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Usbekistan : Ein Land mit vielen Helden

Das zumindest ist eine These, die der britische Reiseschriftsteller Tim Mackintosh-Smith in seinem schönen, kürzlich erschienenen Buch „Arabs. A 3000-Year History of Peoples, Tribes and Empires“ vertritt. Solch eine einheitsstiftende Religion wie den Islam hatten Römer und Briten gerade nicht. Lediglich die kommunistische Ideologie war wohl so etwas wie ein Religionsersatz. Aber womöglich ist der Jenseitsglaube, anders als die aufgeklärte Religionskritik meinte, letztlich haltbarer als der Diesseitsglaube, der – wie im Falle des Sowjetkommunismus – schon rein ökonomisch im Vergleich mit dem Kapitalismus der empirischen Falsifizierung unterlag. Wer hätte es dagegen jemals schon vermocht, den Glauben an das Paradies zu falsifizieren, dessen Vorgeschmack eben zum Beispiel in der Bibixonim-Moschee in Samarkand gespürt werden kann?

Dass sich daraus auch touristisch Kapital schlagen lässt, hat Usbekistan erkannt. In noch größerem Stil als bisher schon will das Land jetzt mit dem muslimischen Pfund wuchern. Seit dem Regierungswechsel und der Ablösung von Präsident Karimow im Jahr 2016 durch den vormaligen Premierminister Schawkat Mirsijojew spricht man in Usbekistan von Tauwetter. Tatsächlich geht es um den Prozess vorsichtiger, staatlich verordneter Liberalisierung. Das schlechte Image aus der Zeit Karimows soll durch eine internationale Charme-Offensive zum Guten gewendet werden. Man wirbt um Investoren aus dem Ausland, verspricht Subventionen, wenn internationale Hotelketten sich niederlassen. Handelshürden wurden abgebaut, die Währung hat man mit einer schmerzhaften Abwertung stabilisiert. Mehr Transparenz und Rechtsstaatlichkeit verspricht die Regierung zwar, aber nach Ansicht vieler Beobachter ist es damit noch nicht sehr weit her. Das Ziel heißt: „unser Volk reich machen“. Das ist tatsächlich aller Anstrengung wert. Das Prokopfeinkommen des Landes liegt kaufkraftbereinigt bei 8000 Dollar. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 46 000 Dollar und auch eine Reihe der Nachbarländer Usbekistans stehen besser da.

Die wichtigste Erleichterung für die Reisenden besteht darin, dass seit Anfang des Jahres die Visumpflicht bei einem Aufenthalt von bis zu 30 Tagen weggefallen ist. Die Grenzformalitäten sind dadurch unbürokratisch geworden. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Touristen aus Deutschland auf – bescheidene – 18 000 mehr als verdoppelt. In diesem Jahr soll sich diese Zahl abermals verdoppeln. Man darf nun auch (fast) überall ungehindert fotografieren.

Die Moscheen, Medresen und Mausoleen, aufwendig herausgeputzt, leuchten in den schönsten Farben. Um sie herum werden Hotels aller Klassen aus dem Boden gestampft. Die Touristenstädte gleichen derzeit einer einzigen großen Baustelle. Stolz ist man auf die vielen Orte, die ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen wurden. Selbst das Nationalgericht Plow – ein hierzulande als Pilaw bekanntes wohlschmeckendes Reisfleisch mit gelben Rüben und Rosinen – wurde inzwischen zum Weltkulturerbe erklärt.

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