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Wie wird der Winter? : Schnee von morgen

Am Samstag auf dem Großen Feldberg im Taunus Bild: dpa

Kommt er nun, der „Jahrhundertwinter“? Oder schauen nur ein paar Scharlatane wieder einmal zu tief in die Glaskugel? Über seriöse und unseriöse Prognosen.

          6 Min.

          Beginnen wir vielleicht mit den Meldungen der vergangenen Wochen und Monate: Der Winter 2017/18, verkündete eine russische Nachrichtenagentur im September, würde der „kälteste Winter seit 100 Jahren“ und berief sich auf britische Klimaforscher, die ein „Sonnenflecken-Minimum“ entdeckt haben wollen. Vier Wochen später erklärten österreichische Skigebietbetreiber, dass sie wegen der ausgeprägten Hurrikan-Saison in der Karibik mit einem pulverschneereichen Winter in den Alpen rechneten. Und kurz darauf prophezeiten in der Schweiz die „Muothaler Wetterschmecker“ einen „g‘hörigen Winter“ mit viel Schnee, viel Sonne und weißer Weihnacht.

          Andreas Lesti

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Meteorologisch gesehen ist nichts davon haltbar, weil sich das Wetter nicht über zwei Wochen hinaus voraussagen lässt. Und erst recht kein ganzer Winter. Aber es zeigt, wie anfällig vor allem die Wintersportbranche in den Alpen für dubiose Vorhersagen ist. Es scheint so, als wünsche man sich dort nach drei schneearmen Wintern nun den „Jahrhundertwinter“ herbei. Und weil seriöse Wetterexperten dazu nicht im Stande sind, bemüht man Bauernregeln („Ist‘s in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter lange weiß.“ „Andreasschnee bleibt 100 Tage liegen.“), den „Hundertjährigen Kalender“ (sagt für diesen Winter „unlustiges Wetter im Dezember“, „Schnee im Januar“ und „Kälte im Februar“ voraus) die russische Nachrichtenagentur, deren Sonnenflecken-Meldung schon im November 2016 in die Welt geschickt wurde, nimmt jedem rauschebärtigen Scharlatan bereitwillig ab, dass bald mehrere Meter Neuschnee fallen. Unter diesen Propheten taugt fast alles zur Vorhersage: Spitze Ameisenhügel, lautes Heuschrecken-Zirpen und pralle Eichhörnchen-Vorräte, aufgeschnittene Zwiebel, hochfrequente Flügelschläge von Hummeln, Bienen, Wespen und Mücken, ambitionierte Froschklettereien und Krötenwanderungen sowie frühe Wildgänse- und Kranichzüge. Manche lesen sogar in sezierten Schweinelebern den kommenden Winter. Manche Praktiken bewegen sich am Rande des Exorzismus.

          Vergleichsweise harmlos ist da Josef Haslinger, besser bekannt als Haslinger-Sepp, Urbayer und ehemaliger Hüttenwirt. Er beobachtet seit Jahren den Blütenstand der Königskerze. In Benediktbeuren, am Rande der Alpen, prüft er im Herbst die Knospen der hochgewachsenen Pflanze. Sind sie geschlossen, dann kommt kein Schnee. In Oberbayern hat Haslingers Vorhersage durchaus Bedeutung. Räumdienste und Streusalz-Händler konsultieren ihn – obwohl er in den vergangenen drei Jahren immer falsch lag mit seinen Prognosen.

          Der Scheitel der Feldmaus

          Etwas schlauer stellen es die „Muothaler Wetterschmecker“ aus der Zentralschweiz an. Ganz einfach, weil sie jedes Jahr im Herbst sechs verschiedene Prognosen abgeben und die Wahrscheinlichkeit, dass einer von ihnen Recht behalten wird, damit relativ hoch ist. Wobei ihre betont humoristisch und in unverständlichem Schwyzerdütsch vorgetragenen Prognosen auch nicht ganz ernst gemeint sind. Sie wühlen in Maulwurfhügeln, legen sich in Ameisenhaufen und essen Sägemehl. Vier von sechs prophezeiten diesmal einen guten Winter. Was Martin Horat, das ist der mit den Ameisen, genau gesagt hat, haben wir leider auch nur sehr bedingt verstanden. Es ging aber in eine für Wintersporter recht erfreuliche Richtung: Man brauche keine Schneekanonen, und die Wintersportler sind so im Stress, dass sie morgens nicht mal Zeit haben aufs Klo zu gehen. Sein Kollege Martin Holdener beobachtet dagegen Feldmäuse – und deren Frisuren. Alle haben den Scheitel dieses Jahr auf der gleichen Seite, „von rechts nach links, das heißt Nordwest-Wind, Nordwind, Südostwind, die bringen Schnee, Kälte und Sonnenschein.“ So einfach ist das.

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