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Das neue Rotterdam : Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern

  • -Aktualisiert am

Neue Markthalle: Die elfstöckige Hülle enthält 282 Wohnungen und Penthouses, die Hälfte davon mit Blick auf hundert Ess- und Lebensmittelstände im Halleninnern. Bild: Picture Alliance

Kühne Architektur, urbaner Wagemut, Nixentattoos und frivole Weihnachtsmänner: Rotterdam hat sein Image einer hässlichen Hafenmetropole so gründlich abgestreift, dass es inzwischen als eine der coolsten Städte der Welt gilt.

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          Am frühen Morgen werden wir wach, weil unsere Unterkunft von zeternden Möwen umflogen wird und wegen des Wellenschlags eines Wassertaxis wie auf stürmischer See schlingert. Wir haben die Nacht in einem der vier Hausboote verbracht, die im Rijnhaven vertäut und die jüngste Beherbergungsattraktion Rotterdams sind. Diese Wikkelboats sind die maritime Variante der in den Niederlanden populären Wikkelhouses und erinnern an übergroße, schwimmende Schuhkartons. Sie bestehen aus vierundzwanzig Lagen Pappkarton, wobei die äußere, wasserabweisende Schicht aus Holz und Aluminium als Isolation dient. Diese rudimentäre, überaus ökologische Bauweise bedeutet indes keinen Verzicht auf Komfort. Im Inneren haben wir Küchenzeile, Dusche, Klimaanlage, Sofaecke und draußen sogar einen Jacuzzi. Wer gerne ins Hafenwasser hechtet, was eigentlich verboten ist, aber mit landestypischer Entspanntheit alle unsere niederländischen Bootsnachbarn tun, kann sich unter einer Außendusche den Hafendreck abspülen.

          Für das Frühstück installieren wir uns mit Klapptisch und Klappstühlen auf dem Ponton, an dem unser Wikkelboat angebunden ist. Wir blicken auf ehemalige Lagerhäuser, die sich am Rand des Hafenbeckens erstrecken und auf denen noch die Namen früherer niederländischer Kolonien wie Sumatra, Java oder Borneo stehen. Doch in den Gebäuden werden weder Tabak noch Tee, Edelhölzer oder Gewürze gestapelt, stattdessen sind Apartments, Büros, Bistros, Blumenläden, Food Courts, Designateliers, eine Zirkusschule und ein Theater eingezogen. Gleich hinter dieser Hafenkulisse bauen sich gigantische Kathedralen aus Stahl und Glas auf, die uns zu verstehen geben, warum Rotterdam als europäisches Manhattan gepriesen wird. Wir ahnen schon, dass wir in dieser sich rastlos wandelnden Stadt, aus deren Skyline der 185 Meter hohe Panorama- und Restaurantturm Euromast wie eine futuristische Landmarke herausragt, keine putzigen Grachten, keine Giebelhäuser aus dem Goldenen Zeitalter und schon gar keine Tulpenromantik finden werden.

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