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Vietnam : Schnelles Ende für ein langsames Gefährt

  • -Aktualisiert am

Die Rikscha soll aus Vietnams Straßenbild verschwinden Bild: dpa

In Vietnam gehören die Rikschas zum Straßenbild. Doch der Regierung des Landes sind die traditionellen Dreiräder zu langsam und zu sperrig.

          2 Min.

          Trotz seines hohen Alters könnte Pham Quang Giang das traurige Ende seines Berufsstands noch erleben. Der 98-Jährige ist wohl der älteste Vietnamese, der Tag für Tag in die Pedale einer Fahrrad-Rikscha tritt.

          Die vietnamesische Regierung aber vergibt seit vergangenem Jahr keine Lizenzen mehr für die Vehikel: Die Dreirad-Taxis, heißt es, seien zu langsam und versperrten den Autos und Motorrädern den Weg. Der breitschultrige Giang, der noch mit einem wuchtigen Handschlag begrüßt, machen solche Engstirnigkeiten zornig. „Es wäre eine große Schande, wenn die Rikschas verschwinden würden“, sagt er unter seinem zerzausten Haarschopf heraus. „Sie sind sauberer und wendiger als Autos oder Motorräder“.

          Immer öfter: "Rikschas verboten"

          Doch auch die noch verbliebenen 5.000 Rikschas sind den Verantwortlichen offensichtlich zuviel. An Straßeneinmündungen werden nach und nach Schilder mit der Aufschrift „Rikschas verboten“ montiert. Auch in der südlichen Wirtschaftsmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt, in dessen engen Gassen die Gefährte nur Platz für einen Passagier bieten, hat die Regierung ähnliche Maßnahmen eingeleitet. In den 50er Jahren haben die Fahrrad-Modelle die uralten, zu Fuß gezogenen Gefährte ersetzt. Viele Menschen im Land beobachten das Verschwinden der historischen Gefährte mit Wehmut.

          Das Ende der zweisitzigen Vehikel bringt zahlreiche ihrer Fahrer in Not. Der 45-jährige Phan Van An war vor sieben Jahren nach Hanoi gekommen, um sein Glück als Rikscha-Lenker zu machen. Seitdem holpert er halsbrecherisch durch Schlaglöcher und drückt den korrupten Polizisten Bußgelder für oft zweifelhafte Verstöße in die Hand. „Das Treten ist der leichteste Teil der Arbeit“, erklärt er. Schlimmer seien die vielen Verbotsschilder und die Konkurrenz der Taxis, mit der nur noch schwer mitzuhalten sei.

          Verdienst: 35 Dollar im Monat

          Von morgens neun Uhr bis Mitternacht strampelt An sich ab. Um die 35 Dollar im Monat springen dabei heraus - nicht viel, aber genug zum Überleben und um das Bett im Schlafsaal mit den anderen Rikscha-Lenkern zu finanzieren. Zurück aufs Land, wo es gar keine Arbeit gibt, will er auf keinen Fall. Wie die meisten seiner Kollegen ist er aber flexibel. Eintrittskarten verkaufen oder Schuhe polieren - andere Berufe seien auch in Ordnung, sagt er. „Wir Vietnamesen sind anders gestrickt als die Europäer“, meint er stolz. „Wir sind stark genug, uns schnell mit einem anderen Job zu arrangieren“.

          Pham Quang Giang braucht sich zumindest keine Sorgen über die Zukunft zu machen. Seine 16 Kinder würden sicher für ihn sorgen, ist er sicher. Für den Mann, der geboren wurde, als europäische Kolonialherren in cremefarbenen Tropenanzügen über die schattigen Alleen Hanois flanierten, ist das Rikscha-Ziehen jedoch eine Leidenschaft. Seine Frau sieht das anders und hält ihren Gatten schlichtweg für zu alt für den Beruf. „Sie wollte die Rikscha schon ein paar Mal verkaufen“, erzählt er. „Aber ich habe sie jedesmal rechtzeitig zurückgeholt.“

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