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Wandern im Schwarzwald : Vom Himmel ist fast nichts zu sehen

  • -Aktualisiert am

Und immer wieder sieht es aus wie im Märchenwald: Im Naturschutzgebiet Wutachschlucht. Bild: Picture-Alliance

Den Schwarzwald fast für sich allein: Unterwegs auf dem Querweg von Freiburg nach Konstanz – quer zu allen gängigen Wanderrouten.

          7 Min.

          Als wir in Freiburg unsere Rucksäcke packen, zeigt das Thermometer 35 Grad, und wir sind versucht, unsere Pullover wieder auszupacken. Zum Glück haben wir es nicht getan. Denn schon zwei Tage später und tausend Höhenmeter weiter war es zwölf Grad kalt. Aber davon wollte zu diesem Zeitpunkt nicht einmal der Wetterbericht etwas wissen und versprach nur eine kleine Abkühlung.

          Der Schwarzwaldverein schlägt auf seiner Internetseite für die etwa 174 Kilometer lange Strecke des Querwegs zwischen sieben und neun Tagesetappen vor, wobei sieben ausgesprochen sportlich sind. Selbst bei acht Etappen sind jeden Tag etwa zwanzig Kilometer und bis zu tausend Höhenmeter zu überwinden. Das ist nur für geübte Wanderer ein reines Vergnügen. Für uns war es eine Herausforderung. Dabei hatten wir nicht einmal zehn Kilo in unseren Rucksäcken, und das trotz Ukulele und Liederbuch. Gut, dass wir sie dabeihatten, sonst hätten wir nicht diesen zauberhaften Augenblick auf einer Lichtung erlebt, als wir das Instrument auspackten und musizierten. Zwei Wanderer, Vater und Sohn, waren eben dabei, ihre durchnässten Schlafsäcke in der Sonne auszubreiten, und lauschten den Klängen, die sich mit dem Vogelgezwitscher und dem Rauschen des Flusses vermischten. Bis dahin hatten wir schon eine Schlucht und einen Märchenwald durchquert, waren von starkem Regen bis auf die Haut durchnässt worden und hatten unsere letzten Müsliriegel verzehrt.

          Für Stunden alleine auf dem Weg

          Aber erst einmal beginnt der Weg in Freiburg am Schwabentor. Als wir einen letzten Blick von der Anhöhe auf das rosafarbene mittelalterliche Maßwerk des Münsterturms werfen, der aus dem Gewirr der Dächer herausragt, fühlen wir uns ein wenig wie die Wandervögel vor hundert Jahren, die mit ihren Gitarren auf dem Rücken aus den industrialisierten Städten in die Natur aufbrachen. Jene Nachfahren des Taugenichts von Eichendorff, der sich zu Fuß und per Kutsche nach Italien durchschlug. Unser Weg führt am ersten Tag nur siebzehn Kilometer bis zum Gasthaus Sonne in Oberbirken, am Fuße des Hochschwarzwalds.

          Raus aus Freiburg, rein in den Wald:  Die Gedanken verlangsamen sich im Takt der Schritte.
          Raus aus Freiburg, rein in den Wald: Die Gedanken verlangsamen sich im Takt der Schritte. : Bild: Picture-Alliance

          Je weiter wir uns von der Stadt entfernen, desto seltener treffen wir auf Jogger und Mountainbiker, und kaum haben wir das Ausflugsziel St. Ottilien hinter uns, sind wir zu unserer Überraschung für Stunden allein auf unserem Pfad. Die Gedanken verlangsamen sich im Takt der Schritte. Unterhalten wir uns doch einmal über etwas, was nicht am Wege liegt, verpassen wir prompt die nächste Abzweigung. Wir lauschen dem Knacken des Holzes, dem Klopfen, Zwitschern und Knarzen der Vögel, die sich in Unterholz und Geäst verstecken, und halten Ausschau nach der weiß-roten Raute auf gelbem Grund, die auf Baumstämmen und Pfosten unseren Weg markiert.

          Letzte Himbeeren, erste Brombeeren

          Allmählich tauchen wir in unser eigenes Tempo ein, selten auf Dorfstraßen, zuweilen auf Forstwegen, die in breiten Schneisen in den Wald geschlagen sind, oft auf schmalen Pfaden, die über Wurzeln und Felsen immer tiefer in den Wald hineinführen. Wir pflücken die letzten Himbeeren und die ersten süßen Brombeeren. Unten im Tal sind die Wälder licht, voller Buchen und Kastanien, in einem Holzstoß am Waldrand überrascht uns ein Bücherregal, mit einer Bank davor. Als es zu regnen beginnt, flüchten wir uns unter das Dach einer Bushaltestelle, gehen dann aber doch weiter, weil der Regen nicht aufhören will, und werden dafür im Gasthaus Sonne, unserer ersten Unterkunft, mit einem wunderbaren Essen belohnt.

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