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Wiener Walzer : Der Taxitänzer ist kein Märchenprinz

Den Debütanten gehört der Eröffnungstanz, dem Rest gehört alles danach. Bild: Andrea Diener

In Wien finden jedes Jahr mehr als vierhundert Bälle statt. Dabei geht es festlich zu, aber längst nicht so steif, wie man vielleicht glauben mag: Ein Abend als Aschenputtel auf dem Kaffeesiederball zwischen Fiaker und Würschtelbude.

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          Eigentlich bin ich viel zu alt für eine Balldebütantin, genaugenommen fünfzehn Jahre über der Höchstgrenze. Und das mit dem Tanzen, was Debütantinnen auch richtig gut beherrschen müssen, ist bei mir ebenfalls verbesserungswürdig. Walzer geht, zur Not sogar linksrum, aber sonst nicht viel. Und Polka. Wenn ich mich aber, und das habe ich vor, auf einem richtigen Wiener Ball blicken lassen will, dann sollte ich unbedingt die Mitternachtsquadrille mitmachen können. Ein Kleid brauche ich außerdem.

          Im Märchen ist alles einfacher, da gibt es Bäumchen und Täubchen für solche Aufgaben und am Ende einen Prinzen zur Belohnung. Im sonnigen Votivpark, gleich beim Hotel ums Eck, gibt es zwar auch Bäume und die üblichen Straßentauben, aber die Grundversorgung besteht aus Schaumrollen und Käskrainer von der Tramhaltestelle Schottentor, was ja grundsätzlich nicht schlecht ist. In der harschen Realität, und sei sie auch noch so lieblich und frühlingshaft und käskrainerduftend wie Wien in diesem Februar, muss ich wohl eigenhändig für meine Ballgarderobe sorgen.

          Eitrige und Hülse beim Würschtlinger

          Dieses Wien hat mitunter den Drang, sich einem umzuhängen wie Großmutters dickes Plumeau mit extraschwerem Biberbettwäschebezug, dazu eine heiße Schokolade mit Schlag, in der der Löffel stehenbleibt, und so viele Mehlspeisen, bis man sich vor lauter Gemütlichkeit nicht mehr rühren kann und einem auch das Gegrantel der Kellner nichts mehr ausmacht. Das ist so ein Wien voller Kommerzienräte und Realitätenbesitzer und was dergleichen Titel mehr sind, die man sich anheftet und zu besonderen und nicht ganz so besonderen Anlässen ein bisschen Gassi führt, bis man sie sich irgendwann in den Grabstein meißeln lassen kann. Dieses Wien zwischen Stephansdom und Hofburg und Rathaus ist immer frisch geputzt und aufpoliert, Amerikanerinnen finden lautstark alles „lovely“ und „beautiful“, und dauernd klappert ein Fiaker vorbei und kutschiert sisibegeisterte Touristen durch die Kulisse. Es hat mit dem Wien, das ich kenne, nichts zu tun.

          Das Wien, das ich kenne, ist ein Wien der Bezirke außerhalb des Rings. Es hat Beisln am Eck, in deren mit nikotinfarbenen Vorhängen gnädig verdeckte Trostlosigkeit des Feierabendalkoholismus man nicht mit Gewalt hineingezwungen werden möchte; es hat Fachgeschäfte, in deren Auslage der Staub zwischen abgefallenen Zimmerpflanzenblättern fingerdick liegt und knollennasige Gestalten bierhülsenumklammernd die Würschtelbuden belagern. Die Käskrainer heißt hier offiziell „Eitrige“. Nichts ist lovely, nichts ist beautiful. In diesem Wien der in allen Ecken aufwallenden Grindigkeit kenne ich mich aus. Man kann nichts falsch machen, solange man nichts ernst nimmt und immer das letzte Wort behält, weshalb alles sehr lange dauert.

          Schwarzer Frack, mindestens aber Smoking, und bodenlanges Ballkleid gehören dazu. Und alle halten sich dran.

