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Vögel beobachten : Vom Besten der Esten

  • -Aktualisiert am

Auf dem Bohlenweg durchs Viru-Moor im Nationalpark Lahemaa. Bild: Picture-Alliance

Alle Vögel fliegen hoch, doch die Menschen bleiben mit beiden Füßen auf dem Boden: Mit nachdenklichen Birdern zur Naturbeobachtung in der nördlichen baltischen Republik.

          6 Min.

          Am Ende, als wir nach einem langen, stürmischen Tag von der Westküste zurückkommen und Peep im Gästehaus von Altmoisa einen Chili-Ingwer-Schnaps für die Nassen und die Kalten einschenkt, frage ich in die Tischrunde: „Was war das Beste auf dieser Estland-Reise?“ „Der Elch“, sagt Annette, „dieses monumentale Tier“, das doch so elegant und feengleich vor Tau und Tag über die Straße joggte. „Der Merlin“, sagt Peep, unser junger estnischer Führer, jener kleine Falke, der wie ein Blitz über das Schilf fuhr. „Der Sperlingskauz auf der Fichtenspitze“, sagt Sylvia, dieses Federbällchen, das sein besorgtes Auge wie ein Leuchtturmfeuer rundum schweifen ließ. „Die große Schar von Seevögeln auf Spithami Kap“, sagt Shalini aus Indien, die sieben Tage mit geschultertem Fernrohr durch den Wald und an der Küste entlang gezogen war. Und Silke, die gar kein Birder ist, mit ihren roten Haaren, dem karierten gelben Hemd und den schwarz umrahmten Sphinxaugen aber selbst wie ein bunter Vogel aussieht, sagt: „Die frische, grüne Urwaldluft mit Farnen und Moosen, das magische, weiche Moorseewasser und unser heimliches Sonnenuntergangsbad darin.“

          Und der Bär? Ja, natürlich auch der Bär, der im sinkenden Licht mächtig und bedächtig zwischen den Kiefernstämmen hervorwalzte, noch so eine monumentale Erscheinung, und die anderen Petze, die ihm nach und nach folgten und wieder verschwanden. Und wir starrten aus der Hütte so lange gebannt durch die Ferngläser, bis nur noch ein wenig Pelzgewoge im fahlen Gestrüpp zu erkennen war. Davon später. Aber immer sind es die Vögel, die uns berührt haben, was bei acht Leuten, die der Natur-, aber vor allem der Vogelbeobachtung wegen nach Estland gereist sind, und zwei Guides, die für einen Rotfußfalken auf dem Telefondraht neben der Straße kurz zur Vollbremsung rechts heran preschen, auch nicht erstaunlich ist.

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