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Zelten im Wald : Wilde Zeiten

  • -Aktualisiert am

Die Tür zur Natur öffnet sich mit Reißverschluss. Bild: Barbara Schaefer

In Deutschland ist Zelten in der freien Natur verboten. Es sei denn, es geht zu einem Trekkingcamp – zum Beispiel im Frankenwald.

          6 Min.

          Matt schleppe ich mich den letzten Aufstieg zum Zeltplatz Rehwiese. Der Rucksack zerrt mit Zelt, Isomatte, Schlafsack. Außerdem ist ein sauheißer Tag, in der letzten Siedlung habe ich bei einem Mann im Garten drei Liter Leitungswasser erbettelt. Wer werden wohl die anderen sein, die für heute Nacht auf der Rehwiese reserviert haben? Ich stolpere aus dem Wald, es ist nach 18 Uhr, die Lichtung ist leer.

          Wird das jetzt wie damals, in den Vereinigten Staaten im Zion-Nationalpark? Als ich als Erste an dem Campground in der Wildnis ankam, suchte ich mir freudig den ebensten Platz aus. Als es dämmerte, wurde klar: Da kommt niemand mehr. Auf dem Boden sitzend, an einen Baum gelehnt, sah ich dem Dunkelwerden zu. Kurz bevor es mich anfing zu gruseln, kroch ich ins Zelt. Draußen wurden Fledermäuse, Unken, Stachelschweine wach. Und dann: Obwohl der Ruf das erste Mal in meinem Leben an mein Ohr drang, erkannte ich es sofort – ein Koyote heulte. Was werde ich heute hören, auf der Wiese im Frankenwald? Rehe, Wildschweine? Es kommt anders. Nach und nach füllt sich der Platz, andere Trekker trudeln ein, um die Nacht in Zelten im Wald zu verbringen. Aber darf man das eigentlich?

          Gilt das Jedermannsrecht?

          Dazu kursieren widersprüchliche Information, am einfachsten fasst man es so zusammen: jein. Outdoor-Fans fordern, man solle Wildzelten legalisieren mit einem Jedermannsrecht wie in Skandinavien. So einfach ist es leider nicht. Ein paar Zahlen: In Norwegen leben pro Quadratkilometer 14 Einwohner (alle Zahlen von 2018), in Deutschland sind es 237. Sogar in Mecklenburg-Vorpommern drängeln sich 69, fünfmal so viele wie zwischen Nordkap und Oslo. In Brandenburg leben 85 Einwohner je Quadratkilometer. Die haben fast alle einen Garten, da ist da der Drang in die Forste geringer. Wäre da nicht das nahe Berlin, der am dichtesten besiedelte Flecken Deutschlands mit 4090 Einwohnern je Quadratkilometer.

          Großstadtmenschen wollen raus, und wegen überfüllter Campingplätze locken Wald und Wiese. Theoretisch darf man eine Nacht im Freien campieren, wenn man die Erlaubnis des Grundbesitzers, also etwa der Forstbehörde, einholt. Das sparen sich die meisten.

          In Outdoor-Foren findet man Erzählungen von diesen sogenannten Micro-Adventures. Eine schwärmt vom Fichtelgebirge, „Wildzelten war ein mega Erlebnis“. Vom ersten Mal schreibt eine andere Userin, „die Nacht war zunächst unruhig, weil Rehe noch ihre Wege machen mussten, aber daran habe ich mich schnell gewöhnt. Ich bin mega stolz auf mich!“ Eine will „mit Hängematte und Tarp“ in den Schwarzwald fahren. Ein Kommentar warnt, dort seien die Ranger „ziemlich hinterher, was Wild-Campen angeht“. Sie solle ihr Zelt weit abseits aufstellen. Auf den Hinweis, der Nationalpark stehe unter Schutz, kommt die lapidare Antwort, alles sei ausgebucht, auch Pensionen, „aber ich muss meinen Urlaub ja nun mal irgendwann nehmen ...“. Und es weist auch niemand darauf hin, dass das im Schwarzwald in sogenannten Trekkingcamps auch ganz legal geht.

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