          Quadrille mit Hose und Sommer

          Das Wien der Bälle und Kommerzienräte hingegen ist mir sehr fremd, und ich brauche dringend Assistenz. Hilfe für Randbezirkbewohner und unbedarfte Touristen gibt es zum Beispiel in der Tanzschule Kraml, die am noch nicht ganz so wimmeligen Ostende der Mariahilfer Straße gelegen ist, nur ein paar Schritte vom Museumsquartier entfernt. Ich soll mir bloß keinen Kopf machen, beruhigt mich Tanzlehrer Seref. Zusammen mit einigen anderen Debütanten fortgeschrittenen Alters üben wir die erste und zweite Tour der Quadrille, Pantalon (Hose) und Été (Sommer) genannt, was gar nicht so schwierig ist. Es gibt keine Schritte, man läuft einfach nur vor und zurück und dann Chaîne anglaise und Balancé und Damenkette, Promenade und zurück. Zack, zweite Tour.

          Sechs Touren habe die Publikumsquadrille, erklärt Seref. Normalerweise stehe man da, in langen Reihen durch den ganzen Saal, von vorn gebe es Anweisungen, die man nicht richtig verstehe, jeder mache irgendwas, und am Ende versinke alles in Chaos, was vor allem den Touristen mordsmäßig tauge, und nur so sei es richtig lustig. Aber er verrät mir noch einen Trick: Die meisten Figuren enden mit einer Drehung um den eigenen Partner, Hand in Hand, die Tour de Main. Wenn man danach wieder am angestammten Platz steht, ist man gerettet.

          Der Chef trägt heute kein Mascherl

          Weitere Rettung verspricht Brautmoden Flossmann, denn dort kann man sich Kleider leihen. Der Dresscode verlangt ein bodenlanges Ballkleid, und die Herren bitte schön in Frack, aber mindestens mit Fliege - oder Mascherl, wie man hier sagt. Wer nicht regelmäßig auf Bälle geht, hat so etwas nicht zu Hause hängen. Bei Flossmann sind nur die Kleider mit einem rosafarbenen Schild für die Ausleihe vorgesehen. Ich wühle mich durch die Stangen: Alles, was richtig schön ist, hat kein rosafarbenes Schild. Aber schlussendlich findet sich doch etwas dezent Gerafftes in Kaffeebraun, und das passt auch farblich. Denn der Ball, auf den ich gehen werde, ist der Ball der Wiener Kaffeesieder. Der netteste Ball, sagt man, denn er sei zwar festlich, aber nicht zu steif. Also genau richtig für einen Ballneuling wie mich.

          Bei einem Zwischenstopp im altehrwürdigen Café Sperl an der Gumpendorfer Straße steht der Chef heute ohne Mascherl am Tresen, denn er ist schon auf dem Sprung, der Friseurtermin will absolviert sein. Herr Staub ist 83, jahrzehntelang schon Kaffeehauswirt im Sperl und geht auf den Ball, seit es ihn gibt. „Ich hab zu meiner Frau gesagt: Hindert mich heute Nachmittag daran, mich hinzulegen, sonst verdrück ich mir die Ballfrisur!“

          Junge Herren, das Geschehen rahmend, während Kommerzienräte einlaufen. So haben wir uns das vorgestellt!

          Eine stolze Liste an Prominenz

          Die Wiener Kaffeehäuser - Kaffee ist dabei unbedingt auf der zweiten Silbe zu betonen - gehören zum Nimbus der Stadt wie Fiaker und Sisi, sind aber längst nicht so tot oder zur Kulisse verkommen. Sie sind, ungefähr wie in England die Pubs, ein zweites Wohnzimmer, ein Treffpunkt oder Arbeitsraum, und zwar bis heute. Im Sperl saßen einst der Kunsthandwerker Koloman Moser und der Architekt Joseph Maria Olbrich, bevor er auf der Darmstädter Mathildenhöhe für Furore sorgte, dazu Operettenkomponist Franz Lehár und ein ganzes Rudel einst bekannter Schauspieler.

          So ungefähr jedes Kaffeehaus kann eine stolze Liste vorweisen. Das Hawelka hatte den Doderer und H. C. Artmann, das Café Museum hatte Klimt, Kokoschka, Karl Kraus und Schiele, und der Bräunerhof ist Pilgerstätte für Thomas-Bernhard-Bewunderer. Es gibt die Cafés in historisch aufpoliert - Café Landtmann, Café Sacher - bis sanft angegilbt - Café Prückel, Alt Wien. Und die Besitzer dieser Kaffeehäuser tun sich alljährlich zusammen und veranstalten ihren Ball in der Hofburg. Dass man als Kaffeehauswirt dabei ist, versteht sich von selbst. Herr Staub vom Café Sperl hat jedes Jahr denselben Tisch, gleich gegenüber vom Eingang, oben auf den Stufen.

