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Airbnb expandiert : Der Hyänen-Anteil

Meilenweite Sandlandschaften ohne Internet: das perfekte Digital-Detox-Gelände Bild: Airbnb

Ufo-Jagd in Arizona und Spurensuche mit kenianischen Stämmen: Airbnb hat jetzt „Adventures“ im Programm. Die Arbeit machen die Einheimischen. Was soll das?

          Der Weg zur „Kaffee Experience“ führt durch viele Kilometer Wüstensand, vorbei an wandernden Kamelen und roten Marsfelsen. Es dämmert, als die Jeeps an einem einsamen Zelt anhalten. Träge ergießt sich die Sonne über den Furchen am Horizont. Ziegen meckern, ansonsten kein Laut und keine Bewegung, niemand da. Mit der Abenddämmerung endet das Fasten. Noch ist Ramadan. Die Beduinen, die zeigen sollten, wie das mit dem arabischen Kaffee funktioniert, haben sich auf ihre eigene Zeitrechnung besonnen und sind zum Fastenbrechen in eine benachbarte Zeltstadt gefahren.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ahlam Sechan, Tourguide und Improvisationskünstlerin, sieht sich um, dann gibt sie ihrem Begleiter ein Zeichen und schlendert zum Stall hinter dem Zelt, wo der Plastikmüll liegt und es nach Ziege riecht, aber sie haben auch Nachwuchs, wie niedlich, und Ahlam Sechan reicht Mansaf Jameed herum (fermentierten Joghurt aus Ziegenmilch), was jeder mal probieren will, und erzählt eine Geschichte dazu. Zehn Minuten später ist die improvisierte „Kaffee Experience“, die nur bei Airbnb so heißt, nicht bei den Beduinen, dann doch so weit. Aus dem Zelt duftet es nach Kardamom. Yallah, yallah, es kann losgehen.

          Es gibt keinen besseren Ort als Jordanien

          Dass nicht immer alles nach Plan läuft, gehört dazu. So war es schon, als man mit Reiserucksack an Hinterhoftüren klopfte und betete, jemand Nettes möge öffnen, der einem das Straßenlabyrinth vor der Tür erklären und einen Rückzugsort anbieten konnte. Das war, als Airbnb noch ausschließlich als Vermittlungsbörse von Privatunterkünften funktionierte. Auf ihre Gastgeber, so das Versprechen der amerikanischen Plattform, konnte man immer vertrauen. Der nächste Schritt waren 2016 dann die „Entdeckungen“, kürzere Ausflüge mit Einheimischen, die ihren Gästen die schönsten Dachterrassen ihrer Metropole zeigten und Fotografiekurse und „kulinarisches Shoppen“ organisierten und die Airbnb seither gute Umsätze bescheren. 30 000 solcher Touren gibt es.

          Morgengrauen in der Wüste, das Beduinenfrühstück wartet.

          Jetzt gibt es ein neues, mehrtägiges Outdoor-Angebot für kleine Gruppen bis zu zehn Teilnehmern, es heißt „Adventures“ und führt von der Ufo-Jagd in Arizona bis zur Spurensuche mit kenianischen Stämmen – auch nach Jordanien. Natürlich Jordanien. Es gibt keinen besseren Ort für Airbnbs Expansionspläne. Meilenweite Sandlandschaften ohne Internet: das perfekte Digital-Detox-Gelände. Eine vierstündige Busreise von der antiken Stadt Petra ans Schwarze Meer: Meditation pur. Und was ist abenteuerlicher als eine Nacht bei den Beduinen, den Erfindern der Gastfreundschaft, in einem Zelt in der Wüste?

          Ahlam Sechan und Ali Alhasasen, die das Jordanien-Adventure leiten, sind Vorzeige-Einheimische: klug, witzig, emanzipiert. Alhasasen gehört auch noch zu den Beduinen. Airbnb musste dazu gar nichts beitragen. Als sich Sechan für das Programm bewarb, waren beide schon ausgebildete Touristenführer. Sie arbeiteten für Experience Jordan, einen regionalen Anbieter von Wandertouren durch Dana, den Nationalpark im Süden Jordaniens, und auf dem Jordan Trail, einer 650 Kilometer langen Wanderroute durch das Land. Ahlam hat das breiteste Lächeln des Orients, ist nebenbei Yogalehrerin, klettert gern und hat einmal ein Jahr in einem Architekturbüro in Deutschland gearbeitet. Alhasasen und sie lernten sich bei einem Yoga-Retreat kennen. Der Beduine ist klein und drahtig, kann Schafe schlachten und Instagram-Storys anfertigen und erzählt gern von seiner Hochzeit mit 800 Gästen. Beide sagen, sie seien froh, dass Airbnb mit seiner Initiative kleine Veranstalter aus der Gegend unterstütze und Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenbringe.

          Tage in der Marslandschaft, wie sie sonst keiner erlebt

          Abend in der Wüste, in der Ferne heulen große Hunde. Fest steht, dass es sich um Hunde handelt, obwohl Alhasasen gerade von Hyänen und Kojoten erzählt hat und der Rotwein fließt. Das Essen ist vorbei, aber fürs Schlafen ist es noch zu früh, der Mond zu hell, das Geheule zu laut, also führt Alhasasen auf einen Hügel, über dem sich der Himmel wie die Kuppel eines Planetariums spannt und jedes Sternbild zeigt. Da seien die Zwillinge, sagt er, deutet mit dem Laser und erzählt, was man sich über den Widerstreit zwischen Orion und Skorpion erzählt. Noch eine arabische Legende über die Sterne des Großen Wagens, dann zurück zu den grünen Ein-Mann-Zelten. Eigentlich, lässt Alhasasen zum Einschlafen wissen, fräßen Hyänen sowieso am liebsten Melonen.

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