 rund 74 Hektar Kasernengelände brach liegen. Die Flächen städtebaulich allein zu entwickeln übersteigt nach Kellers Worten die Möglichkeiten der Stadt. „Wir wären dumm, suchten wir nicht den Kontakt zu innovativen Menschen, die das Geld haben, Dinge auszuprobieren“, wie Junker dies mit energetisch modernen Häusern tue, sagt Keller.

          Der Willen der Gemeinde

          Anfangs trieb in Friedberg die oppositionelle CDU die Sorge um, Frankfurt beginne wie in den siebziger Jahren Sozialwohnungen in anderen Städten zu errichten, um eigene Problemfälle abzuschieben. Im Umland genügte es, die Stichworte „Steinbach“ und „Dietzenbach“ zu nennen, um die Schrecken jener Jahre heraufzubeschwören. Damals akzeptierten Umlandkommunen Frankfurter Sozialwohnungen auf ihrer Gemarkung, um die eigene städtische Entwicklung voranzutreiben. Bis heute gibt es noch mehr als 300 Sozialwohnungen der ABG in Maintal, Mörfelden-Walldorf, Niederdorfelden und Eschborn. Weiter entfernt liegende Wohnungen etwa in Gießen, Wiesbaden oder Darmstadt hat die ABG nach eigenen Angaben inzwischen verkauft.

          „Wir bauen keine Sozialwohnungen gegen den Willen einer Gemeinde“, sagt Junker. In Offenbach baue die ABG auf dem früheren MAN-Roland-Gelände 170 Wohnungen, darunter seien 50 Sozialwohnungen. Aber Frankfurt und Offenbach wollten damit Neuland betreten, da es das erste interkommunale Wohnungsbauförderprojekt sei: Frankfurt, Offenbach und das Land Hessen steuerten jeweils Fördermittel bei. „Es ist der Versuch zu zeigen, dass auch das funktioniert“, sagt Junker.

          „Eine Aufgabe der Region“

          Warum die großstädtische Wohnungsbaugesellschaft in Friedberg investiert, begründet Junker mit dem neuen Frankfurter Verständnis, dass „Wohnen eine Aufgabe der Region“ sei. Das habe Frankfurt bereits auf zwei Sitzungen des vom Regionalverband und der Stadt Frankfurt neu geschaffenen „Runden Tisches Wohnen“ angekündigt und im Umland um Angebote geworben. Es gebe eine Reihe vielversprechender Gespräche mit mehreren Kommunen, sagt Junker. Konkreter will er jedoch nicht werden. Voraussetzung für die Frankfurter Seite sei eine ausgezeichnete Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

          Die besitzt Friedberg. Die Housing Area liegt nicht weit entfernt vom Bahnhof, den Bürgermeister Keller den „Hauptbahnhof der Wetterau“ nennt. Er sei mit 20 000 Fahrgästen täglich einer der größten Bahnhöfe im Rhein-Main-Gebiet. „In 25 Minuten sind sie am Frankfurter Hauptbahnhof, da brauchen sie von Fechenheim länger.“ Auch das derzeit hinter hohen Zäunen brachliegende Kasernengelände verfügt über einen Bahnanschluss - allerdings in Richtung Friedrichsdorf und Bad Homburg.

          „Friedberg der nördlichste Standort“

          Die Frankfurter agieren jedoch nicht altruistisch. Jede Wohnung im Umland verringert möglicherweise den Druck auf den eigenen Wohnungsmarkt, lautet die Devise. „Wir bauen auch in Frankfurt jede Menge“, sagt Junker, doch am Main seien die Grundstücke knapp und die Preise hoch. In Friedberg baue es sich preiswerter, weil die Grundstücke günstiger seien; die Kosten neuer Wohnungen lägen 30 bis 40 Prozent unter dem Frankfurter Niveau. Die Miete für eine neue Passivhauswohnung soll in Friedberg neun Euro pro Quadratmeter betragen, in Frankfurt werden laut Junker mindestens zwölf Euro fällig.

          „Wir verschenken die Wohnungen in Friedberg nicht“, sagt der ABG-Chef, ohne Frankfurter Hilfe würden die neuen Unterkünfte aber möglicherweise gar nicht entstehen. Und er stellt klar: „Friedberg ist der nördlichste Standort, den wir uns als ABG vorstellen können.“

          Keller ist mit Blick auf das 74-Hektar-Kasernengelände über das ABG-Engagement äußerst zufrieden. Andere Investoren seien schon auf das Gelände aufmerksam geworden, sagt er und listet die Vorteile der 28.000-Einwohner-Stadt Friedberg als wichtigen Standort für Schulen und für die Technische Hochschule Mittelhessen mit 5000 Studenten auf. „Das Stadtzentrum, die Kaiserstraße, ist am Tag belebt“, sagt er, „wir sind die erste echte Stadt nördlich von Frankfurt.“

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