          Kein Platz für Lässigkeit und falsche Scham

          Im kaffeebraunen Leihkleid geht es gegen Abend erst zum Friseur, dann zum Balldiner. Auf Bällen gibt es so gut wie nichts zu essen, deshalb sollte man das tunlichst vorher erledigen. Und vom Diner aus werde ich mit dem Fiaker zur Hofburg kutschiert. Mit dem Fiaker! Zur Hofburg! Im Ballkleid! Ich fühle mich sehr glamourös, aber auch ein bisschen wie Aschenputtel, nämlich mehr Glanz verbreitend, als mir gesellschaftlich angemessen scheint. Ich bin ja keine Frau Kommerzienrat, ich bin nur eine Frau Mag. - immerhin eine selbstverdiente, keine angeheiratete.

          Die Hofburgfassade wird mit einer eigens entworfenen Lichtinstallation illuminiert, und das festliche Volk strömt auf roten Teppichen durch den Eingang. Überall Blumen, überall Glitzer, alles so zuckerbäckrig, wie es geht. Innen steht ein Schild: „Eintritt nur mit gültiger Ballkarte und vorgeschriebener Ballkleidung!“, mit Ausrufezeichen! Das wäre gar nicht nötig, denn das mit der Ballkleidung hat jeder ernst genommen. Niemand käme auf die Idee, die Grenzen nach unten auszuloten. Da ist der Wiener eisern und putzt sich so schön heraus wie nur irgend möglich, da ist kein Platz für irrige Konzepte wie Lässigkeit, Bescheidenheit oder falsche Scham. Noch die letzte Topffrisur wird sprayintensiv gebauscht, an Schuhen glänzen die Strassschnallen, an Köpfen wippen Federn und Korkenzieherlocken. Es gibt heute kein Zuviel, denn zu viel ist gerade gut genug.

          Aber es muß nicht immer so steif zugehen: Debütanten bei der Eröffnung. Und zwar mit „Sex Bomb“. Wer hätte das gedacht?

          Debütantinnen mit Biedermeiersträußchen

          Fünftausend Besucher kommen zum Kaffeesiederball, und die passen natürlich nicht alle in den Festsaal. Die meisten haben ohnehin Flanierkarten, das berechtigt zu Eintritt, Tanz und Trinken. Dennoch ist es gut, wenn man im Festsaal einen Tisch gemietet hat, denn auch wenn es eng ist in den Boxen und die Tische voll und die Stühle hart sind: Man hat einen Platz mit Ausblick auf die Eröffnung.

          Und die läuft exakt so ab, wie ich mir eine Wiener Balleröffnung vorstelle: Das hohe Ehrenkomitee schreitet unter Anführung eines Kommerzienrates samt Gemahlin ein, um auf der Ehrentribüne Platz zu nehmen. Herren tragen gut sichtbare Orden und rotweißrote Schärpen, Ehrengäste werden begrüßt und nicht zu vergessen die Trägerin des Goldenen Kaffeesiederkännchens 2013, der höchsten Auszeichnung der Wiener Kaffeesieder für besondere Verdienste um die Kaffeehauskultur. Aber was wäre ein Ball ohne Debütanten und Debütantinnen in schwarzen Fracks und weißen Kleidern! Sie bilden zwei lange Reihen den Saal hinauf und wieder hinunter, rahmen die Eröffnung ein und tanzen, rosa Biedermeiersträußchen in den Händen, natürlich auch den ersten Tanz, während sich allmählich buntes Volk dazwischenmischt.

