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Weine aus Stellenbosch : Vergesst den Spatzendreck!

Keller mit Welle: Das Dornier Wine Estate vor den Hügeln von Stellenbosch Bild: Andrea Diener

Fünfhundert Winzer gibt es in Südafrika. Und die sind, wie ihre Weine, von einer erstaunlichen Vielfalt. Ein Rundgang am Kap der Guten Hoffnung.

          5 Min.

          Was dem Frankfurter der Rheingau, das ist dem Kapstädter Stellenbosch: grüne Hügel direkt vor der Haustür und alle paar Meter ein Winzer. In den vergangenen Jahren wurden es immer mehr, der Weinanbau am milden Kap mit seinen mikroklimatischen Nischen scheint sich zu lohnen. Inzwischen zählt man etwas mehr als fünfhundert private Kellereien und achtundfünfzig Genossenschaften.

          Das erste Weingut, das wir besuchen, heißt Delaire-Graff. Gut, dass es dransteht, man hätte es sonst nicht geglaubt. Wir biegen auf einen Parkplatz ein, auf dem gerade ein Rudel Polohemdträger seinen Ferraris entsteigt, was Väter in Trekkingsandalen dazu bewegt, ihre Söhne davor zu plazieren und mit der Handykamera abzulichten. Am besten, man dreht diesen Szenen den Rücken zu und schaut über die gepflegt verwilderten Rabatten ins Panorama. Das grünt in wohlgefälligen Wellen, am Horizont blaue Bergketten, im Vordergrund sitzen zwei lebensgroße Geparden in Bronze und sinnieren vor sich hin.

          Stahl, Glas und übermannshohe Skulpturen

          Für Laurence Graff, seines Zeichens Diamantenhändler, ist das Weingut mehr Hobbyprojekt als Einnahmequelle. Es hilft natürlich, dass er nicht aufs Geld schauen muss, aber wie sehr er nicht aufs Geld schauen muss, kann einen schon einschüchtern. An übermannshohen Gasfackeln flackern ewige Flammen sinnlos in den hellen Vormittag, dahinter der architektonisch ambitionierte Eingang in etwas, was auch bestens als Museum für moderne Kunst funktionieren würde, stünden nicht ab und an ein paar Flaschen in Wandnischen und erinnerten an den Zweck des Baus. Viel Stahl, viel Glas, hier und da sichtlich patinierte Holzplanken, die uns alle paar Meter ins Gedächtnis rufen, dass es nicht um die monströsen Fauvisten geht, die in ihrer ganzen gestischen Expressivität an der Wand hängen und optische Unruhe verbreiten, oder um die übermannshohen Bronzeskulpturen, sondern schließlich und endlich um vergorene Trauben.

          Den jungen Mann mit der Schirmkappe und dem karierten Hemd hätten wir fast übersehen. Ist das der Gärtner? Nein, er ist einer der wichtigsten Menschen hier, wenn nicht der wichtigste überhaupt: Morné Very ist der Winemaker. Er ist dafür zuständig, dass neben den gut verkäuflichen, etwas langweiligen und überdesignten Weinen für die distinguierte Tafel auch ein junger ungestümer Sauvignon Blanc von 2011 seinen Platz findet. Und wer auch immer für den lokalen Käse verantwortlich ist, der dazu gereicht wird - Respekt. Ich esse den Blauschimmelkäse meines Lebens, obwohl ich Blauschimmelkäse eigentlich nicht mag.

          Architektonisch ambitioniert: Der Eingang zum Weingut Delaire Graff.

          Der Wein des Sohnes des Flugzeugpioniers

          Ein paar Kilometer weiter treffen wir auf das nächste Weingut und auf einen bekannten Namen: Dornier klingt vor allem in Deutschland noch vertraut. Der Weingutbesitzer und Maler Christoph Dornier ist der Sohn des Flugzeugpioniers Claude Dornier aus Kempten im Allgäu, dessen Name bis heute mit dem Flugboot DoX verbunden ist. Christoph baute in den neunziger Jahren das Weingut im Blaauwklippental bei Stellenbosch auf und verkaufte 2002 die ersten Flaschen. Bis zu seinem Tod 2008 lebte er hier in Südafrika, inzwischen hat mit Raphael Dornier die nächste Generation die Geschäftsführung übernommen.

          Seit gut fünf Jahren gibt es daneben das Restaurant „Bodega“ in einem der ältesten Gebäude von Stellenbosch, unverkennbar niederländisch barock, weiß gekalkt, mit geschwungenen Giebeln und einer großen, angenehm schattigen Terrasse. Nach dem Waskostetdiewelt-Wahnsinn von Delaire-Graff exakt der richtige Ort, um sich ein wenig zu erden, auch wenn die Weißweine eher unbemerkt an uns vorüberziehen, ohne einen besonderen Eindruck zu hinterlassen. Man sollte sich besser an die Roten halten. Und hier zu Mittag essen, denn Küchenchef Neil Norman tischt in der „Bodega“ wunderbar frisch und schnörkellos auf: Calamari, aber was für welche, Kürbisflammkuchen und kleine Häppchen aus Fisch und Gemüse. Unspektakulär anmutend, aber perfekt.

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