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Vergnügungsorte (2): Museo Chicote in Madrid : Der Mann, der nein zu Sophia Loren sagte

Ewiger Ruhm: Seit 1931 zieht das Museo Chicote an der Gran Vía die Schönen, Berühmten und namenlosen Nachtschwärmer an. Bild: Archiv

Das Museo Chicote ist die Mutter aller Madrider Cocktailbars. Am Tresen standen Grace Kelly, Ava Gardner, Liz Taylor, Ernest Hemingway. Und Pedro Almodóvar feiert bis heute seine Premierenpartys hier. Doch wohin geht man danach, wenn man lieber Gegenwart statt großer Geschichte will?

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          Das Ausgehen ist in Spanien keine große Sache. Jeder geht aus, wenn er nicht gerade zu Hause ist. Die eigene Wohnung ist nicht nur der intime Raum, den man wenigen zeigt, sie scheint auch eine gewisse Langeweile zu verströmen. Das Restaurant und die Bar werden dadurch zum erweiterten Wohnzimmer. Das sollte man über die spanische Ausgehsoziologie wissen, um zu verstehen, wieso es in den Straßen auch tief nachts noch so voll ist und warum man auf dem Paseo de la Castellana in Madrid morgens um vier in einen Stau geraten kann. Außerdem ist es laut, ein Dauergespräch als konstantes fröhliches Lärmen. Einer älteren Studie zufolge sind die Spanier das lauteste Volk Europas, aber auch das langlebigste. Phantasieren wir also etwas über den Zusammenhang von seelischer Gesundheit und ungehemmtem Brabbeln, wie er sich auch in der "Bar de copas" zeigt, dem traditionellen Treffpunkt für die Zeit zwischen neun Uhr abends und drei Uhr morgens.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Das Museo Chicote ist die Mutter aller Madrider "Bares de copas", nicht nur aufgrund von Alter und Tradition, sondern weil diese Institution im Art-Déco-Stil an der Gran Vía Nummer 12 den Madrider Geschmack für Drinks revolutioniert hat. Denn bis Perico Chicote kam, trank man härtere Sachen eher im spanischen Stil - Brandy, Liköre, Whisky, Cognac. Danach, von den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts an, entfaltete sich das glitzernde Reich der Cocktails und Mixgetränke, deren Namen die Leute weder buchstabieren noch aussprechen konnten. Doch dafür waren andere zuständig.

          Legendäre Sammlung feiner Alkoholika

          Perico Chicote, der sein Handwerk mit siebzehn Jahren im Madrider Hotel Ritz gelernt hatte, arbeitete schon im Rifkrieg im Fach: Er stieg zum Küchenchef der spanischen Streitkräfte in Nordafrika auf, und als er wieder nach Hause kam, lernte er weiter im Hotel Savoy, bevor er 1931 seine eigene Bar im Theater- und Ausgehviertel Madrids eröffnete. Früh legte er den Grundstein für seine legendäre Sammlung feiner Alkoholika, die am Ende zwanzigtausend Flaschen umfasste, so dass er in den vierziger Jahren in seiner Bar das Museo Chicote eröffnen konnte. Manche seiner Lebensepisoden sind von Legenden umrankt, etwa der, dass er niemals eine Flasche aus seiner Sammlung verschenkt haben soll außer einem Whisky, den Alexander Fleming, der Erfinder des Penicillins, in seinen Oxforder Studententagen getrunken hatte und nun in Madrid wiedersah: Chicote ließ sich erweichen und gab das alte Stück ab. Später muss er seine Großzügigkeit bereut haben, denn als Sophia Loren mit Cary Grant in seiner Bar auftauchte und um eine Porzellanflasche bat, die ihrem Gesicht nachgebildet war, blieb Chicote hart. So verwandelte er sich in den Mann, der zu Sophia Loren nein gesagt hatte.

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