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Howrah-Chennai-Express : Meine Fahrt mit Onkel Yuki

  • -Aktualisiert am

Jetzt bloß nicht den Zug verwechseln: An einem indischen Bahnhof Bild: Picture-Alliance

Ein Abenteuer zwischen Kalkutta und Chennai: Weshalb ich der indischen Eisenbahn meine Lieblingszubereitung des Linsengerichts Dal Makhani verdanke.

          13 Min.

          Falls Hunger wirklich der beste Koch ist, dann ist der pandemische Lockdown vielleicht die beste Zeit, um mit Freude über das Reisen zu schreiben. Zumal es für mich ein Gericht gibt, das unauflöslich mit einer unvorhersehbar verlaufenen Reise zusammenhängt: Dal Makhani – oder, wörtlich übersetzt, Butterlinsen. Es dürfte das über den ganzen indischen Subkontinent am weitesten verbreitete Gericht sein. Egal ob Hindu, Muslim, Sikh, Parse, Jude oder Armenier – jede Familie, jedes Restaurant, jede Köchin und jeder Esser: Alle kennen und machen Dal Makhani. Und jeder anders. Ich habe es „Railway Style“ kennengelernt, bei der indischen Eisenbahn. Es gehört zu meinem persönlichen Glück, dass ich inzwischen weiß, wie ich es zu Hause nachkochen kann.

          Am liebsten verwende ich eine bunte Mischung von Linsen. Braune und gelbe, sogenannte Toor Dal, rote Adzuki und grüne Mungbohnen, dazu ein gut Teil schwarzer Bohnen, wie sie auch in einem Kali Dal Verwendung finden. Die schwarzen Bohnen stammen ursprünglich aus Südamerika, schmecken nussig und geben dem Essen einen intensiven dunklen Farbton. Alle Hülsenfrüchte zusammen kommen über Nacht ins Wasser, spätestens am frühen Morgen, unter fünf, besser sechs Stunden sollten es nicht sein. Während nun alles einweicht, ist genügend Zeit, zu erzählen, wie ich das Gericht kennengelernt habe.

          Disziplinierte Nahrungsaufnahme

          Es war vor ein paar Jahren, Mitte Dezember, was sich sehr angenehm auf das Klima in Kalkutta ausgewirkt hatte. Wenn man als Europäer mit Jetlag den ganzen Tag in einem völlig unbekannten Universum unterwegs ist, tut man sich bei siebenundzwanzig Grad etwas leichter. Leider hatte der Dezember auch klimatische Nachteile, aber dazu später mehr.

          Delhi, Jaipur und danach Bombay hatte ich besucht, nun war ich an der Ostküste und seit einigen Tagen in Kalkutta, der Stadt, vor der ich zuvor am allermeisten Respekt gehabt hatte, sogar ein wenig Furcht. Noch aus Kindertagen schien der Name gleichbedeutend mit Moloch und Slum.

          Meter für Meter schoben wir uns über die Tagore-Brücke, überholt von Fahrrädern, Motorrädern, nervenaufreibend.
          Meter für Meter schoben wir uns über die Tagore-Brücke, überholt von Fahrrädern, Motorrädern, nervenaufreibend. : Bild: Picture-Alliance

          Da ich nicht zu meinem Vergnügen und im Grunde allein unterwegs war und keinesfalls erkranken wollte, hatte ich mir vorgenommen, kein Risiko einzugehen und nichts auf der Straße, von einem fahrenden Händler oder in einer improvisierten Garstube zu mir zu nehmen, niemals offenes Wasser zu trinken, egal in welcher Form (Vorsicht vor Eiswürfeln!), vor allem aber lieber zu hungern, als außerhalb eines veritablen Restaurants zu essen. Den diversen Keimen des Subkontinents, speziell denen, die die Mündung des Hugli in Kalkutta zusammenpresst, wäre mein Immunsystem nimmermehr gewachsen, so viel war klar. Wenn ich mich bei der Nahrungsaufnahme diszipliniert und beim Besuch öffentlicher Toiletten vorsichtig verhielt, sollte ich hoffentlich gut durchkommen.

          Am letzten Tag in Kalkutta hatte ich von neun Uhr morgens an Termine gehabt und dann, am Nachmittag, zuletzt einen Vertreter der klassischen bengalischen Musiktradition der Baul-Musik getroffen. Der alte Herr, der wie alle etwa zwanzigtausend Vertreter dieser Tradition auch den Familiennamen „Baul“ trug, war ein wahrer Patriarch, dessen zahlreiche Söhne alle im internationalen Geschäft waren. Ursprünglich aus der Provinz – wo immer noch die meisten dieser bengalisch-mystischen Musikerclans in einfachsten Verhältnissen leben –, bewohnte er eine großzügige Neubauwohnung am Maidan, der so etwas wie der Central Park Kalkuttas ist. Er hatte ein ganzes Rudel amüsanter Schoßhunde, die kein bisschen auf seine Befehle hörten und sich gegenseitig durch das Apartment jagten.

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