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Wie wird der Winter? : Schnee von morgen

Die Winter werden kompakter

„Langfristig lassen sich allenfalls Tendenzen festmachen“, sagt Gabl: „Zu warm, zu kalt, zu feucht oder zu trocken.“ Für die Winter gilt seit einigen Jahren klimaerwärmungsbedingt: zu warm. Sieben von elf Wintern waren in den vergangenen Jahren wärmer als der Durchschnitt. „Dadurch“, erklärt Gabl, „werden die Winter kompakter. Der Boden ist wärmer und der Schnee bleibt zu Beginn des Winters später liegen und schmilzt am Ende schneller weg.“ Zugleich würden – und nun kommt die gute Nachricht für Wintersportler – die Bedingungen in den Alpen besser und stabiler: Wärmerer Schnee haftet und setzt sich besser, die Lawinengefahr nimmt ab. Zu einer langfristigen Einschätzung lässt sich Gabl aber dann doch hinreißen: „Die Atmosphäre ist gerade sehr aufgeladen. Wenn es so turbulent zugeht, dann ist die Chance da, dass es einen guten Winter gibt.“ Und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Aber das ist nur eine Spekulation von mir. Und vielleicht ist es für die Skigebiete auch ganz gut, dass sich der Winter nicht voraussagen lässt“. Gabl erinnert an das Jahr 1989. Damals habe es in den Alpen im Februar das erste Mal geschneit. „Wenn man das gewusst hätte, wäre doch keiner hingefahren.“

Am Freitag bei Holzkirchen in Bayern

Ungeachtet aller Prognosen läuft in den Skigebieten die Kunstschneeproduktion seit Wochen auf Hochtouren. Sobald es kalt genug ist für die Schneekanonen werden diese mit Wasser gespeist und schleudern Kunstschnee auf die Pisten. Selbst wenn es im November schon schneit. Dafür ist das Risiko, nicht rechtzeitig eröffnen zu können, einfach zu groß.

Der November ist der Vorfreudemonat der Ski- und Snowboardfahrer. Die Schneesportindustrie kurbelt die Lust auf den Winter mit weiß stahlenden Glitzerfotos, Filmen, Prospekten und Produkten bewusst an. Da wird auch immer wieder fasziniert über die Vorstellung eines „Jahrhundertwinters“ gesprochen. Doch niemand dürfte ernsthaft Interesse an diesem Superlativ haben. Nicht einmal die Skigebiete. Denn derartige Winter, das zeigten die Jahre 1951, 1954, 1975 und 1999, waren Katastrophenwinter. 1999 dachte viele, die Naturgewalten mit Verbauungen und moderner Technik im Griff zu haben. Dann verschüttete eine Lawine den Ort Galtür in Tirol und tötete 31 Menschen. Auch in Frankreich und in der Schweiz forderten verheerende Lawinen viele Menschenleben. Und selbst wenn man mittlerweile aus den Fehlern gelernt und vorgesorgt hat, stürzen große Schneemengen die Städte im Flachland immer wieder ins Chaos und in den Bergen werden ganze Täler von der Außenwelt abgeschnitten. Lawinen verschütten Liftstationen und aus Sicherheitsgründen sind viele Skipisten dann tagelang gesperrt. So wie im Februar 2014 in Südtirol, Osttirol und Kärnten. Davon hat dann auch niemand etwas.

In Buch am Ammersee seht die „Altbayerische Wetterstation“. Dabei geht es um die Realität eines „Stoa“, also eines schwarzen Steins. „Stoa feicht“ steht da: „Regen“. Und: „Stoa weiß: Schnee“. Das ist genauso hilfreich wie das holzgeschnitzte Schild, das im Tiroler Lechtal die präzise meteorologische Weisheit verkündet: „Wenn‘s Wetter so bleibt, isch‘s morgen genauso wie heit“. Das erfüllt zwar nur sehr bedingt das Wesen der Vorhersage – dafür trifft es immer zu.

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