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Kroatien : Die Fische spüren den nächsten Sturm

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Himmlischer Beistand: Die Muttergottes wacht über die Insel - und ihr Altar ist eine feste Burg, die allen Stürmen trotzt. Bild: Ulrike Maria Hund

Keine Massen, keine spektakulären Strände, dafür Schafe und Gänsegeier: Im wilden Norden der kroatischen Insel Cres lernt man, dass weniger manchmal mehr ist.

          8 Min.

          Mehr Schafe als Menschen gibt es in Merag. Pelzig, ungeschoren und verfilzt spazieren sie durchs Dorf, die Hafenmole entlang. Mittags verschwinden sie, legen sich irgendwo im Schatten des Waldes schlafen oder fressen die Dornbüsche ab. Viel gibt es hier nicht: Das Gras ist verdorrt, die Bauern haben ihre Gärten mit Steinmauern und Stacheldraht geschützt. Gegen Abend, wenn der Geruch von gebratenem Fisch und leises Geplauder von den Terrassen dringt, hört man sie: Einem tiefen Blöken aus der Hafengegend, das zunehmend wütender klingt, antwortet ein helles Meckern von oben aus dem Wald. Frage, Antwort, hoch, dunkel, spöttisch, so geht das Konzert eine ganze Weile lang. Plötzlich preschen die Schafe aus dem Gebüsch die Straße hinunter, als ob ein Wildschwein hinter ihnen her wäre. Sie laufen die schräge Hafenmauer hinauf und wieder hinunter, als ob sie Bergziegen seien. Dann beruhigen sie sich.

          Im Süden ist die Insel flach mit Stränden aus feinem weißen Kies. Dort liegen die meisten Ferienapartments und Campingplätze. Hier im Norden ist die Insel wilder. Es gibt nur wenige Dörfer. Viele Häuser sind verlassen. Die Einheimischen arbeiten in Rijeka oder München und bauen mit dem dort verdienten Geld die Bauernhäuser ihrer Großeltern zu Ferienwohnungen aus. Merag ist ein kleines Dorf, das sich an die Steilküste im Nordosten der Insel drängt. Am Strand treffen wir vor allem Italiener und Kroaten, Einheimische aus Rijeka, die übers Wochenende auf die Insel kommen. Manche schicken nur ihre Kinder hierher, zu Oma und Opa, dunkelbraun gebrannte, schlanke Kinder, die mit Anlauf von der Hafenmole springen. Die Erwachsenen sonnen sich derweil auf einer Betonplatte, die anstelle eines Strandes zwischen die Felsen gegossen ist. Wenn man das Ohr auf die Betonplatte legt, kann man darunter das Meer rauschen hören.

          Kreischen vor Ekel und Vergnügen

          Auch ein paar deutsche Familien sind hier. Zwei Mädchen sammeln am Ufer grüngoldene Mistkäfer ein. Der einzige deutsche Junge am Strand vertreibt sich die Zeit mit einem riesigen aufgeblasenen Baseballschläger. Schnorchel, Taucherbrillen, Wasserball, alles, womit die kroatischen Kinder bald spielen, stammt aus seinem Besitz. Dafür darf er mitspielen. Ein langbeiniges Mädchen hat einen Tintenfisch aus dem Wasser gezogen und wirft ihn dem Jungen auf den Bauch. Er zögert, packt das glitschige Ding und wirft es zurück. Das Mädchen kreischt vor Ekel und Vergnügen. Die Italiener beherrschen das Nichtstun am besten. Sie haben Sonnenschirme auf der Mole aufgebaut und drehen ihre Liegestühle nach dem Sonnenstand, langsam, bis sie gleichmäßig braun sind. Ab und zu gehen sie ins Wasser, sie schwimmen nicht, sie stehen einfach bis zu den Knien im Meer und unterhalten sich.

          Nach dem Mittagessen fahren die Italiener mit dem Boot hinaus. Die Deutschen machen mit ihren Kindern einen Ausflug. Die Kroaten haben Besuch aus Rijeka. Es gibt Fritolli, frittierte Krapfen. Auch wir bekommen von unserer Vermieterin einen Teller mit zuckerbestäubten Köstlichkeiten und einen Kaffee dazu. Die Bucht ist postkartenblau, je tiefer das Wasser, desto blauer wird es. Auch die gegenüberliegende Insel trägt einen Zuckerrand. Die einzige Bewegung auf dem Wasser ist die Fähre, die hinter einer Felsnase in der nächsten Bucht anlegt und im stündlichen Rhythmus zur gegenüberliegenden Insel Krk fährt. Dort liegt der auch der Flughafen von Rijeka. Wer am Morgen in Köln startet, liegt Mittags am Strand von Merag.

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