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Usbekistan : Ein Land mit vielen Helden

Die Dämmerung bricht an in Samarkand, und der Registan versinkt in Pastelltönen. Bild: Markus Kirchgessner

Moscheen, Medresen, Mausoleen: Das märchenschöne Usbekistan öffnet sich dem Tourismus, springt mit seiner Geschichte aber nicht gerade sanft um.

          12 Min.

          Beginnen wir mit Gur Emir. Gur Emir ist eine Begräbnisstätte. Sie liegt in Samarkand, jener Stadt im Südosten Usbekistans, die für viele die schönste Stadt des Erdballs ist. Man könne durch die ganze Welt reisen, das Lächeln der Sphinx bewundern, ehrfurchtsvoll vor dem Parthenon knien und entzückt sein von Notre-Dame in Paris, sagen ihre Verehrer: Aber wenn du einmal Samarkand gesehen hast, wirst du immer von seiner Magie verzaubert sein.

          Rainer Hank
          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An diesem Sommertag, als wir Samarkand besuchen, ist es mit knapp vierzig Grad zu heiß dafür, verzaubert zu werden. Zudem ist das moderne Samarkand mit seinen übergroßen Boulevards, seiner spätzaristischen, spätstalinistischen und spätmodernen Architektur insgesamt zu unübersichtlich für orientalische Magie. Aber drinnen in Gur Emir, dem Mausoleum, werden wir dann doch überwältigt: von der Intensität der Farben Blau und Gold in dem von einer phänomenalen Kuppel überwölbten quadratischen Innenraum. „Allah allein ist ewig“ steht auf den Majolika-Fliesen, die über dem Eingang der Grabstätte prangen.

          Fast so ewig wie Allah ist auch Amir Timur, der von 1336 bis 1405 gelebt hat und hier in Gur Emir unter einer schweren Platte aus Nephrit liegt. Dem Grabstein, so erzählt unser Führer, ist ein Fluch eingraviert: „Jeder, der meine Ruhe in diesem oder einem anderen Leben stört, wird dem Leiden unterzogen und stirbt.“

          Hierzulande ist dieser Amir Timur – falls überhaupt – besser bekannt unter dem Namen Tamerlan. Historiker stellen ihn in eine Reihe mit Alexander dem Großen – dem Begründer eines bis nach Indien reichenden Weltreiches – oder mit Dschingis Khan, dem grausamen Mongolenherrscher, der ein Jahrhundert vor Timur halb Zentralasien zerstörte und unterjochte. Timur steht Dschingis Khan weder in Größenwahn noch Zerstörungswut nach, in puncto Grausamkeit übertrifft er ihn sogar.

          Von Konstantinopel bis Delhi

          Timur hat uns auf unserer Reise durch Usbekistan nicht losgelassen. Anfangs in Taschkent haben wir nur wenig Notiz von ihm genommen. Doch dann wurde der kleine Mann plötzlich allgegenwärtig. Zorn oder Scham angesichts seines körperlichen Makels – ein gelähmtes rechtes Bein und eine Verwachsung an der rechten Schulter – müssen ihn sehr in Rage versetzt haben. Er wollte Rache nehmen an allen, denen Allah körperliche Unversehrtheit geschenkt hatte. In seinen erfolgreichsten Zeiten beherrschte Timur ein Reich von Konstantinopel weit im Westen bis Delhi im Osten. Seine „goldenen Horden“ wüteten mit größter Lust. Bei der Eroberung von Isfahan in Persien zeugten 28 Schädeltürme von 70.000 Bürgern, die im Namen Timurs niedergemetzelt worden waren.

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