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Rekord-Triathlon in Hessen : Ein Ironman kennt keinen Schmerz

  • -Aktualisiert am

„Die Schmerzen entscheiden über das Tempo“: Der Triathlet Dirk Leonhardt joggt seinem Ziel entgegen. Bild: Lucas Bäuml

Dirk Leonhardt aus Hessen kommt seinem Ziel immer näher. Er möchte den Weltrekord brechen und die dreißigfache Ironman-Distanz schaffen. Doch die extreme körperliche Belastung geht an dem Triathleten nicht spurlos vorbei.

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          In der Stadt hat es sich schon herumgesprochen. Ein Mann in schwarz-roter Sportkleidung läuft seit vergangener Woche immer wieder die gleiche Strecke in Bruchköbel. Wenn ihn die Einheimischen sehen, fragen sie: „Ist er das?“ Andere rufen dem Athleten aus dem fahrenden Auto zu, um ihn zu motivieren: „Mach weiter so.“ Jüngst ist sogar die Bürgermeisterin ein Stück mit ihm gelaufen. Auch sie wollte Dirk Leonhardt bei seinem Versuch unterstützen, den Weltrekord für den längsten Triathlon zu brechen. Seit Anfang Juli hat der Mann schon 200 Kilometer im Wasser und 5400 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt. Inzwischen sind mehr als 700 Kilometer Laufstrecke dazugekommen; 1320 will er insgesamt laufen. Doch die extreme körperliche Belastung geht auch an dem Triathleten nicht spurlos vorbei.

          „Die Schmerzen entscheiden über das Tempo“, sagt Leonhardt bei einem Zwischenstopp auf der Strecke. Täglich vier Laufrunden à 20,5 Kilometer hatte er eigentlich angestrebt – das sind knapp zwei Marathon-Distanzen. Doch eine Entzündung am Fußgelenk machte ihm zunächst einen Strich durch die Rechnung. „Da ging Joggen gar nicht, und ich musste durchweg gehen“, sagt er. Vier bis viereinhalb Stunden hat der Bruchköbeler deshalb für eine Runde gebraucht. „Es war frustrierend, weil ich nicht ins Joggen reingekommen bin.“ Mittlerweile sind die Schmerzen wieder etwas abgeklungen, und Leonhardt kann den einen oder anderen Kilometer schneller angehen. „Ich muss schauen, dass ich die Belastung so halte, dass ich möglichst schonend laufe.“

          „Langsam wird es schon anstrengender“

          Weniger frustrierend dagegen war für Leonhardt das Radfahren. „Das ist seine Lieblingsdisziplin“, sagt seine Frau Ilsa. Dafür hat Leonhardt auch besonders viel trainiert. Denn ursprünglich wollte er in seinem Jahresurlaub quer durch Europa radeln – vom Nordkap bis nach Südspanien. Dann kam Corona und nicht viel später die Idee, stattdessen im Rhein-Main-Gebiet einen Weltrekord zu brechen.

          „Langsam wird es schon anstrengender“, sagt Ilsa Leonhardt. Wie zuvor kümmert sie sich um die Verpflegung ihres Mannes. Regelmäßig füllt sie die Vorräte im Auto nach, das die beiden auf der Hälfte der Strecke geparkt haben. Vor allem Wasser braucht der Athlet an diesen heißen Tagen. Nutella-Brote gebe es nicht mehr so oft, dafür aber Brote mit Honig, erzählt sie. Gleichzeitig passt Ilsa Leonhardt auf die beiden Kinder im Alter von vier und sechs Jahren auf. Die sind schon vor einer Weile aus dem Urlaub bei den Großeltern zurückgekommen. „Die Kinder freuen sich und erzählen das eigentlich jedem, der vorbeikommt“, sagt die Mutter. Bei den Laufrunden können sie ihren Vater auch endlich ein Stück begleiten. „Der Große sagt dann immer ,Papa, du bist ne lahme Ente‘, weil er natürlich mit dem Fahrrad ordentlich Gas geben kann“, sagt Dirk Leonhardt und muss ein wenig lachen.

          Das Ziel stets vor Augen

          Frau und Kinder sind aber nicht seine einzigen Unterstützer: In den vergangenen Wochen haben ihn immer wieder Freunde, Kollegen und Bekannte zu Hause und auf der Strecke besucht. Manche tragen seinen Rucksack mit der Verpflegung, andere bringen ihm Wasser an die Strecke oder stellen ihren Trainingsplan um, damit sie Leonhardt begleiten und motivieren können. Seit er unermüdlich die Strecke durch Bruchköbel und den angrenzenden Wald abläuft, ist die Zahl seiner Begleiter weiter gestiegen. Weil er meist nur gehe, könnten auch weniger trainierte Läufer mithalten. „Die Hilfsbereitschaft, die mir entgegenschlägt, ist phänomenal“, sagt der Bruchköbeler. Vor allem, weil er viele Unterstützer vorher gar nicht kannte. „Es gibt einige, die sind wirklich viel dabei, und da kann man schon sagen, dass eine Freundschaft entstanden ist.“

          Sein Ziel hat Leonhardt weiterhin vor Augen. Und er glaubt, dass er es bis zum Ende seines Urlaubs erreichen kann. Denn um den Weltrekord der Italienerin Ilaria Corli zu überbieten, müsste er 53 Runden laufen. Aber der Bruchköbeler will mehr: Er möchte die dreißigfache Ironman-Distanz schaffen. Dafür muss er mehr als 60 Laufrunden absolvieren. „Wenn nach dem Urlaub noch Runden übrig sind, dann schaffe ich nur eine am Tag“, sagt der Bruchköbeler. Dann müsse er die 20 Kilometer morgens vor der Arbeit laufen, um nach Feierabend noch Zeit mit der Familie verbringen zu können.

          Am Ende muss er die gesammelten Dokumente über die zurückgelegte Strecke auf eine Internet-Plattform hochladen. Dazu zählen die Video-Aufnahmen von den Runden am Badesee und die GPS-Daten von den Etappen auf dem Rad und zu Fuß. Die werden vom Guinness-Komitee geprüft. Nach spätestens drei Monaten bekommt Leonhardt Rückmeldung, ob er den Platz im Guinness-Buch der Rekorde sicher hat. Vielleicht erfährt er davon im Oktober, wenn die Familie wieder ein paar freie Tage hat. Dann wandern sie in der Sächsischen Schweiz. Ganz ohne Sport geht es nicht. Das weiß auch Leonhardts Frau: „Entspannung mit Dirk ist schwierig.“

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