https://www.faz.net/-gxh-8olx7

Wein an der Ahr : Rot ist nicht nur die Farbe der Liebe

  • -Aktualisiert am

Das Städtchen mitten in einem der kleinsten Weinbaugebiete der Welt: Ahrweiler. Bild: Volker Mehnert

Mit ihren Spätburgundern sind die Winzer an der Ahr im vergangenen Jahrzehnt in die Weltklasse aufgestiegen. Und nebenbei haben sie auch einer fast ausgestorbenen Traubensorte zu einer erstaunlichen Renaissance verholfen.

          Fast alles dreht sich an der Ahr um Spätburgunder. Kein anderes Weinbaugebiet der Welt hat sich so sehr auf eine Rebsorte konzentriert wie die Ahr auf diese Edeltraube. Und der vinologische Chor der Winzer kennt nur eine Stimme: „Wir sind und bleiben ein Burgunderweingut“, versichert Michael Kriechel aus Ahrweiler. „Wenn ich etwas mache, dann ist es Spätburgunder. Ich habe noch keinen Rebstock mit weißen Trauben gepflanzt“, sagt Alexander Stodden und nennt seinen Betrieb unmissverständlich „das Rotweingut“.

          „Wir dürfen uns nicht verzetteln, dafür sind unsere Flächen zu klein“, ist die Devise bei Meyer-Näkel. „Wir wollen pflegen, was wir haben, und Geradlinigkeit zeigen, also brauchen wir keinen Cabernet Sauvignon und schon gar keinen Dornfelder“, sagt Marc Adeneuer, seit vielen Jahren Vorsitzender des Weinbauverbandes Ahrwein. Und Ludwig Kreuzberg aus Dernau bekräftigt diesen Standpunkt: „Anderswo verfolgen sie Trends, wir konzentrieren uns auf die Veredlung unseres Kernprodukts.“ Sogar die Jungen, die in anderen Weinbaugebieten manches umkrempeln, bleiben konservativ: „Bei mir wird es nie etwas anderes geben als Spät- und Frühburgunder“, verspricht die Nachwuchswinzerin Julia Bertram. „Spätburgunder ist die Zukunft“, proklamiert auch das Weingut Maibachfarm, das seine Weinberge konsequent ökologisch bewirtschaftet.

          Auf dem Niveau von Burgund

          Die Winzer an der Ahr tun gut daran, ihre Burgunderlinie konsequent zu verfolgen, denn bei sorgfältigem Ausbau gehören die Weine aus ihren besten Lagen zur Weltklasse. Das bestätigen zahlreiche Vergleichsproben und Prämierungen. Schon 2008 erhielt der Spätburgunder Dernauer Pfarrwingert des Weinguts Meyer-Näkel bei den „World Wine Awards“ des britischen Magazins „Decanter“ die Auszeichnung als bester Spätburgunder der Welt – vor der Phalanx der namhaften Konkurrenten aus Burgund, Oregon und Neuseeland.

          Während jahrelang vom neuen deutschen Weinwunder die Rede und damit vor allem der Riesling gemeint war, hat parallel dazu ein Spätburgunderumschwung mit erstaunlichen Qualitätsverbesserungen stattgefunden. „Wir sind inzwischen auf dem Niveau von Burgund“, sagt Marc Adeneuer. Wer seinen Spätburgunder Großes Gewächs aus der Lage Gärkammer, die Großen Gewächse des Weinguts Kreuzberg aus den Lagen Schieferlay und Sonnenberg oder Alexander Stoddens Spätburgunder aus dem Recher Herrenberg und dem Mayschoßer Mönchberg probiert, wird nicht widersprechen. Das sind komplexe Tropfen mit dunklen Beerenaromen, denen der poröse Schieferboden einen mineralischen, manchmal fast stahligen Ton und eine würzige Kräuternote verleiht.

          Jeder findet seine Nische

          Doch es sind nicht nur die Spitzenweine, die an der Ahr imponieren. Das Qualitätsniveau ist durchgehend hoch, vom kleinen Privatwinzer an der Ecke über die Genossenschaften bis hin zu den Vorzeigebetrieben. „Wir sitzen uns alle so dicht auf der Pelle, da muss sich jeder anstrengen“, sagt Michael Hewel, der Kellermeister des Weinguts Kriechel. In den Gemeinden Dernau, Rech und Mayschoß hat fast jeder Haushalt auf die eine oder andere Art mit dem Weinbau zu tun. Jeder weiß, wem welcher Weinberg gehört, und schaut dem Nachbarn genau auf die Trauben. So entwickelt sogar mancher Hobbywinzer den Ehrgeiz, seinen Weinberg so gut in Schuss zu haben wie das renommierte Weingut nebenan. „Es geht uns allen um die drei Buchstaben Ahr“, sagt Alexander Stodden, dessen Weine in Fachkreisen regelmäßig die höchsten Bewertungen erhalten. „Hat die Region einen Ruf, dann findet jeder seine Nische.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Merkel auf dem UN-Klimagipfel : Sorge vor dem Zorn an der Zapfsäule

          Mit ihrem Klimapaket enttäuschte die Bundesregierung viele. Auch in New York steht Merkel unter Rechtfertigungsdruck. Sie verweist auf die Bevölkerung – und den Unterschied zwischen Politik und Wissenschaft.

          AKK in Amerika : Im Leer-Jet zum Pentagon

          Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer reist zum ersten Mal nach Washington. Ihr Terminplan überrascht – vor allem, wen sie alles nicht trifft.

          Pendlerpauschale : Habecks Eigentor

          Es sei doch sympathisch, wenn Politiker mal zugeben, dass sie keine Ahnung haben, heißt es. Das stimmt – bei Robert Habeck und der Pendlerpauschale aber ist es fatal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.