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Wandern im Allgäu : Die neuerfundene Landschaft

  • -Aktualisiert am

„Die Riviera des Allgäus“ nennt sich der Luftkurort Hopfen samt seiner Küste. Immerhin liegt er an einem der wärmsten Seen des Alpenvorlandes. Bild: Franz Lerchenmüller

„Allgäu-Trilogie“ heißt ein neues Netz aus Wanderwegen, das den Besuchern die Region und ihre Geschichte nahebringen will. Die Tourismusverantwortlichen sind begeistert, viele Einheimische eher skeptisch.

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          Stadtluft macht frei, hieß es im Mittelalter. Und so müssen dem Wanderer die Türme von Isny einst wie eine Verheißung erschienen sein, wenn er sie am Horizont zum ersten Mal in der Sonne flimmern sah. Schritt für Schritt, nicht anders als heute, näherte er sich, ließ wogende Streuwiesen mit Schilf und groben Stengeln hinter sich, Brennnesselstreifen und braune Moorflächen. Doch während Wassertor und Espantor, evangelische und katholische Kirche immer mächtiger vor ihm hochstiegen, schnupperte er nicht etwa den Duft von Freiheit, sondern begann die Nase zu rümpfen: Die Freie Reichsstadt, mit Verlaub, sie stank erbärmlich. Denn die Isnyer leiteten die Abwässer ihrer Kloaken auf die Felder, und siehe da, der Dinkel stand prächtig, das Gras wuchs dichter als anderswo, und die Kohlköpfe konnten sich wahrlich sehen lassen. Das alles erfährt auch der Wanderer von heute, allerdings erst eine halbe Stunde später, angekommen am Rand des Städtchens. Auf nagelneuen Tafeln liest er, wie die Einwohner schon im zwölften Jahrhundert begannen, ihre Wiesen vor den Stadttoren zu düngen, und auf anderen, strikt getrennten Feldern, Leinwand zu bleichen. Und von einer neuen Ausguckrampe aus verzinktem Eisen blickt er noch einmal zurück auf die sumpfige Ebene, durch die er hergewandert ist.

          Dass der Wanderer dieses Stück Geschichte so anschaulich nachvollziehen kann, verdankt er der „Allgäu-Trilogie“. In der liegt Isny im „Trilogieraum Heimatstätten“ an der „Wasserläufer-Route“. Und das bedarf zweifellos einer näheren Erklärung: Im Jahr 2008 beschloss die damalige Allgäu Marketing Gesellschaft, dass das kleine Allgäu künftig in der Liga der ganz großen Touristenregionen mitspielen solle. Ziel sei, phantasierte man, „eine bedeutende europäische Wanderdestination zu werden“. Um solch hehre Absichten zu verwirklichen, musste etwas Ausgefallenes her. Denn Wanderwege, auch zertifizierte, haben inzwischen fast alle Regionen, Fernwanderwege auch schon viele. Ein Wandernetz sollte es also werden, befand eine Planungsgruppe um den österreichischen Tourismusberater Sieghard Preis. Ein Geflecht, das die ganze Vielfalt des Allgäus widerspiegelt und alle seine drei Höhenlagen umfasst: das flache Land nach Norden hin, die Hügel der Voralpen und die Gipfel der Berge. Da hatte man sie, die Trilogie. Den Namen entlehnte man der Romanfolge von Peter Dörfler über den Allgäuer Käsebaron Carl Hirnbein. Entsprechend schuf man drei große, miteinander verbundene Rundwege und nannte sie Wiesengänger-, Wasserläufer- und Himmelsstürmer-Route, vorzugsweise geeignet für Genuss-, Erlebnis- und sportliche Wanderer.

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          Der ganz große Wurf, die revolutionäre Umgestaltung eines verschnarchten Stücks Deutschlands schwebte den Planern mindestens vor. Dazu sollten möglichst viele Orte einbezogen werden, die sich - was am wichtigsten war - mit ihrer ganz eigenen, charakteristischen Geschichte präsentieren. Unter dem Logo des Steinmännchens, eines alten Wegezeichens in den Bergen, entwickelte man ein gemeinsames Design und ein Informationssystem, schuf Rastplätze und ermunterte die Orte, auch ihre bisher unbekannten Facetten ins Licht der Aufmerksamkeit zu rücken.

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