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Zukunft der Luftfahrt : Des Phönix lahme Flügel

Sehnsuchtsbild: Der Traum vom Fliegen hat in Zeiten der Pandemie eine ganz neue Bedeutung bekommen. Bild: Lucas Bäuml

Prognosen haben in Zeiten der Pandemie die Halbwertzeit eines Soufflés. Wir wagen trotzdem einen Blick in die Zukunft der Luftfahrt, die wohl viele Jahre brauchen wird, um den Schock von Corona zu überwinden.

          10 Min.

          Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) unternimmt auf seiner Website eine enthusiastische Zeitreise durch die deutsche Luftfahrt. Sie beginnt mit Otto Lilienthal, der sich 1891 einen Menschheitstraum erfüllte, als er mit seinem Gleitschirmapparat wie ein Vogel durch die Lüfte flog, und endet mit einem ebenso kühnen wie selbstbewussten Ausblick: „Eine Branche mit Visionen: Bis 2050 plant die Luftfahrt, ihren CO2-Ausstoß im Vergleich zum Jahr 2005 um fünfzig Prozent zu senken.“ Kein Wort des Triumphes liest man allerdings darüber, dass die internationale Luftfahrt ihrem Ziel nicht erst in dreißig Jahren, sondern schon 2020 im „Annus horribilis coronalis“ spektakulär nahegekommen ist.

          Jakob Strobel y Serra
          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Die Luftfahrt ist derzeit keine Branche mit Visionen, sondern mit Albträumen, weil das Virus all ihre Selbstgewissheit schlagartig in ein Schreckensszenario verwandelt hat. „Die Krise ist verheerend“, sagt Alexandre de Juniac, der Generaldirektor der Iata, des Dachverbandes aller großen Fluggesellschaften der Erde. Die Lage sei desaströs, heißt es beim BDL, was angesichts eines Rückgangs des weltweiten Flugverkehrs um sechzig Prozent im Jahr 2020 fast noch euphemistisch klingt. Statt 4,5 Milliarden Menschen wie noch 2019 werden in diesem Jahr nur 1,8 Milliarden in ein Flugzeug steigen, statt fünfhundert Milliarden Dollar werden die Gesellschaften nur noch 328 Milliarden erwirtschaften und dabei einen gigantischen Verlust von 118,5 Milliarden Dollar anhäufen – mit jedem Passagier, der derzeit transportiert wird, verlieren die Luftlinien 66 Dollar, wodurch sich ihr Schuldenstand binnen Jahresfrist von 430 auf 650 Milliarden Dollar erhöht hat. Ohne die mehr oder weniger verdeckt gezahlten Staatshilfen ihrer jeweiligen Regierungen, da sind sich alle Experten sicher, wäre jede Fluggesellschaft der Welt nach zwei Monaten der Pandemie bankrott gewesen, ein Schicksal, das in diesem Jahr schon so prominente Unternehmen wie die chilenisch-brasilianische Gesellschaft Latam, Avianca aus Kolumbien oder Aeroméxico ereilt hat.

          Horrorzahlen und Trostlosigkeiten

          Am schlimmsten trifft die Lebenskrise der Luftfahrt Europa, weil auf dem Alten Kontinent die meisten Flüge grenzüberschreitend und deswegen strengen Einreise- und Quarantänerestriktionen unterworfen sind. Nordamerika und China hingegen kennen auf ihren riesigen Inlandsmärkten solche Beschränkungen nicht. Noch im Februar gab es zwischen europäischen Flughäfen 4193 feste, also mindestens zwanzigmal pro Monat bediente Verbindungen, jetzt sind es deutlich weniger als zweitausend. In Deutschland ging die Zahl von 649 auf 235 zurück, und mindestens achtzig, wenn nicht neunzig Prozent weniger Betrieb als im Vorjahr lautet die Horrorzahl, die für Deutschlands Flughafenbetreiber derzeit trostlose Wirklichkeit ist.

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