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Wie wird der Winter? : Schnee von morgen

An diesem Sonntag auf dem Lindener Berg in Hannover

Die „Wetterschmecker“ sind in einem Verein organisiert, in dem vor vielen Jahren auch der Schweizer Wetterexperte Jörg Kachelmann Mitglied war. Doch weil er an deren wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit zweifelte ist er ausgetreten. Wenn man heute mit Jörg Kachelmann über Winterprognosen spricht (Gesprächsbedingung war: „Solange Sie nicht fragen, wie der Winter wird.“), dann fällt auf, dass Kachelmann fast nicht hinterherkommt, all die Thesen und Theorien mit „völliger Blödsinn“ zu kommentieren. Der Jahrhundertwinter? „Völliger Blödsinn.“ Sonnenflecken? „Das weiß niemand.“ Die Hurrikane-Saison in der Karibik? „Völliger Blödsinn.“ Wettervorhersagen für einen ganzen Winter seien generell nicht möglich, sagt Kachelmann. Aber gerade hierzulande würde man gerne das Gegenteil glauben. „Deutschland ist die Zentrale des Aberglauben und der Scharlatanerie“, sagt Kachelmann. „Jeder hinterletzte Schwachsinn hat eine Chance.“

Am Freitag bei Kofeld in Baden-Württemberg

Auch Biowetter, Wettereinflüsse des Mondes und Wetterfühligkeit seien für ihn typisch deutsche Phänomene, die er auf die „Externalisierung von Verantwortung“ zurückführt. „Wenn es uns schlecht geht, muss irgendetwas anderes Geheimnisvolles daran Schuld sein.“ Dabei würde man immer davon ausgehen, dass das Wetter eine Art denkendes Wesen ist. „Ich frage mich immer wie das geht? Wie soll denn das Wetter das machen? Sagt es sich, okay, vor zwei Wochen habe ich diesen Hurricane in der Karibik gemacht und deswegen mache ich jetzt ein Hoch über Skandinavien?“

Und was rät Kachelmann nun den Schneesportlern und Wintersportgebieten? „Ich würde jeden Tag in der Kirche eine Kerze anzünden, immer wieder. Denn das ist nicht bewiesen, dass das nicht funktioniert. Alles andere ist – völliger Blödsinn.“ Und dann sagt er noch diesen motivierenden und völlig unspekulativen Satz aus der kalten Realität dieser ersten Dezembertage: „Die Wintersportsaison geht gut los, mit genialen Verhältnissen auf der Alpennordseite.“

Karl Gabl ist einer der alpinen Wetterexperten Österreichs. Der Meteorologe aus Tirol hat über Jahrzehnte hinweg Höhenbergsteiger in der ganze Welt mit zum Teil überlebenswichtigen Vorhersagen versorgt. „Wenn mich jemand fragt wie der Winter wird, dann sage ich: Ruf bei den Indianern in den USA an. Wenn sie viel Holz gesammelt haben, dann wird es ein strenger Winter.“ Und fügt augenzwinkernd hinzu: „Beim Wetter brauchst du dir nur einen langen Bart wachsen zu lassen und dann kannst du mitreden.“ Tatsächlich können Meteorologen das Wetter derzeit bis zu fünf Tagen sehr zuverlässig voraussagen. Alles was über einen Monat hinaus geht nennt Gabl „Motivationsprognosen ohne wissenschaftliche Grundlage.“ Der Deutsche Wetterdienst, das Max-Planck-Institut und die Klimaforscher vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung tüfteln zwar seit langem und mit hohem Aufwand an zuverlässigen Langzeitprognosen, der Erfolg hält sich bis jetzt aber in Grenzen.

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