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Usbekistan : Taschkent - ein sozialistisches Architekturmuseum

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Reich verzierte Gebäude in Taschkent Bild: SRT / Christian Nowak

Als 1966 ein Erdbeben die Stadt in Schutt und Asche legte, verschwand auch das orientalisch anmutende Stadtbild.

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          Am 26. April 1966 und in den Tagen danach erschütterten mehr als tausend Erdstöße die usbekische Hauptstadt Taschkent. Sie legten große Teile der Stadt in Schutt und Asche. Diese Verwüstungen bedeuteten das unwiderrufliche Ende der orientalischen, türkisch geprägten Altstadt mit ihren verschachtelten Lehmhäusern. Denn in den Jahren nach dem Beben wurden das Stadtzentrum und ganze Satellitenstädte nach sowjetischem Vorbild komplett neu aufgebaut.

          Noch heute wirkt die Zwei-Millionen-Stadt Taschkent deshalb wie ein riesiges sozialistisches Architekturmuseum. Langweilige, phantasielose Plattenbauten säumen schnurgerade, sechs- und achtspurige Strassen. Nur noch wenige Baudenkmäler aus dem islamisch geprägten Mittelalter verstecken sich zwischen den Betonbauten der Sowjet-Ära.

          Selbst die Rush-Hour ist eine gemütliche

          Die meisten Straßen sind überdimensioniert, die paar alten Ladas und winzigen Daewoos rollen reichlich verloren über die breiten Asphaltbänder. Wohl jede andere Millionenstadt wäre froh über so viel Platz und die gemütliche Rush-hour, doch Taschkent wirkt irgendwie kraftlos. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass das moderne Taschkent nicht zu den Vorstellungen passt, die man von Zentralasien hat.

          Dabei hat die usbekische Hauptstadt durchaus positive, sehenswerte Seiten. Auffallend sauber und grün präsentiert sich das Zentrum. Alleen spenden Schatten, ein Segen in der unerträglichen Sommerhitze, und unzählige Springbrunnen plätschern in den Parks. Sozialistisch modern ist der riesige Platz der Völkerfreundschaft: mit Marmorpalast, gewaltigen Heldendenkmälern und dem Parlament, das mit seiner blauen Kuppel einer Moschee nachempfundenen wurde. Intimer ist der Theaterplatz mit seinem kleinen Freiluftcafé, den Buchhändlern und dem obligatorischen Springbrunnen.

          Kleinode, die das Erbeben verschonte, bewahren die alte Kultur

          Wer das Taschkent vergangener Zeiten sucht, der muss schon genauer hinschauen. Aber es gibt sie noch, die Altstadt mit ihren engen Gassen und den flachen Häusern aus Lehm. Ärmlich sehen die fensterlosen Behausungen aus. Doch hinter den hohen Mauern verbergen sich oft geräumige, schattige Innenhöfe. Vom Erdbeben verschont blieben auch einige Kleinodien wie die Medrese Barak Khan, ein islamische Koranschule, und das kleine Mausoleum Kaffal Schaschi aus dem 16. Jahrhundert.

          Nur ein paar Schritte weiter befindet sich der orientalische Basar, der aus allen Nähten platzt. Die riesige runde Halle mit der blauen Kuppel ist viel zu klein für die unglaubliche Warenfülle. Hier wird alles bergeweise angeboten: getrocknete Aprikosen, Nüsse, Rosinen, Obst, Gemüse, Gewürze, kleine scharfe Schafskäsekügelchen. Usbeken, Tadschiken, Kirgisen, Turkmenen und Russen sorgen für ein unauflösbares Menschenknäuel.

          Die Innenstadt protzt mit Glas und High-Tech

          Ein Stück weiter, am schnurgeraden Amir Temur Boulevard, folgt das Kontrastprogramm. Die Kulisse aus supermodernen Hochhäusern mit verspiegelten Glasfassaden, himmelhoch und protzig aufragend, könnte auch in New York stehen. Mittendrin ragt das Hotel Interkontinental auf, wo das Zimmer pro Nacht mehr kostet, als viele Usbeken in einem Monat verdienen. "Shopping Center" und "International Business Centre" sollen den Fortschritt in die usbekische Hauptstadt bringen. Noch wirkt das ganze Areal allerdings ziemlich tot und wie ein Fremdkörper in der Stadt.

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