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Bildband über Kühe : Diesen Blick vergisst du nie!

  • -Aktualisiert am

Maremmana leben auf dem Küstenstreifen der südlichen Toskana sowie der angrenzende Küste von Latium. Bild: Werner Lampert GmbH, Photo Ramona Waldner

Auge in Auge mit der Kreatur: Werner Lamperts Reisen zu den schönsten Kühen der Welt.

          4 Min.

          Eine Evolèner Kuh schaut dich an. Und nur das Matterhorn ist Zeuge. Wem auf einer Bergwanderung im Schweizer Val d’Hérens eines der letzten Prachtexemplare der fast ausgestorbenen Rinderrasse begegnen sollte, darf sich glücklich schätzen. Halte aber besser Abstand. Denn das Rind, dessen Bestand in den Hochtälern des Wallis auf höchstens noch vierhundert Exemplare geschätzt wird, ist ein Walser Vieh mit ausgesprochener Kampfeslust. Unter dem Kuschelpelz des mit bis zu 1,30 Meter Schulterhöhe eher kleinrahmigen, gleichwohl imponierend muskulösen, noch auf Höhen von mehr als dreitausend Metern berggängigen Rinds pocht ein tapferes Herz. Erkennungszeichen: ein weißes Stirndreieck, das die weiße Haifischflosse des sich über dem Hochtal wichtigmachenden Matterhorns auf den Kopf zu stellen scheint.

          Besonders die weiblichen Tiere raufen gern und üben sich früh in spielerischen Kämpfen. Anders als bei den verwandten, ebenfalls im Wallis verbreiteten Eringer Kühen, die beim „Combat des Reines“, einem unter großer Volksbeteiligung veranstalteten Schaukampf, unermüdlich die Rangordnung auf der Alm und damit in Züchterkreisen regeln, dauert der Kampf unter Evolèner Kühen nur kurz. Am Ende geht der Kampfeswille in ungezügeltes Schlecken über. So groß die Lust am Raufen ist, so ausgeprägt ist auch die Sucht der Kuh nach Zärtlichkeit. Love is a battle field, als ob wir es nicht längst gewusst hätten.

          In fünfhundertneununddreißig Sprachen gibt es das Wort Kuh

          Wem das Liebesraufen der Evolèner Kuh zu wüst wird, darf sich damit trösten, dass auch andere Kühe schöne Kälber haben. Dies zudem auf der ganzen Welt, die der Mensch sich erst mit Hilfe des Rinds bis in die entlegensten Gefilde untertan machen konnte. In fünfhundertneununddreißig Sprachen gibt es das Wort Kuh. Auf allen Kontinenten ist das seit zehn- bis zwölftausend Jahren domestizierte Rind vertreten. Doch muss man vielleicht wie Werner Lampert als Bub im Vorarlberger Montafon die Nase im Fell eines Braunviehs gerieben haben, um dem Ruf der Kuh in die Welt hinaus zu folgen. Genau das hat der österreichische Bio-Pionier oft in seinem Leben getan. Wie betört kehrte der heute Zweiundsiebzigjährige seiner Wiener Beratungsgesellschaft immer wieder den Rücken, ließ die Entwicklung von Bioprodukten für den Discounter ruhen, verließ den Biohof im Burgenland, und schaute sich in der Welt um, die für ihn – wir ahnen es – eine Welt der Kühe ist.

          Ein Ebian Spotted aus Sichuan in China. Bilderstrecke
          Werner Lamperts Kühe : Diesen Blick vergisst du nie

          Zu den Stationen, an denen der Mann mit dem grauen Rauschebart und der altlinken Intellektuellennickelbrille haltgemacht oder zu denen er Fotografen geschickt hat, zählt das äthiopische Tiefland, wo die hellgrauen oder falben, am pyramidenförmigen Buckel erkennbaren Borana-Rinder beheimatet sind. Oder der Tschadsee, an dessen Ufer und auf dessen Inseln das Kouri-Langhornrind das Schwimmen perfektioniert hat. Und Oberbayern, wo das bis auf hundertdreißig Exemplare ausgestorbene Murnau-Werdenfelser zum Gangochsen Münchner Brauereifuhrwerke geformt wurde.

          Hauptkuhrasse im Habsburgischen Reich

          Fotografen folgten auf sein Geheiß dem wilden Yak aufs tibetische Quinghai-Plateau, taumelten dem Tier, das, Achtung: bei jeder Bedrohung auf Angriff gehen kann, auf Höhen von sechstausendeinhundert Metern hinterher. Wateten mit der schwarzbunten Pie bretonne durch die Sümpfe am südbretonischen Golfe de Morbihan. Spürten rund um die westindische Stadt Ongole das gleichnamige Ongole-Rind auf, vulgo „Gotteskuh“ oder „Brahmanen-Stier“. Das Ergebnis allen Reisens, Forschens, Fotografierens ist eine dreieinhalb Kilo schwere Hommage an die Kuh, gefasst von zwei Buchdeckeln, mitverfasst von prominenten Zitatengebern, so etwa Christian Morgenstern. Ein Wort des der Satire nicht abgeneigten Dichters eröffnet die Reise: „Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns zu vergelten.“ Auch einen auf seinen Knien Kühe anbetenden Leonard Cohen nimmt Lampert mit an Bord. Nicht zu vergessen Alexander Kluge, der im Gespräch mit Anselm Kiefer die Kuh zur „Poetin der Natur“ erklärte.

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