https://www.faz.net/-gpc-6uzty

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Republikaner : Warmlaufen für die Vorwahlen

  • -Aktualisiert am

Ja wo hab ich es denn ... „Oops“. Rick Perry kann die richtige Antwort in seinen Notizen nicht finden. Bild: dpa

Wahlen in Amerika, zumal fürs Präsidentenamt, sind ein Marathon, schon der Weg zur Kandidatur verlangt fortgesetzte Ausdauer und geistige Frische. Das bekommt mancher zu spüren.

          3 Min.

          Energie war das dritte. Aber es fiel dem texanischen Gouverneur Rick Perry erst mit quälender Verspätung ein, als er nach einer akuten Gedächtnislücke einige Minuten später wieder an der Reihe war.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wenn er erst einmal Präsident sei, so hatte Perry versprochen, werde er in Washington sogleich drei Ministerien abwickeln: Jenes für Bildung, für Handel und für - doch an das dritte konnte sich Perry partout nicht erinnern, so sehr er auch um sich schaute und seine Notizen durchstöberte. „Was war das noch mal? Das dritte kann ich nicht nennen. Tut mir leid, fällt mir nicht ein. Ups“, stotterte Perry in der mittlerweile neunten Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten in der Nacht zum Donnerstag.

          Hernach, als die Direktübertragung der Debatte längst beendet war, bemühte sich Perry mit Selbstironie um Schadensbegrenzung: „Wie gut, dass ich meine Stiefel anhatte. Da bin ich ja mitten hineingetreten.“ Ob der neuerliche Aussetzer Perrys, dessen Stärke gewiss nicht die Kandidatendebatte ist, seiner Bewerbung um das Präsidentenamt den Todesstoß versetzt hat, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die ersten innerparteilichen Vorwahlen jedenfalls stehen in knapp zwei Monaten an. Die eigentlichen Präsidenten- und Kongresswahlen finden in ziemlich genau einem Jahr statt.

          Wahlen in Amerika sind „Marathon“

          Man hat den quälend langen Prozess der amerikanischen „Primaries“ samt dem inzwischen ebenfalls monatelangen Vorlauf zu den Vorwahlen oft als eine Art Feuertaufe für die Kandidaten beschrieben: Wer den Herausforderungen an fortgesetzte geistige Frische und auch an körperliche Ausdauer in den „Primaries“ nicht gewachsen ist, der wird auch unter der gewaltigen Last des Amtes im Weißen Haus bald zusammenbrechen. Wahlen in Amerika, zumal fürs Präsidentenamt, sind ein Marathon, und am Ende zählt nur, wer an der Ziellinie Spitzenreiter ist.

          Vereinigte Staaten : Perry patzt im Wahlkampf

          Beim Wettlauf der Kandidaten sind zuerst die Abgeordnete Michele Bachman und Gouverneur Rick Perry nach überraschenden Zwischensprints wieder zurückgefallen; vielleicht geht Perry, obwohl er weiterzumachen verspricht, die Luft bald vollends aus. Als nächsten könnte es den früheren Unternehmer Herman Cain erwischen, der sich immer neuen Vorwürfen sexueller Belästigung ausgesetzt sieht - mittlerweile von vier Frauen.

          Die Wahl als Referendum über Wirtschaftpolitik

          Zwar weist Cain alle Vorwürfe entschieden zurück, zwar haben sich die von den Medien ausgewalzten Berichte noch nicht in sinkenden Zustimmungsquoten niedergeschlagen. „Die Wähler verdienen mehr, als dass jemand wegen haltloser Vorwürfe vor das Gericht der öffentlichen Meinung gezerrt wird“, sagte Cain, und die Zuhörer im Saal jubelten dem einzigen Schwarzen unter den acht republikanischen Kandidaten zu. Je mehr Cain aber zu den Vorfällen Stellung nehmen muss, desto weniger kann er zeigen, dass er als politischer Novize über die notwendige Tiefe und Breite des Wissens verfügt, um die schlingernde Supermacht Amerika wieder auf Kurs zu bringen.

          Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, debattiert voller Elan in Michigan. Bilderstrecke
          TV-Debatte : Republikaner Perry blamiert sich schon wieder

          Auch bei der letzten Debatte in der Nacht zum Donnerstag in Troy in Michigan ging es um die Wirtschaftskrise, um Haushaltsloch und Schuldenberg. So wird es in der Regel auch beim guten Dutzend kommender Debatten sein und dann schließlich im eigentlichen Wahlkampf im kommenden Jahr. Denn die Wahlen 2012 werden ein Referendum über die Wirtschaftspolitik von Barack Obama sein, und der Präsident ist angesichts wieder aufkommender Rezessionsangst, hoher Arbeitslosigkeit und eines weit verbreiteten allgemeinen Pessimismus in keiner leichten Position.

          Außenpolitische Leichtgewichte: Cain und Bachmann

          Bei der nächsten Debatte, schon an diesem Samstag in South Carolina, steht erstmals die Außen- und Sicherheitspolitik im Mittelpunkt. Dabei dürften abermals die Wissenslücken und Simplifizierungen außenpolitischer Leichtgewichte wie Herman Cain, Michele Bachman und Ron Paul zu Tage treten. Jon Hunstman, einst Gouverneur von Utah und Botschafter in Peking, taucht weiter nicht auf dem Radarschirm der potentiellen Wähler auf.

          Immer deutlicher aber tritt Mitt Romney als verlässlichster und zuverlässigster Kandidat hervor, in innen- und außenpolitischen Sachfragen sattelfest, stets eloquent und gelassen, sozusagen rundum prä-präsidentiell. Stabilisieren konnten sich der frühere „Sprecher“ des Repräsentantenhauses Newt Gingrich und der frühere Senator aus Pennsylvania Rick Santorum. Doch im Weißen Haus hat man sich längst auf Romney eingestellt und lässt schon Wahlkampfspots gegen ihn produzieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          EU-Aufbaufonds : Ungarn und Polen drohen leer auszugehen

          Die EU-Kommission bereitet nach F.A.Z.-Informationen in Absprache mit den anderen Ländern vor, den Aufbaufonds ohne Polen und Ungarn in Kraft zu setzen. Sie hat mehrere Möglichkeiten.
          Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq

          Houellebecq über Religion : Was glauben Sie denn?

          Er bezeichnet sich als Atheist, einige seiner Figuren konvertierten zum Islam: Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Michel Houellebecq über die vielen Facetten der Religion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.