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Spanien : Verloren im Meer und doch gerettet

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Die Menschen haben den Illes Columbretes übel mitgespielt. Sie haben ihre Vegetation verbrannt und Tausende von Schlangen erschlagen. Doch jetzt gehören die Inseln wieder den Tieren, die hier so ungestört leben, als gäbe es keine Zivilisation. Bild: Rolf Neuhaus

Die Illes Columbretes liegen im Schatten der Balearen und sind doch der größte Kontrast zu diesen Hochburgen des Massentourismus: eine Handvoll kleiner, wilder, struppiger Inseln voller Skorpione, von denen der Mensch fast vollständig verbannt ist.

          Der Katamaran fährt auf eine weit verstreute Gruppe kleiner Inseln zu, von denen viele nichts weiter als Felsbrocken zu sein scheinen. Sie liegen genauso verloren auf einem Drittel des Wegs nach Mallorca, wie sie auf halbem Weg nach Afrika oder Amerika liegen könnten. Dabei sind sie ihrer Antithese, den Balearen, so nah. Das Schiff hält auf die größte der Columbretes zu, sie schwimmt auf dem Wasser wie ein gekrümmter Fisch, der mit der Schwanzflosse zum Schlag ausholt. Das Boot fährt um den breiten, hohen Kopf der Muräne, um das Nordende der Illa Grossa herum, und biegt in die weite Bucht ein, die der gebogene Körper des Raubfisches bildet. Jetzt ist zu erkennen, dass die Schwanzflosse in Eilande zerfleddert ist. Die Columbret Gran ist ein halber Kraterrand, gleichsam ein Croissant aus Lava.

          Der Katamaran gleitet langsam, vorsichtig durch das stille Wasser der Bucht, nähert sich wie auf Zehenspitzen dem Ufer. Der Kapitän ruft einem Mann an Land irgendetwas zu, dann steuert er zurück in die Mitte der Bucht und macht an einer Boje fest. Weder kann das Boot irgendwo anlegen, noch darf es in der Bucht ankern. Ein Schlauchboot wird aufgepumpt und zu Wasser gelassen, um das erste Kontingent von Passagieren zur Insel zu bringen. Es dürfen sich nur drei Gruppen von je zwanzig Personen gleichzeitig auf der Insel befinden. Ein halbes Dutzend Mal fährt das Schlauchboot hin und her, an einer in den Fels gehauenen Treppe werden die Gruppen von Führern in Empfang genommen. Nächster Einlass ins Gehege: anderthalb Stunden später.

          Strengste Spielregeln für den Menschen

          Unser Führer, Angestellter der Naturparkverwaltung, macht uns erst einmal mit den Spielregeln vertraut. Haustiere anlanden ist verboten, Pflanzen pflücken verboten, Tiere einfangen verboten, Steine auflesen verboten, übernachten verboten, essen verboten, Abfall zurücklassen verboten, rauchen verboten, nur Wasser trinken ist erlaubt. Man muss bei der Gruppe bleiben und darf den etwa einen Kilometer langen Weg nicht verlassen, den wir nun bis zum Leuchtturm gehen werden. Die andere Seite der Insel zu betreten ist nur mit Sondererlaubnis gestattet. Heilige Inquisition! Hab Erbarmen mit uns armen Kalorien-, Alkohol-, Drogen-, Bau- und Verkehrssündern, wir geloben bei allem, was uns heilig ist - sofern uns noch etwas heilig ist -, die Natur zu lieben wie uns selbst.

          Wir steigen auf den Rücken des Hörnchens. Erster Halt und erste Unterweisung: Die Columbretes bestehen aus zwanzig Inseln und Eilanden vulkanischen Ursprungs, die sich auf vier weit auseinanderliegende Gruppen verteilen und zum Teil nach berühmten spanischen Seefahrern benannt sind. Der Naturpark existiert seit 1988 und ist neunzehn Hektar groß, wovon allein die Illa Grossa vierzehn Hektar einnimmt. Alle anderen Inseln waren nie bewohnt und dürfen nicht betreten werden. Man kann an ihnen tauchen, die Genehmigung muss man zeitig beantragen oder aber sich einer der Tauchschulen anschließen, diese verfügen über Lizenzen. Die Anzahl der Taucher ist noch enger begrenzt als die der Landgänger, und die Boote dürfen vor den Inseln im Abstand von weniger als einer halben Meile nicht ankern, müssen vielmehr an Spezialbojen festmachen. Die Gewässer um die Inseln sind seit 1990 Seereservat.

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