          Sponsorenwürstel im Stuckseidenblattgoldsaal

          Ich in Kaffeebraun mische mich auch darunter, und zwar mit einem sogenannten Taxitänzer. Diese motivierten jungen Herren stehen für tanzwütige Damen bereit, denen der Partner schlappmacht, nicht gut genug oder gleich gar nicht vorhanden ist. Das Orchester legt nicht mit einem Walzer los, sondern mit der Tritsch-Tratsch-Polka, und der Taxitänzer und ich in Kaffeebraun stürzen uns polkahüpfend ins Gewühl. Trotz der anwesenden Honoratioren geht es kein Stück gesetzt zu. Es ist so eng, dass man ums gelegentliche Anrempeln und Herumgeschobenwerden nicht herumkommt. Dann bilden Paare Brücken, tanzen unter den Armtunneln hindurch und bauen wieder Brücken. Dabei wird gequietscht und gejubelt, was das Zeug hält, und alles, was zwischen siebzehn und neunzig noch hüpfen kann, hüpft mit.

          Während das Volk ausdauernd hüpft, nehme ich mir Zeit für einen ausführlichen Gang durch die Hofburg. Man kann locker zwei Stunden damit verbringen, alles abzulaufen. Ein Stuckseidenblattgoldsaal reiht sich an den nächsten, dann wieder Gänge, Treppen, Zimmerfluchten, mehr Gänge und irgendwann das Dachfoyer, durch dessen modernes Glasdach man auf die grüne Kuppel über dem Eingang blickt. Ich passiere kleine Kaffeehausorchester und Jazzbands, den Marmorsaal mit seinen Lüstern, den seit einem Brand modern gestalteten Redoutensaal und die Kellerdisco am Fuß der Treppe, durch deren violette Lichtflut Austro-Pop schallt. Überall haben Kaffeehäuser temporäre Filialen für einen Abend eröffnet, haben Bugholzstühle und Marmortischchen aufgestellt und schenken Kaffee aus. Es gibt eine Gin-Bar und Sponsorenwürstel, serviert unter dem wandfüllenden Spruch „Wem Wurst nicht wurscht ist“.

          Feierliches Gewimmel im großen Festsaal: Wer nach der Publikumsquadrille noch da ist, gehört zu den tanzwütigen Könnern.

          Nicht verzagen, wenn der Reißverschluss kapituliert

          Auf Fensterbrettern sitzen Damen und lassen die geschundenen Füße baumeln, auf Treppen sitzen Debütantinnen und spielen mit ihren Handys. Im Eingang ist die Tombola mit ihren Preisen aufgebaut, da steht ein Herr mit einer monströsen Schaumrolle mit hellblauer Schleife, unterarmlang und zwanzig Zentimeter im Durchmesser und vermutlich mehrere hunderttausend Kalorien schwer. Er hält sie etwas ratlos vor sich hin, wie der frischgebackene Vater den Säugling, und lässt sich von seinen Freunden damit fotografieren.

          Direkt vor dem Festsaal gibt es eine Nähstation für abgerissene Träger und schleifende Säume. Eine leicht verzweifelte Dame steht hinter der Bügelbrettabsperrung und hält ihre trägerlose Corsage mit beiden Händen fest, ihr hat der Reißverschluss den Dienst versagt, und das Rückteil klafft großräumig auf. Macht alles nichts, die nähenden Damen helfen gern weiter. Auf dem Opernball, sagt man mir, gebe es sogar einen Schuster. Den finde ich hier nicht, dafür einen ambulanten Friseur, der Verwüstetes und Zerzaustes mit Lockenstab und Klämmerchen bändigt. An alles ist gedacht in diesem barocken Labyrinth, in dem sich zwischen Parkett und Kristalllüstern für einen Abend die Gesellschaft einrichtet.

          Quadrille ohne Spickzettel

          Schon kurz vor Mitternacht! Jetzt aber los und einen Taxitänzer gesichert, wir müssen schnell sein, sonst finden wir keinen Platz mehr für die Publikumsquadrille. Denn da will jeder mitmachen, das ist der Höhepunkt eines jeden Balles. Erstaunlich organisiert sortieren sich die Paare in Reihen, Dame rechts, Herr links, Hand locker halbhoch geführt. Der Moderator des Abends liest noch einmal die Figuren der ersten Tour vor. Spätestens jetzt sollte man wissen, was eine Chaîne anglaise ist (die Paare wechseln den Platz) und wann ungefähr sie in der ersten Tour drankommt (ganz am Anfang). Wer sich die Figuren nicht merken kann, für den haben die Tanzschulen auf ihren Websites die Figuren aller sechs Touren aufgeführt. Man muss sie sich nur ausdrucken und den Zettel in die Anzugtasche stecken, denn die Mitternachtsquadrille ist immer gleich. Auch die Musik - man spielt die Fledermausquadrille vom jüngeren Johann Strauß, dem Walzerkönig, der Wien auch mit der unvermeidlichen schönen, blauen Donau beschenkt hat.

