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Usbekistan : Ein Land mit vielen Helden

Um in der Welt besser dazustehen, hat man inzwischen sogar die monopolistisch-monomane Heldenverehrung Amir Timurs gelockert in Richtung einer Multikulti-Heldenvielfalt: In Samarkand steht seit neuestem auch eine Statue von Konfuzius, rechtzeitig vor einem wichtigen Treffen der sogenannten Shanghai-Union im kommenden Jahr, einem unter chinesischer Führung gegründeten wirtschaftlichen Zusammenschluss zentral- und ostasiatischer Länder. Wer weiß: China hat ja nun die Initiative einer neuen Seidenstraße ausgerufen und bietet den Ländern großzügige Kreditfinanzierung für die nötigen Infrastrukturprojekte an. Usbekistan gibt sich, anders als viele Nachbarländer, bislang noch etwas spröde, auch aus der Sorge, am Ende dauerhaft in Abhängigkeit von China zu geraten. Aber verderben will man es sich mit dem Reich der Mitte auch nicht, das inzwischen Russland als wichtigstes Exportziel abgelöst hat.

Konfuzius ist der neue Held in Samarkand. In Taschkent steht seit kurzem ein Denkmal Johann Wolfgang von Goethes – rechtzeitig errichtet vor einem Staatsbesuch des deutschen Bundespräsidenten. Verbreiterung der Heldenbasis könnte man das nennen, als Zeichen eines neuen Pragmatismus im Interesse internationaler Anerkennung. Goethe allerdings hat sehr zu Recht einen Platz in Taschkent gefunden. In seinem „West-östlichen Divan“ gibt es das „Buch Timur“ – das freilich nur zwei Gedichte enthält. Goethe war Timur, der grausame Mann, vertraut. Er vergleicht ihn mit Napoleon: Wie dessen Russlandfeldzug im Winter 1812/13 scheiterte, so scheiterte auch Timurs Größenwahn im extrem kalten Februar 1405 und damit sein Plan, sich die chinesische Ming-Dynastie zu unterwerfen. Timur, der greise Held, konnte am Ende nicht mehr, verstarb noch in Kasachstan, der Legende nach an übermäßigem Alkoholgenuss. Andere Quellen sprechen von einer Lungenentzündung. Es ist der Winter Asiens selbst, der in Goethes Gedicht spricht. Dieser Winter vermag noch die grausamsten Helden der Weltgeschichte in die Knie zu zwingen. „Nicht, o Greis, verteid’gen soll dich / Breite Kohlenglut vom Herde, / Keine Flamme des Decembers.“ Der Sommer wird glühend heiß, der Winter aber eiseskalt, das muss man wissen.

Es traf sich, dass Anfang des Jahres 1405 in Samarkand das Mausoleum für Timur bereits vollendet war und man den Leichnam dort bestatten konnte. Sowjetische Wissenschaftler haben Timurs Grab am 19. Juni 1941, kurz vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni, geöffnet und seine Identität nachgewiesen. Die Menschen aber erinnerten sich an den bösen Fluch auf dem Grab, wer die Platte öffne, müsse sterben, und gaben der Grabesöffnung die Mitschuld am Kriegsausbruch. Dass Timur Anfang 1942 in seinem Mausoleum wieder seine Ruhe fand, gilt im Volksglauben konsequenterweise als Indiz für die zum sowjetischen Sieg führende Kriegswende in der Schlacht bei Stalingrad, in der ein anderer Despot dem gnadenlosen Winter unterlag. Und so endet dieser Reisebericht aus Usbekistan da, wo er begonnen hat: in Gur Emir, dem Mausoleum von Amir Timur in der Märchenstadt Samarkand.

Der Weg nach Usbekistan

Anreise Usbekistan Airlines fliegt dreimal die Woche (Montag, Donnerstag und Samstag) direkt von Frankfurt nach Taschkent, im Winter (November bis März) nur montags und donnerstags. Preise ab ca. 560 Euro; Flugzeit etwa sechs Stunden; mehr unter uzbekistan-airlines.de

Einreise Deutsche Touristen können seit 15. Januar 2019 visumfrei für 30 Tage nach Usbekistan einreisen.

Rundreisen Neben anderen Veranstaltern hat China Tours verschiedene Usbekistan-Reisen im Programm, z.B. „Höhepunkte der Seidenstraße“ (11 Tage, ab 1599 Euro), „Perle der Seidenstraße“ (15 Tage, ab 1749 Euro) und die Kombireise „China, Kirgistan, Usbekistan – Seidenstraße komplett“ (23 Tage, ab 3959 Euro). Mehr unter chinatours.de

Beste Reisezeit ist von März bis Anfang Juni (im Juli wird es bis zu 40 Grad warm) und Ende August bis Oktober.

Umtauschkurs Für einen Euro erhält man circa 10.000 Usbekische Sum.

Literatur Bodo und Irina Thöns: „Usbekistan: Entlang der Seidenstraße nach Taschkent, Samarkand, Buchara und Chiwa“, Trescher-Verlag, 2019, 500 Seiten, 21,95 Euro

Weitere Informationen auf der offiziellen Internetseite: uzbekistan.travel (englisch). Mehr zur aktuellen Sicherheitslage unter auswaertiges-amt.de

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