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Ein silberner Jesus für jedes Grab: So wünschte es sich Josef Fuchs, der den Friedhof in Wien einst betreut hat. Bild: Karl Mühlberger

Wiener Friedhof der Namenlosen : Alle, die sich hier gesellen, trieb Verzweiflung in die Wellen

  • -Aktualisiert am

Am Wiener Friedhof der Namenlosen wurden die Menschen begraben, die in der Donau umgekommen sind: Lebensmüde, aber auch Opfer von Unglücken und Verbrechen.

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          Die wahren Friedhofsenthusiasten kommen in der Abenddämmerung des ersten Sonntags nach Allerheiligen, wenn sich eine Gruppe nekrophil oder besonders empathisch veranlagter Menschen beim Alberner Hafen versammelt. Gemeinsam schleifen sie ein unbemanntes, mit Blumen und Gestecken geschmücktes Boot ans Ufer der Donau, entzünden Kerzen und lassen es vom Stapel, in Erinnerung an alle, die im Fluss ertrunken sind. Ein hell erleuchtetes Floß auf großer Fahrt, mit dem Ziel Schwarzes Meer. Sofern es nicht vorher irgendwo strandet.

          Eine Form des Totengedenkens im Schatten eines ungewöhnlichen Gräberfelds. Am Friedhof der Namenlosen in den östlichen Ausläufern von Wien sind Lebensmüde neben Opfern von Unglücken und Verbrechen beerdigt, hundertvier Verstorbene in hundertzwei Särgen. In den Novemberwochen, wenn der Nebel über den Dächern hängt und die Melancholie zu Spaziergängen in die Einsamkeit aufruft, brennen dort die Lichter bis in die Nacht. Auch heuer wieder, da Corona das Ablegen des Kahns vor Publikum verhindert hat: nur kein Massenauflauf, sind die Direktiven aus dem Rathaus. Den Ausflug zu den Namenlosen freilich können die Vorschriften nicht verhindern. Im Herbst sind die Toten kaum je allein.

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