          So weit, uns ein Zettelchen vorzubereiten, haben wir leider nicht gedacht. Deshalb versinkt alles in dem von Tanzlehrer Seref prognostizierten Chaos, wir stehen herum und rennen, wir machen irgendwas, tasten nach Händen, die nicht da sind, und fassen den falschen Partner von der falschen Seite. Und wenn wir nach rechts und links schauen, stehen da Paare, denen es keinen Deut besser geht. Ab und zu sagt der Moderator die Tour de Main an, dann wissen wir wieder, wo wir jetzt eigentlich sein müssten, aber nicht sind. Paare, die es wider Erwarten doch rechtzeitig geschafft haben, nutzen die Pause zwischen den Touren und galoppieren jubelnd zwischen den Reihen durch, saalauf, saalab.

          Treppauf, gangab: Der Kaffeesiederball nimmt die gesamte Hofburg in Beschlag.

          Im Winter ist Ballsaison

          Am Ende sind wir irgendwie angekommen, leicht verschwitzt und froh. Und weil nach der Quadrille ein Galopp kommt, reißt mich der Taxitänzer einfach mit und wir hoppeln los, quer durchs Gewimmel ebenfalls hoppelnder Paare. Vermutlich sieht es unfassbar unelegant aus, aber so weit ich das bisher verstanden habe, geht es bei diesen Bällen - bei allem Prunk und Gerüsche - eben nicht um Perfektion, sondern in allererster Linie ums Vergnügen.

          Im Winter ist klassischerweise Ballsaison, jedoch kann man, wenn man es darauf anlegt, das ganze Jahr über feiern. Einen Tag nach den Kaffeesiedern ist Regenbogenball, da tanzt die schwul-lesbische Community, ein paar Tage darauf folgen der Opernball, der Bonbon-Ball, der Juristenball, der Krankenpflegerball. Jede Tanzschule, jede Institution richtet ihren eigenen Ball aus, wenn auch nicht immer in der Hofburg. Konzerthaus, Rathaus, Schönbrunn, diverse Palais bieten sich auch noch an.

          Mit dem Fiaker-Shuttleservice zum Spätgulasch

          Gegen zwei, drei Uhr bricht die Zeit der ernsthaften Tänzer an. Die Spaßgaloppierer stehen längst an der Bar, und wer jetzt noch auf der Tanzfläche ist, kann Paso Doble und Chachacha mit mindestens zwei Figuren. Zeit für ein Würstel. Wer möchte, kann auch den Fiaker-Shuttleservice nutzen, der an diesem Abend kostenlos zwischen Hofburg und dem noblen Café Landtmann pendelt, sich ein spätes Gulasch gönnen und wieder zurückzuckeln. Ich hingegen breche ganz langsam auf. Es gibt keine Täubchen und keine Bäumchen, ich verliere auf der Treppe keinen Schuh und finde auch keinen Prinzen, nur Leihprinzen. Im Märchen ist eben alles einfacher.

          Am Ende der Nacht sehe ich durch das Taxifenster prinzen- und prinzessinnenloses Ballvolk in Frack, Glitzerkleidern und Tanzschuhen an den Straßenecken beim Würschtlinger stehen und bierhülsenumklammernd eine fetttriefende Eitrige verschlingen. Das ist weder lovely noch beautiful, doch bei dem Anblick wird mir ganz warm ums Herz. Schließlich erkenne ich die Stadt doch wieder, ich habe mich nicht getäuscht, ich bin in Wien und nicht im Märchen, jetzt bin ich mir wieder ganz sicher. Und morgen gehe ich in den Bräunerhof, schaue dem Gummibaum, der vermutlich Thomas Bernhard noch miterlebt hat, beim Sterben zu und lasse mich vom Kellner angranteln. Das wird schön!

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