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Eine Kreuzfahrt mit der „Queen Elizabeth“ : Im Zeichen der Krone

  • -Aktualisiert am

Der Stolz der Sieben Weltmeere: die „Queen Elizabeth“ in voller Fahrt. Bild: Steve Dunlop

Very british: Auf dem Kreuzfahrtschiff „Queen Elizabeth“ durchquert man nicht nur das Mittelmeer, es ist auch eine Reise mit viel Nostalgie ins alte England.

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          Die alte Dame ist entsetzt. Sie umklammert die kleine Reisetasche auf ihrem Schoß. Ihre Handtasche hängt neben einem Plastikeinkaufstäschchen am Haltegriff ihres Rollstuhls, den ein Flughafenmitarbeiter zum Abfluggate geschoben hat, wo sie jetzt, vielleicht achtzig, vielleicht auch älter, in doch recht fassungslosem Französisch darum kämpft, diese ihre Taschen mit sich und ihrem Rollstuhl und ihren achtzig Jahren an Bord des wartenden Airbus A319 von Paris-Orly nach Athen nehmen zu dürfen. Aber da könnte ja jeder kommen. „Nur ein Handgepäckstück“, wiederholt die Stewardess eisig, „nur ein Handgepäckstück.“ Die alte Dame, die wahrscheinlich schon die Okkupation überstanden hat, wagt es nun, sich und ihre Situation zu erklären, was die Easyjet-Mitarbeiterinnen nur noch mehr erbost, denn wo, bitte, kommen wir hin, wenn wir eine gehbehinderte Greisin eine zusätzliche Handtasche an Bord unseres Billigfliegers bringen lassen. Ja, wohin?

          Fliegen, der alte Traum des Menschen, ist zu einem Albtraum geworden. So gesehen hätte die Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht besser beginnen können als mit einem Billigflug von Paris nach Athen. Man fliegt, weil man muss, aber man geht auf ein Kreuzfahrtschiff, weil man es kann. Ziel und Weg fallen in eins. In meinem Fall ist es das östliche Mittelmeer an Bord der „Queen Elizabeth“, Nachfolgerin des über lange Jahre einzigen noch regelmäßig verkehrenden Ocean-Liners, der „Queen Elizabeth 2“, kurz „Q. E. 2“ genannt. Diese Rolle hat ab 2003 die „Queen Mary 2“ übernommen, die noch größer ist. Die neue „Elizabeth“ ist das jüngste von drei Schiffen der Cunard-Reederei, die die Grandezza der alten Zeit in eine neue Kreuzfahrtära hinüberretten will.

          Der Stewart weiß immer Antwort

          Um an Bord zu kommen, muss ich die „Q. E.“ aber erst mal finden. Im Hafen von Piräus liegen jede Menge Kreuzfahrtschiffe, und der Taxifahrer versteht kein Englisch. Die weißen Kolosse, gleich schwimmenden Ferienanlagen, sieht man schon von weitem aus den schäbigen Häuserzeilen des Hafenviertels ragen; wie aber erkläre ich dem Mann, dass man Cunard-Schiffe immer an ihren mitternachtsblauen Rümpfen und den roten Schornsteinen erkennt? Auf der Suche nach etwas Rotem deute ich auf den Knopf der Warnblinkanlage und sage „Rot“ in drei Sprachen, mit dem Ergebnis, dass wir bald mit eingeschalteter Warnblinkanlage durch Piräus kurven.

          Gediegene Eleganz ganz ohne Schnickschnack und Chichi: die Treppenhäuser der „Queen Elizabeth“. Bilderstrecke

          Wir schaffen es dann doch noch zum richtigen Terminal. Ganz wie am Flughafen muss man auch hier durch eine Sicherheitskontrolle, und wie am Flughafen besteht ein modernes Kreuzfahrtterminal vor allem aus Duty-Free-Shops. Danach aber wird endlich alles anders. Nach dem Abgleichen meines Passes mit der Passagierliste kommt eine weiß uniformierte Dame die Gangway heruntergelaufen und führt mich auf meine Kabine. Falls ich irgendetwas benötige, solle ich mich an den Stewart wenden, der für mich zuständig ist. Sein Name ist Willie, sagt sie, und man kann ihn nach allem fragen, er weiß immer Antwort.

          Im Ballsaal fechten maskierte Menschen

          Mit einem satten Klack schließt sich die Tür. Das Bett ist sehr breit und sehr einladend, im Sektkühler schmilzt das Eis an einer Demi Bouteille Crémant, und wenn man auf den Balkon tritt, sieht man seine Nachbarn vom Schiff gegenüber in der Sonne sitzen. Noch acht Stunden bis zum Abendessen. Zeit, das Schiff zu erkunden. Es ist eine geradezu kindliche Entdeckerlust, mit der man in den ersten Stunden an Bord über die zwölf Decks des 300-Meter-Schiffes streift, vorbei an den beiden Pools, den Shuffleboard-Spielern und den Holzplankentennisfreunden, durch das riesige Buffetrestaurant „Lido“, wo man sich rund um die Uhr mit Gurkensandwiches und Kaffee versorgen kann, vorbei auch am Cunard-Museum mit den Memorabilia aus 170 Jahren Passagierschifffahrt und am rustikal vertäfelten „Golden Lion Pub“, wo man jederzeit ein gezapftes Pale Ale trinken kann. Im zweistöckigen Ballsaal übt eine Gruppe Maskierter das Fechten, wenn sie fertig sind, ist die Rumbagruppe dran. Im Card Room wird das Nicht-Angelsachsen vollkommen unverständliche Bridge gespielt, das bordeigene Casino und die kleinen zollfreien Läden auf der „Queens Arcade“ dürfen erst auf See öffnen. Auch die schöne, mit dunklem Holz verkleidete Bibliothek ist während der Liegezeit unbesetzt, man kann im Moment deshalb kein Buch ausleihen, wohl aber in den (englischen) Zeitungen blättern oder auf dem Globus den eigenen Standort bestimmen und mit dem Finger schon einmal die Route abfahren, die die „Queen Elizabeth“ in den kommenden Tagen nehmen wird: von Athen ins Ionische Meer und nach Korfu, dann die Adria hinauf mit Abstechern in Dubrovnik und Ravenna und dem Lieblingsopfer der Kreuzfahrtindustrie als Endpunkt: Venedig.

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