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Streit in Kronberg : Vor allem am Hotel scheiden sich die Geister

Vielschichtig: Das Parkhaus-Areal am Bahnhof soll mit einem Hotel und einem Musiksaal bebaut werden. Bild: Frank Röth

In Kronberg ist eine Sondersitzung zum umstrittenen Vorhaben am Bahnhof notwendig. Die Koalition will Planungsrecht noch vor der Wahl. Doch die Diskussionen gehen weiter - wie schon seit 17 Jahren.

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          Seit 17 Jahren wird in Kronberg darüber diskutiert, wie die unansehnlichen Flächen rund um den Bahnhof attraktiver gestaltet werden könnten. Einem städtebaulichen Wettbewerb im Jahr 1999 folgte ein Ringen um Baufeldeinteilung und Ausnutzungen, das 2012 in einen Rahmenplan mündete. Im Kern des Gebiets sollen ein Hotel mit 110 Betten und ein Kammermusiksaal der Kronberg Academy mit 500 Sitzplätzen und angegliedertem Studien- und Verwaltungszentrum entstehen. Die lange Vorbereitungszeit hat nicht verhindern können, dass die Kritik vor allem an der Masse des Hotelbaus im vergangenen Jahr zugenommen hat und sich der Streit jetzt kurz vor der Kommunalwahl zuspitzt. Eigentlich hatten die Stadtverordneten am heutigen Abend in ihrer letzten Sitzung vor dem 6.März den Bebauungsplan als Satzung beschließen sollen. Nun werden sie dafür noch einmal für eine Sondersitzung zusammenkommen. Das habe der Magistrat entschieden, sagte Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) auf Anfrage.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die Beschlussvorlage für die heutige reguläre Sitzung war nach Antragsschluss als dringlich auf die Tagesordnung genommen worden. Die Wählergemeinschaft Kronberg für die Bürger (KFB), FDP und Grüne sprachen sich daraufhin für eine Vertagung auf die neue Wahlzeit aus. Für eine intensive Beschäftigung mit den Hunderten Seiten mit Einwendungen und Anregungen der Bürger sei die Zeit zu knapp. Mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt wollte die KFB-Stadtverordnete Heide-Margaret Esen-Baur deshalb die Dringlichkeit überprüfen lassen.

          1.700 Unterschriften gegen die geplante Bebauung

          Die 7.Kammer lehnte den Antrag zwar am Montag ab, wie eine Sprecherin sagte. Trotzdem hat der Magistrat inzwischen Stadtverordnetenvorsteherin Blanka Haselmann (CDU) gebeten, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen. Man wolle nicht die „subjektiv empfundene und mit Wahlkampfrhetorik vorgebrachte Benachteiligung verstärken“. Ebenfalls am Montag hat eine Bürgergruppe mit dem Namen „Perspektiven für Kronberg“ 1.700 Unterschriften gegen die geplante Bebauung am Bahnhof im Rathaus abgegeben. Sie richten sich gegen einen „23-Meter-Bettenturm“ am Bahnhof und den Wegfall der Park-and-ride-Plätze. Stattdessen wurde in der auch online zur Abstimmung gestellten Petition eine „moderate Bebauung“ des Bahnhofsareals gefordert, die sich in die Umgebung einfüge und zum Stil Kronbergs passe.

          Die Koalition aus CDU und SPD äußerte gestern Kritik an den zur Abstimmung gestellten Punkten. Schon die Bezeichnung „Bettenturm“ zeige, dass es nicht um Neutralität gehe, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Christoph König. Auch fielen die 190 Park-and-ride-Parkplätze nicht alle weg. 80 öffentliche Parkplätze blieben am Bahnhof, während der überörtliche Park-and-ride-Platz am S-Bahnhof Kronberg-Süd ausgewiesen werden solle.

          Stadtverordnete beider Fraktionen verwiesen darauf, dass die ohnehin weit zurückreichenden Pläne nicht von CDU und SPD im Alleingang entwickelt worden seien. Ein wesentlicher Teil der Beschlüsse sei von CDU, SPD, Unabhängiger Bürgergemeinschaft (UBG), FDP und Teilen der Grünen gefasst worden. Auch die KFB habe 2008 die Reduzierung der Bruttogeschossfläche des Hotels von 8000 auf 6000 Quadratmetern unterstützt. „Wir setzen mit dem Hotelbau nur unser Wahlprogramm um“, sagte der CDU-Parteivorsitzende Reinhard Bardtke. CDU und SPD seien vor fünf Jahren zusammen auf 60Prozent gekommen. „Niemand kann sagen, der Wille der Kronberger werde nicht berücksichtigt.“ Auch den Zeitdruck sieht die große Koalition nicht als Argument gegen eine zügige Entscheidung.

          „Es geht um Kronbergs Ruf als verlässlicher Partner“

          „Alle Stadtverordneten haben in den vergangenen fünf Jahren intensiv über das Projekt diskutiert“, sagte Max-Werner Kahl (CDU). Und der heutige Entwurf sei das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs mit elf internationalen Büros, der von Fachleuten der Architektenkammer bewertet worden sei. „Alle kennen den wesentlichen Teil der Vorlage“, sagte auch SPD-Fraktionschef König. Und die nach der Offenlage eingegangenen Anregungen wiederholten sich meist nach zehn Seiten.

          In einer Mitteilung hatte der Sprecher der „Perspektiven“-Gruppe, Berthold Hackl, unter anderem die Wirtschaftlichkeit des Hotels bezweifelt und kritisiert, die Kronberg Academy mit ihrem Kammermusiksaal werde in „Geiselhaft“ genommen, weil beide Projekte angeblich nur im Verbund zu haben seien. Dafür gebe es keinen Grund. König hingegen hob gestern hervor, eine Trennung beider Vorhaben sei reine Theorie. Hotelinvestor Contraco habe damals für den nicht benötigten Teil des Grundstücks eine Nutzung gesucht und sei mit der Academy einig geworden. Das Hotel gebe es ohne den Kammermusiksaal, aber nicht umgekehrt. Sollte der Investor bei einer weiteren Verzögerung irgendwann das Interesse verlieren, stünden Hotel, Kammermusiksaal und die städtebauliche Aufwertung des Bahnhofsumfelds auf dem Spiel.

          „Ein Scheitern hinterließe verbrannte Erde“, sagte Bardtke. „Es geht um Kronbergs Ruf als verlässlicher Partner“, ergänzte die stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Andrea Poerschke. Während König den Grünen bei ihrer Ablehnung eine differenzierte Argumentation bescheinigte, beklagte der SPD-Fraktionsvorsitzende, dass vor allem die KFB die zuletzt konstruktive politische Kultur in der Stadtverordnetenversammlung verlassen habe.

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