https://www.faz.net/-gxh-7r9ub

Radfahren in Yorkshire : Vélocité britannique!

  • -Aktualisiert am

Keine Hitze, keine Berge: Yorkshire hat nichts, was die Tour de France unangenehm macht Bild: picture alliance / Robert Hardin

Frankreich ist nicht genug: In diesem Jahr startet die Tour de France in England, genauer im nordenglischen Yorkshire. Dort gibt es für Gemütlichfahrer einiges zu entdecken - viel Süßes und Skurriles.

          5 Min.

          Vor dem Rathaus von Skipton haben sich die Rentner bereits aufgestellt, als würden sie vor dem Frühjahrsausverkauf auf den vordersten Plätzen ausharren. Auch am Rathaus hängen schon die Wimpelketten aus kleinen Gelben Trikots und Union Jack. Dabei hat die Tour de France zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht begonnen. Der Einzige, der an den Rentnern vorbeiradelt, bin ich. Immerhin habe ich es eilig.

          Die Vorfreude scheint groß, dass die Tour 2014 in England startet. Oder genauer (auf den Unterschied legt man in der Gegend wert): in Yorkshire. In den Schaufenstern stehen Räder, mitunter sogar gestrickte. Ein überdimensionales gelbes Holzrad hängt sogar an der anglikanischen Kirche. Und an den Turm haben sie ein Gelbes Trikot gehängt, so groß, dass Lance Armstrongs Ego reinpassen würde.

          Nichts, was die Tour unangenehm macht

          Doch ich habe meine eigene Tour de Force vor mir. Ich muss nach Pateley Bridge und habe nur noch zwei Stunden, bis um 17 Uhr der älteste Süßigkeitenladen der Welt schließt. Nicht für immer, versteht sich. Das wäre zu tragisch nach 187 Jahren Betrieb. Nur für heute. Aber ich will unbedingt hin. Also biege ich in die Hügelchen von Yorkshire ein, vor mir mein ganz eigenes Zeitfahren um eine süße Trophäe.

          Die Tour de France in England zu starten ist in etwa so absurd wie Lachsfischen im Jemen. Oder eine Fußballweltmeisterschaft in Qatar. So wie Qatar nichts hat, was Fußball angenehm macht (namentlich Gras und ein mildes Klima), hat England nichts, was die Tour de France unangenehm macht (Hitze und Berge). Trotzdem hat es eine gewisse Richtigkeit. Die Tour startet öfters in Nachbarländern, wenn auch normalerweise solchen, die mit dem Fahrrad erreichbar sind. Doch seit etwa zehn Jahren erlebt Großbritannien einen Fahrradboom. „Der Wachstums-Tornado braute sich im frühen 21. Jahrhundert zusammen, als die drei Winde Rezession, Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein kollidierten“, schreibt Ned Boulting in seinem Buch „On the Road Bike: The Search For a Nation’s Cycling Soul“. Und dann gewann auch noch Bradley Wiggins die Tour de France. Perfekter Sturm.

          Die Stadt auf einer Quelle stinkenden Wassers

          Die Landschaft hier ist wie ein Quilt. Wild zusammengenähte Felder in unzähligen Schattierungen von Grün. Darauf verteilt: Schafe. Die Temperaturen sind etwas kühl. Es heißt, dass das Wetter im Norden nicht schlechter sei. Es gebe einfach „mehr Wetter“. Ich habe zumindest verhältnismäßig wenig Wetter.

          Weitere Themen

          Die slowenische Meisterschaft

          Tour de France : Die slowenische Meisterschaft

          Primoz Roglic oder Tadej Pogačar? Die dritte Tour-Woche wird zum Zweikampf der beiden Slowenen um das Gelbe Trikot. Ein ehemaliger Skispringer gegen einen Newcomer. Da kommen auch Zweifel auf.

          Topmeldungen

          Mit Atemschutz-Maske hinter der Wärmebildkamera.

          Corona und die Zweifler : Der Tod ist nicht alles

          Wo ist die Evidenz, fragen Corona-Skeptiker: Die Verharmlosung der Katastrophe trifft längst nicht nur Wissenschaftler ins Mark. Hinter den Sterbeziffern türmt sich eine unvorstellbare Krankheitslast.
          Vorher-Nachher-Bilder auf Instagram sollen zeigen, dass es nur aufs richtige Posieren ankommt.

          „Same body, different pose“ : Dieser Trend ist kein Empowerment!

          Frauen posten Fotos von sich in zwei verschiedenen Posen, um zu illustrieren, dass alle Körper „normschön“ sein können, wenn man sie nur richtig fotografiert. Das bewirkt viel, aber sicher kein Empowerment.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.