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Tolle Tage in Valencia : Glühende Teufel und barbusige Kleopatras

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Veranden erbeben, Gläser tanzen

Noch lauter geht es vom 1. bis zum 19. März auf dem Rathausplatz zu. Denn dann versetzt jeden Mittag die Mascletá das Publikum in Entzücken. 270 Kilo Schwarzpulver werden in kleine und größere Portionen gepackt und auf einem abgesperrten Areal nach einem präzise ausgetüftelten Plan aufgehängt. Ein paar Minuten vor 14 Uhr tönt wieder Musik aus den Lautsprechern – „Valencia“, der Pasodoble –, wieder stehen die Menschen auf dem Platz und in den angrenzenden Straßen dicht an dicht.

Dann startet die akustische Choreographie, eine Folter für empfindliche Ohren, ein Höllenspaß für alle anderen. Es beginnt mit hellem Knattern, bald untermalt von dumpfem Wummern, steigert sich zu einem Crescendo aus bellenden Schlägen und pfeifenden Krachern, ein paar zischende Heuler liefern Obertöne. Und schon vereinigen sich die einzelnen Elemente zu einer Symphonie mit begrenztem Tonumfang, aber erkennbarem Rhythmus, und gipfeln nach zehn Minuten in einem sich überschlagenden, akustischen Weltuntergang, der Veranden erbeben und Gläser auf den Tischen tanzen lässt. Die donnernden Kaskaden hauen Fausthiebe in den Magen, hämmern Nägel in die Ohren und bringen das Zwerchfell zum Tanzen wie eine Trommelhaut.

Es darf gerne auch aktuell und politisch sein: Trump-Putin-Falla, die in diesem Jahr ihre Runde durch die Straßen drehen wird.
Es darf gerne auch aktuell und politisch sein: Trump-Putin-Falla, die in diesem Jahr ihre Runde durch die Straßen drehen wird. : Bild: EPA

Als der letzte Kanonenschlag verklungen ist, regnen Papierstücke herunter, es riecht streng und würzig nach Schießpulver, und die Welt versinkt in nebligem Grau. Dann bricht die Menge in tosenden Beifall aus, die Feuerwerker ziehen winkend ab durch ein Spalier jubelnder Menschen – sie sind die Stars der Stunde, und das an jedem Tag.

Der Nachschub reißt zwei Nachmittage lang nicht ab

Jeder Abschnitt der Fallas hat seine eigenen Helden, unzählige Spezialisten tragen zum Gelingen bei: Zimmerleute, Gerüstebauer, Müllmänner, Schneiderinnen, Polizisten, Musikerinnen. Auch Blumenhändler und Floristinnen sind am Fest beteiligt und profitieren gleichzeitig davon. Ihre Leistungsschau ist die Ofrenda, das Blumenopfer für die Virgen de Los Desamparados, für Maria, die Patronin der Schutzlosen. Mehr als hunderttausend Falleros und Falleras, Männer, Frauen und Kinder, ziehen am 18. und 19. März aus verschiedenen Richtungen zur Plaza de la Virgen. Die Prozession ist Fürbitte und Modenschau zugleich. Die Damen tragen schwere Brokatkleider in Granatapfelrot, Meerblau und Cremegelb mit goldenen Applikationen, dazu schwarze Schleier oder weiße Tücher mit Spitzen um die Schultern. Perlen, schwarze Bänder und Silbergeschmeide schmücken die Hälse, eine reichverzierte Schärpe zeigt das Logo der Comisión, goldene Kämme halten die Haare, die zu Schnecken gedreht sind. Zwischen drei- und fünftausend Euro kostet ein solches Kleid. Und mit der einmaligen Anschaffung ist es nicht getan. Jedes Jahr kommen neue Täschchen, Broschen, Haarnadeln und ähnliche Accessoires hinzu, die zeigen, dass man es sich leisten kann, mit der Mode zu gehen. Die Männer kommen in knielangen, schwarzen Hosen, maisgelben Jäckchen, Leibbinde oder Kopftuch daher – oder auch mit ganz anderen traditionellen Anklängen, Hauptsache, elegant.

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