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Die ideale Karibik : Im Land des Lichts

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Das Wahrzeichen der Insel und ihr markantester Punkt: die Vulkankegel der Pitons. Bild: Picture Alliance

St. Lucia gilt als die schönste der „Inseln über dem Wind“, überwuchert von Regenwald, überragt von Zwillingsvulkanen. Doch Natur ist bei weitem nicht das Einzige, das die Heimat des Literaturnobelpreisträgers Derek Walcott zu bieten hat.

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          Welcome to my office“, begrüßt uns Akim. Schreibarbeit dürfte den jungen Mann hier allerdings kaum belasten, stehen wir doch mitten im Regenwald, der Akims Arbeitsplatz ist. Hier wird er uns die nächsten Stunden über betreuen, und erst einmal rüstet er uns nach allen Regeln des kommenden Drahtseilaktes aus – mit einer Art OP-Haube aus Vlies, darüber der Helm, dazu Gürtel und Riemen mit einer Unmenge von Haken und Schnüren daran. Schöner macht das Outfit nicht, muss aber sein, denn es geht zum Ziplining.

          An Metallseilen werden wir zwischen St. Lucias Urwaldwipfeln über tiefgrüne Abgründe sausen, Beine voraus, Hände am Griff, wohlig schreiend wie auf der Achterbahn und bei jeder Etappe bemüht, die nächste Plattform hoch am Baum sicher zu erwischen. Die Jungs helfen dabei mit Kraft und Seilen nach. „Nice landing“, loben sie sich und uns, wenn das wieder einmal gelungen ist. In der kleinen Gondel, die zum Start- und Endpunkt der Ziplining-Rundtour in Babonneau zuckelt, erklärt Akim, was alles in dem satten Grün steckt, das St. Lucia so üppig bedeckt – und das wir angesichts des Tempos in der Zipline nur vorbeirauschen sehen.

          Der bildschöne Blaumaskenpapagei

          Natur ist das große Kapital des kleinen vulkanischen Eilands, wegen seiner Natur gilt es als das schönste im poetisch „Inseln über dem Wind“ getauften Bogen der Kleinen Antillen zwischen Karibik und Nordatlantik. Dort reiht sich das mangoförmige St. Lucia - oder auch St. Lucia, je nach Geschmack - zwischen Martinique im Norden und St. Vincent im Süden ein. Kalebassen und Kakao gedeihen hier so gut wie Zimt-, Mango-, Cashewbäume, Muskatnuss, Palmen und riesige Baumfarne, alles von Schlingpflanzen verwoben und mit Orchideen und Hibiskus bunt geschmückt.

          In diesem tropischen Paradies lebt eine exotische Fauna mit vielen endemischen Vögeln. Der bildschöne Blaumaskenpapagei gehört dazu, und unter mindestens vier nur hier vorkommenden Schlangenarten treibt auch eine Boa-Constrictor-Art ihr Wesen, ein hellhäutiger Würger mit erstaunlich schmalem Kopf. Das Tier aber, das jeder, der dort war, mit St. Lucia verbindet, ist ein harmloser Zwerg. Man sieht ihn kaum, den Antillen-Pfeiffrosch, hört ihn aber umso besser, wenn er nachts loslegt und seine lautstarken Pfiffe wie Tausende Zikaden durch die Dunkelheit schickt.

          Der Tourismus sorgt für ein gutes Einkommen, aber die traditionelle Fischerei hat er nicht verdrängt: Boote an der Küste von Soufrière.
          Der Tourismus sorgt für ein gutes Einkommen, aber die traditionelle Fischerei hat er nicht verdrängt: Boote an der Küste von Soufrière. : Bild: Picture Alliance

          Bei der Ankunft am Hewanorra Airport an der Südspitze der Insel hatte uns eine heiße Wand feuchter Luft empfangen – ohne Niederschlag kein Regenwald: Mit dieser Einsicht verschmerzen wir auch das leichte Nieseln, das bei Dennery den letzten Ausblick auf den Atlantik besprenkelt, bevor uns die Straße quer durchs Inselinnere an die beliebte karibische Westküste bringt. Dort geht soeben knallrot die Sonne unter, aber Castries hilft diese Pracht auch nicht weiter: Kreuzfahrtschiffe geben der ohnehin unspektakulären Hauptstadt den Rest, wie ungeschlachte Hochhäuser verstopfen sie Hafen und Sicht. Aber damit versöhnt wenige Kilometer weiter ein schlichtes Abendessen unterm Vollmond und barfuß im Sand, genossen am stillen Strand der neuen Hotelanlage The Landers. Am nächsten Morgen bietet das erste dort vor dem Frühstück genossene Karibik-Bad samtigen Hochgenuss.

          Dass Kolumbus die Insel entdeckt haben soll, klingt zwar gut, ist aber mittlerweile widerlegt. Eher dürfte es sein Mitstreiter Juan de la Cosa gewesen sein, der sie um 1500 erstmals kartographierte, wenn auch unter anderem Namen. Vor allen anderen landeten ohnehin Arawak-Indianer aus Mittelamerika an, später vertrieben Kariben sie von dem Eiland und nannten es Hewanorra, „die Insel, auf der der Leguan lebt“. Manche vermuten, dass schiffbrüchige Franzosen als erste Europäer auf der Insel erschienen und sie St. Lucia tauften.

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