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Venedig im Winter : Die erlesene Stadt

  • -Aktualisiert am

Die Serenissima, stets Spiegel ihrer selbst: Gondeln in einem der kleineren Kanäle. Bild: Stefan Nink

Es heißt, über Venedig sei bereits alles geschrieben worden, einschließlich dieses Satzes. Was macht man da als Autor? Man packt einen Stapel Bücher ins Gepäck und liest vor Ort.

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          „Venedig kann sehr kalt sein.“ Selbst im Dezember schon. Drei, vier Grad über null, ein eisiger Wind kommt über die Lagune gezogen, die Tauben hocken aufgeplustert auf den Simsen, nachts wird Salz auf die Brücken gestreut, damit die Passanten frühmorgens nicht ins Rutschen kommen. Patricia High­smiths Kriminalroman handelt ja eher vom zwischenmenschlichen Frost, spielt aber auch in jenen Wochen im frühen Winter, in denen Venedig schon immer so viel leerer und so viel stiller war als sonst. In diesem zweiten Corona-Winter kehren die Besucher all­mählich zurück in die Gebeutelte. Die Asiaten fehlen noch, die Kreuzfahrer auch, die Russen aber sind da und die Amerikaner und die Deutschen. Und alle gehen sie. Kreuz und quer durch die Stadt, Kilometer um Kilometer, morgens gehen sie und mittags und abends, als müsse man das unbedingt, als gehe nichts anderes als Gehen. Auch High­smiths Roman – der im Original Those who walk away heißt – handelt von beinahe zwanghaften Fußmärschen und Wanderungen durch Venedig. Es ist, als wollten ihre Figuren durch jede noch so abgelegene Gasse der Stadt gehastet sein – und zugleich vor allem weglaufen, was ihr Leben bislang bestimmte. Vielleicht ist das typisch für Venedig-Besucher. Vielleicht sind wir alle so. Wenigstens für ein paar Tage.

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