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Wintersport in Corona-Zeiten : Auf die harte Skitour

  • -Aktualisiert am

Wenn Skigebiete geschlossen bleiben: Tourengeher im Wettersteingebirge. Bild: Bernd Ritschel

Was machen Skifahrer, wenn die Lifte geschlossen bleiben? Sie steigen aus eigener Kraft auf die Berge. Einsamkeit sollten sie diesen Winter aber nicht erwarten.

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          Als in den Dolomiten im Oktober die Saison der Skitourengeher begann, kursierte ein Video von der Marmolata im Netz. Es zeigte Wintersportler, wie sie mit Tourenski an den Füßen einen schneebedeckten Hang hinaufstiegen. Nichts Ungewöhnliches. Nur dass nicht fünf oder zehn in der vermeintlich einsamen Natur unterwegs waren, sondern mehr als hundert. „Ein Vorgeschmack auf den heurigen Winter?“, fragte der Südtiroler Bergrettungsdienst. Tatsächlich deutet alles darauf hin.

          Nicht nur Frankreich, Italien und Deutschland haben dem Skiurlaub über die Weihnachtstage eine Absage erteilt. In Österreich öffnen zwar Bahnen und Lifte am 24. Dezember, mit dem Lockdown für Hotels und Gastronomie bis 7. Januar und Quarantäne bei der Einreise haben sich aber auch dort die Skiferien über Weihnachten erledigt. Nur die Schweiz macht trotz hoher Corona-Zahlen auch während der Weihnachtsferien auf. Hinweise darauf, dass sich das Virus von den Skigebieten aus verbreitet, gibt es bisher keine. Doch das muss nichts heißen. Deutsche dürfen zwar ohne Einschränkungen in die Schweiz fahren. Probleme gibt es allerdings bei der Rückreise: Wer sich innerhalb der letzten zehn Tage vor der Rückkehr nach Deutschland in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich vor der Einreise online anmelden und für zehn Tage in häusliche Quarantäne begeben.

          Die Skifahrer-Herzen bluten. Und nun schneit es auch noch. Ein Genua-Tief beschert an diesem Wochenende vom Wallis bis zu den Hohen Tauern sogar außergewöhnlich ergiebige Schneefälle. Selbst in den bayerischen Voralpen fallen ein paar Zentimeter. Was tun nun passionierte Skifahrer, wenn die Lifte stillstehen? Sie steigen aus eigener Kraft den Berg hinauf. „Der Verkauf von Schneeschuhen, Langlaufski und Skitourenausrüstung ist schon den ganzen Oktober über sehr stark“, sagt Hans Conrad, der Geschäftsführer von Sport Conrad im oberbayerischen Penzberg, mit mehr als 40.000 verkauften Paar pro Jahr einer der größten Skihändler Europas. Die große Nachfrage erinnere ihn an Toilettenpapier im ersten Lockdown, sagt Conrad. „Die Leute wollen aktiv sein und rausgehen, und zwar möglichst allein und ohne Seilbahn“, beschreibt Jan Maurer die Erfahrungen bei Bächli Bergsport.

          Für Skitouren bezahlen?

          Was auf die Tourengebiete zukommen könnte, hat schon der vergangene Winter gezeigt. Am Weerberg im Tiroler Inntal wurden vor einem Jahr rund 200 Autos von Tourengehern gezählt – davon viele aus Deutschland. Das gleiche Bild in der Kelchsau im Brixental. Selbst eine fast zweistündige Anfahrt schien Tourengeher aus München also nicht abzuschrecken. Auch in Deutschland waren die Parkplätze überfüllt: am Sudelfeld genauso wie am Seegatterl, wo Pistenfahrer, Winterwanderer und Tourengeher geballt kommen. Die Pistenfahrer fallen zumindest über Weihnachten weg, weil in Bayern die Lifte nicht laufen. Dafür kommen umso mehr Tourengeher und Schneeschuhwanderer, die nicht nach Österreich fahren dürfen.

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