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Zukunftsstadt Toronto : Mit aller Macht gegen die Gentrifizierung

Kapitalismus und Ökologie müssen kein Widerspruch sein: die Skyline der Stadt mit dem CN Tower, vom Toronto Island Park aus gesehen. Bild: Toronto Tourism

Bald leben zwei Drittel der Menschheit in Städten. Doch so, wie wir es derzeit tun, wird es nicht funktionieren. Wir brauchen neue Ideen und Konzepte. Toronto, Kanadas größte Stadt, probiert sie schon jetzt aus.

          10 Min.

          Joe sieht aus wie die ideale Tarnung eines florierenden Mafia-Geschäfts. Seit fünfzig Jahren, seit er fünfzehn war, hockt er mit ausgewaschenem T-Shirt und melancholischer Unschuldsmiene in seinem Ladenloch in Kensington Market, in dem sich die Zwiebelsäcke und Olivenölkanister stapeln, als sei er Francis Ford Coppolas früher Pate. Doch das alles ist nur Fassade, denn unter Joe verbirgt sich eine Ali-Baba-Höhle voller Kostbarkeiten. Niemals hätten wir das für möglich gehalten – bis er uns eine versteckte Stiege hinunterführte in seinen labyrinthischen, deckenhoch mit dem erlesensten Obst und Gemüse vollgestopften Keller und uns mit einem sanften Lächeln von all seinen Schätzen naschen ließ.

          Jakob Strobel y Serra
          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Natürlich ist Joe kein Mafioso, sondern rechtschaffen bis in die Haarspitzen: Dieser bescheidene Multimillionär ist der letzte Obst- und Gemüsegroßhändler in Torontos Innenstadt, beliefert vierhundert Lokale, darunter emblematische Adressen wie das rotierende Restaurant im 553 Meter hohen CN Tower, leert und füllt seinen Riesenkeller dafür alle zwei Tage und wird selbstverständlich noch viele weitere Jahre in seinem Laden hocken, weil das hier alle so wollen und gerade ein solcher Anachronismus der fortschrittsversessenen Stadt Toronto gut zu Gesicht steht.

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