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Die ideale Karibik : Im Land des Lichts

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Leuchtende Täler, stürmische Wolken

Das Fischerörtchen Soufrière, gelegen an der gleichnamigen Bucht, straft seinen hässlichen Namen Lügen, übersetzt heißt es nämlich Schwefelgrube. Die Franzosen hatten hier ihre Inselhauptstadt, und noch hat sich viel vom Charme des Kolonialstils bewahrt. Einen empfehlenswerten Hühnerflügel-Snack vom Straßengrill knabbernd und Kokosmilch direkt aus der geköpften Nuss schlürfend, durchwandern wir friedliche Sträßchen mit alten Holzhäusern, die fröhlich bunt gestrichen leuchten, filigrane Balkone vorgehängt tragen und Schnitzereien, die wie Tortendeckchen Dachkanten und Vordächer zieren. Man kann nur hoffen, dass auch die Gebäude, die verlassen und vernachlässigt wirken, rechtzeitig Rettung finden. St. Lucia hat nicht mehr allzu viel dieser pittoresken Orte, die Touristen zuverlässig anziehen und den Einheimischen einen wichtigen Teil ihrer Historie erhalten.

Erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts erhöhten die Briten die Bildungschancen auf den Kleinen Antillen mit der Gründung einer Universität in Trinidad. Wer studieren oder sonst seine Möglichkeiten erweitern wollte, verließ St. Lucia, das – bevor der Tourismus Geld auf die Insel brachte – nicht viel mehr bot als Fischerei und Landarbeit. Auch Derek Walcott, der von 1930 bis 2017 lebte, zog in jungen Jahren nach Trinidad, um dort Kunst- und Literaturkritiken zu schreiben, in Boston lehrte er später Dramaturgie. Mit seinen Gedichten aber schuf er sich den Ruf des „karibischen Homer“, 1992 wurde ihm der Literaturnobelpreis verliehen. In seinen Versen besingt Walcott auch seine Heimat St. Lucia: „Im Nebel des Meeres liegt eine gehörnte Insel mit tiefgrünen Häfen, ein Land des Lichts mit leuchtenden Tälern und stürmischen Wolken, in den moosbedeckten Wäldern ihrer Berge sprudeln die Quellen.“ Walcott ist, bemerkenswert genug für ein Land mit hundertsiebzigtausend Einwohnern, nicht der einzige Nobelpreisträger aus St. Lucia. Im Jahr 1979 bekam Sir Arthur Lewis die Auszeichnung für seine Leistung als Wirtschaftswissenschaftler, als erster Schwarzer und für ein Modell, das wirtschaftliche Maßnahmen zur Linderung der Not in der Dritten Welt aufzeigen wollte.

Bild: F.A.Z.

Wie Walcott kehrte auch Llewellyn Xavier in seine Heimat zurück, die er als Kind von Feldarbeitern mit fünfzehn Jahren verlassen hatte, um in die Welt zu ziehen. „Es gab wirklich nichts hier“, sagt er in seinem schneeweißen Haus, das seinen Gemälden den perfekten Fond gibt. Xavier malt temperamentstrotzende abstrakte Bilder, die längst in den großen Museen angekommen ist, im Metropolitan Museum und im Museum of Modern Art in New York, im Londoner Victoria and Albert. Wenn er nicht in der ganzen Welt unterwegs ist, arbeitet er in seinem weißen Haus, lässt die Farbglut seiner Insel in seine Arbeiten einfließen, inspiriert auch von seinen eigenen indianisch-karibisch-afrikanischen Wurzeln. Dem Künstler liegt die Insel am Herzen. Das, was er anderswo bewunderte, versucht er auf St. Lucia zu verwirklichen: „Seit dreißig Jahren engagiere ich mich hier für die Umwelt“, sagt er. Tatsächlich kann man eine Reihe ökologischer Ansätze beobachten, es gibt Hotels, die ihr eigenes Biogemüse anbauen oder ihre Pools mit Mosaik aus recyceltem Glas fliesen. Aber da ist noch viel Luft nach oben: Die Natur wird den Einsatz danken. Sie ist St. Lucias größtes Kapital.

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