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Neapels Unterwelt : Unter dem Pflaster liegt eine zweite Welt

  • -Aktualisiert am

Fluchttunnel, Luftschutzbunker, Schrottplatz: Autos in der Galleria Borbonica. Bild: INTERFOTO

Seit der Antike ist ganz Neapel von Tunneln unterhöhlt. Doch irgendwann geriet das in Vergessenheit. Eine Geisterfahrt.

          9 Min.

          Am späten Nachmittag des 16. Juni 1926 geschah in der neapolitanischen Via Giordano Orsini ein Unglück, das nicht nur wegen seiner Begleitumstände für Aufsehen sorgte. Aurelio Padovani, faschistischer Parteisekretär in Neapel und früher Wegbegleiter Benito Mussolinis, betrat den Balkon seiner Wohnung, um – ganz charismatischer Politiker – den Jubel seiner auf der Straße wartenden Anhänger entgegenzunehmen. Umringt von seinen engsten Freunden wollte „il capitano“ für die ihm zum Namenstag dargebrachten Glückwünsche danken.

          Man kann davon ausgehen, dass eine neapolitanische Sonne die Szene festlich bestrahlte. Padovani winkte, es gab Hochrufe, vielleicht setzte auch die kleine Musikkapelle zu einem Ständchen an, als erst die steinerne Balustrade und gleich darauf der Balkon mit der darauf zusammengedrängten Festgesellschaft aus dem vierten Stock in die Tiefe stürzte. Neun Tote, inklusive Aurelio Padovani. Dramatischer kann man als politischer Hoffnungsträger einer sich gerade etablierenden Diktatur eigentlich nicht sterben.

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