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Weltmeisterschaft an Bord der „MS Europa 2“ : Kaviar contra Currywurst

  • -Aktualisiert am

In der Halbzeitpause Stadionessen: Die „MS Europa 2“ im Zeichen der Fußballweltmeisterschaft Bild: pa/obs/Hapag-Lloyd Kreuzfahrten

Der Jazzclub ist zur WM-Lounge geworden, das Theater wird zum Public Viewing genutzt, und der Kaviar und Currywurst liefern sich ein Wettrennen, was besser weggeht: Die Weltmeisterschaft an Bord des Kreuzfahrtschiffs „MS Europa 2“.

          Schweinswalwetter? „Ja, Schweinswalwetter“, sagt der Holsteiner neben uns an der Reling. „Bei Schweinswalwetter ist die See so glatt wie ein Babypopo.“ Und Schweinswalwetter ist ideal zum Fußballschauen. Das freut den Holsteiner, uns und alle Fans an Bord. So ganz ohne Schwankungen jeden Schuss, jeden Kopfball und zuweilen jeden Biss sehen zu können - herrlich ist das! Auf der „MS Europa 2“ haben sie ja nicht nur generell ein paar alte Kreuzfahrtzöpfe abgeschnitten, sondern in diesen Fußball-Weltmeisterschaftstagen sogar umgerüstet: Aus dem Jazzclub ist eine WM-Lounge geworden. Die Bedienungen tragen das traditionelle deutsche Fußball-Weiß-Schwarz mit einer großen „2“ auf dem Rücken. Und selbst das Theater wird mit Großleinwand zum Public Viewing genutzt. Unser Freund aus Holstein macht auch mit: Er kommt wie so manch anderer im Deutschland-Trikot, wenngleich ohne Fahne und Tröte.

          Auch sonst rollt der Ball auf der „MS Europa 2“, die als bestes Kreuzfahrtschiff der Welt bewertet wird. Nach dem Spiel moderiert Jörg Wontorra die täglichen Weltmeisterschafts-Talks. Gewesene Stars wie Rainer Bonhof, Michael Rummenigge, Olaf Thon oder Jürgen Kohler geben ihren Senf dazu. „Oh, der Bonhof“, sagt der Holsteiner. „74: Pass auf Müller, Drehung, Schuss, Tor, Weltmeister!“ Wir Kenner sind nun unter uns, fachsimpeln und goutieren in der Halbzeitpause Stadionessen. Unsere Wahl fällt auf die Currywurst nach einem Rezept der berühmten „Sansibar“ auf Sylt. Insgesamt gehen täglich acht Kilogramm Currywurst, achtzig Wiener Würstchen, sechzig Bratwürste und fünf Kilo Schnitzel weg, natürlich mit Kartoffelsalat. Und das auf einem Fünf-Sterne-Plus-Kreuzfahrtschiff! Der Bierkonsum bewege sich indes auch an Spieltagen der Deutschen im normalen Rahmen, sagt Food & Beverage-Manager Carsten Kühfeldt. „Das Schiff ist halt doch kein Stadion“, sagt der Holsteiner.

          Das Programm kommt an

          Zwei Decks tiefer zückt Carsten Kühfeldt einen ganz besonderen Schlüssel. Er wacht über Waren im Wert von 800.000 Euro. So viel hat er immer gebunkert für seine fünfhundert Gäste an Bord. Und er richtet auch einen Wettbewerb aus: Currywurst gegen Kaviar, Fußballkost gegen Haute Cuisine. Dafür braucht er diesen Schlüssel. Denn heute steht kein Deutschland-Spiel auf dem Programm, sondern der Kaviartag. Den gibt es einmal pro Woche, und dafür holt er den begehrten Rogen aus der gut gesicherten Kühlung. Das Programm mit Currywurst und Fußball einerseits und Kaviar in einem der Gourmet-Restaurants andererseits kommt an. Am Kaviartag wird auf der mit 460 Positionen bestückten Weinkarte gerne zum Besten gegriffen, etwa zum Champagner Krug Clos du Mesnil für 960 Euro. Wir hingegen sind ganz zufrieden mit dem Bord-Prosecco „Sansibar“.

          Und wer hat nun gewonnen? Die Currywurst! Am Kaviartag gingen nur neunzehn Kilogramm Fischeier weg gegenüber siebenundzwanzig Kilo Currywurst am Fußballtag. Wir wiederum geben gerne zu: Wir haben beides sehr genossen.

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