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Zukunft des Reisens : Ohne Schlangen bis zum Gate

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Eine Rohrpost für Menschen: Der Graphiker Klaus Bürgle stellte sich das im Jahr 1967 so vor. Bild: Klaus Bürgle

Reisen wird einfacher werden und viel komfortabler – mit der Fensterscheibe als Fremdenführer und dem Smartphone als Schiedsgericht bei verlorenem Gepäck: Wie sich Fluglinien, Busunternehmen und die Bahn auf die Zukunft vorbereiten.

          Schriftsteller und Regisseure machen sich seit hundert Jahren und mehr Gedanken, wie die Zukunft des Reisens aussieht – und haben sich vom Subraum-Äther-Winker und bis zum Warp-Antrieb einiges ausgedacht – vom Beamen gar nicht erst zu sprechen. All das allerdings ist noch nicht einmal in Planung. Doch auch diesseits der Science-Fiction-Stoffe wird sich in den kommenden zwanzig bis dreißig Jahren einiges verändern. Ganz gehörig verändern, sagen die, die es wissen müssen.

          So sagt etwa Andrew O’Connor, Vizepräsident der Airline Operations bei Sita, einem Kommunikations- und IT-Anbieter, der technologische Neuerungen und Lösungen für beinahe alle Fluggesellschaften und mehr als tausend Flughäfen weltweit anbietet, dass der Flughafen der Zukunft völlig anders aussehen wird. „Der traditionelle Check-in-Schalter wird gänzlich verschwinden, und der Self-Service-Gepäckabgabe werden automatisierte Gates, Security- und sogar Grenzkontrollen folgen.“ O’Connors ultimative Vision in dieser automatisierten Landschaft: Der Passagier kommt am Flughafen an, muss nirgendwo sein Tempo abbremsen, alle Türen öffnen sich vor ihm ganz von allein, bis er an seinem Gate ist. „Die Leute müssen im Fluss bleiben“, sagt O’Connor. Und was machen sie, wenn sie so schnell bis ans Gate geflossen sind? Sie haben eine entspanntere Anreise, schwärmt O’Connor, und mehr Zeit für anderes – zum Einkaufen beispielsweise. Er schätzt, dass zwischen Ankunft am Flughafen und Boarding bald nur noch dreißig Minuten liegen werden – und geht davon aus, dass dieses Szenario in einigen größeren Flughäfen schon in fünf Jahren umgesetzt werden kann.

          Der Passagier muss transparenter werden

          Auch im Sicherheitsbereich wird künftig viel mehr automatisiert ablaufen – wozu der Passagier allerdings wesentlich transparenter werden muss. „In dem Moment, in dem man seinen Pass auf einen Automaten legt, können vielerlei Daten abgeglichen werden, die je nach aktueller Gefahrenlage angepasst werden, also etwa eine Vorstrafen- oder Herkunftsüberprüfung“, sagt O’Connor. Denkbar sei auch, dass man, statt lange an der Passkontrolle anzustehen, ein Bild von sich über eine App der jeweiligen Regierung übermittelt, die einen registriert, während man auf dem Weg ins Flugzeug oder heraus ist. Bedenken, dass der Self-Service-Flughafen keine menschlichen Mitarbeiter mehr brauche, hat O’Connor nicht: Sie würden anders eingesetzt. Inwiefern, wird sich zeigen müssen – vielleicht als Hilfe für Passagiere, die mit den Maschinen nicht zurechtkommen.

          Die Lufthansa begegnet den Fragen und Anforderungen der Reise der Zukunft mit einem Innovationszentrum, dessen Namen „Innovation Hub“ recht dynamisch klingt und auch unbedingt nach Future. In diesem Hub sitzen in Berlin fünfzehn Seriengründer, Start-up-Experten und Lufthansa-Mitarbeiter, die digitale Trends im Reisemarkt auswerten und für die Lufthansa nutzbar machen sollen. Dabei profitiert nicht nur die Lufthansa von den Entwicklungen ihres Zentrums. Die Internetseite AirlineCheckins.com etwa übernimmt den Check-in-Vorgang für alle Fluggesellschaften, die einen Online-Check-in anbieten, automatisch und kostenfrei. Passagiere können sich auf der Seite registrieren und Sitzplatzpräferenzen angeben. Wer seinen Flug mit der persönlichen E-Mail-Adresse von AirlineCheckins.com bucht, wird, sobald der Online-Check-in der jeweiligen Fluggesellschaft startet, automatisch eingecheckt und erhöht damit die Chancen auf seinen bevorzugten Sitzplatz.

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          Ein weiterer Prototyp, den der Hub in Berlin gemeinsam mit Lufthansa Passage entwickelt hat, heißt Linea und bietet digitale Kompensationen bei Gepäckverspätungen an. Sobald sich ein Koffer verspätet, wird der Passagier per E-Mail oder SMS darüber informiert und erhält einen Link, über den er zwischen unterschiedlichen Gutscheinen, Meilen oder einer Direktzahlung als Entschädigung wählen kann. Das vermeidet das zunächst lange, irgendwann bange Warten am Gepäckband und anschließend das Schlangestehen am Counter. Der Fluggesellschaft erspart es darüber hinaus eine Menge Prozesskosten.

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