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Senegal : Spuren wechseln in Dakar

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In der Spur: Mit dem Auto kommt man in Dakar fast überall hin - auch ans Meer. Bild: ddp Images

Senegals Hauptstadt steht für Abenteuer und Wüstenrallyes. Dabei kann man dort auch einen ganz normalen Urlaub am Strand machen

          Die legendäre Strecke Paris-Dakar dauert ungefähr fünfeinhalb Stunden mit dem Flugzeug. Gelegen auf der Halbinsel Cap Vert, die den westlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents bildet, ragt Dakar in den Atlantik hinein, hat circa 2,5 Millionen Einwohner und eignet sich perfekt für einen Stadturlaub mit Strand. Die Auswahl an Reiseführern ist karg, was nichts heißen muss, außer, dass man sich offenbar an einen exotischen Ort begibt. Titel wie „Weisheit im Buschtaxi“ klingen poetisch, aber nicht gerade urban. Auf Deutsch gibt es nur Führer, die mehrere westafrikanische Länder zusammenfassen und die sich an Leute richten, die mit dem Motorrad die Sahara durchqueren, mit dem Kanu durch Mangrovensümpfe paddeln und die möglichst vielen Tieren begegnen wollen. Passend für unser Vorhaben ist nur der englische Bradt-Travelguide „Senegal“, der hat immerhin einen großen Dakar-Teil.

          Ein erster Blick auf die Karte: Die Stadt auf der Peninsula hat eine Ost- und eine Westküste. Einmal auf dem Stadtplan gesehen, dienen die beiden Küstenstraßen Corniche Est und Corniche Ouest einer schnellen Orientierung: Im Osten die Bucht mit dem Hafen, im Westen das offene Meer. Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt hören und riechen wir den Atlantik und sehen eines der neueren Wahrzeichen von Dakar, ein gigantisches Monument namens Renaissance Africaine, das nachts bunt angestrahlt wird. Wie immer bei Kunst im öffentlichen Raum scheiden sich an dieser Bronzeskulptur die Geister. Zu nackt die Figuren, zu stalinistisch der Stil, zu teuer das Ganze. Auf jeden Fall fällt es auf. Wir erreichen Plateau, wo wir wohnen werden. Eine gute Wahl, denn das alte Geschäfts- und Verwaltungsviertel hat alles - bis auf einen Strand, aber zu dem werden wir einfach mit dem Auto fahren.

          Überhaupt werden wir viel fahren, um diese Stadt zu sehen, in der man generell viel fährt. Man fährt alles, Autos in wirklich jedem Zustand, vom fetten SUV bis zur buchstäblichen Schrottkarre, was das Verkehrsbild vielfältiger macht als in einem Land mit TÜV. Der öffentliche Nahverkehr besteht aus blauen Bussen, und vereinzelt schlängeln sich mutige junge Typen auf Rennrädern durch den Verkehr, auch in die Gegenrichtung. Wenn man zum Stehen kommt, wird einem vom Selfie-Stick bis zur Rolle Toilettenpapier alles Mögliche ans Fenster gehalten. Die Geschäftsideen, im Stau zu jonglieren oder die Windschutzscheiben für Geld zu verschmieren, existieren hier nicht und werden auch nicht vermisst. Man fährt in friedlicher Koexistenz und hupt viel, was sich jedoch eher nach „Hallo, hallo“ anhört als nach „grüner wird’s nicht“.

          „Babacar - Où es-tu, où es-tu?“

          Jedes zweite Auto scheint ein gelb-schwarzes Taxi zu sein. Der Fahrpreis wird verhandelt, was sich anstrengender anhört, als es ist. Hier helfen Sportsgeist und Humor. Trotzdem ist es bequemer, sich auf einen Fahrer zu verlassen. Unser Mann ist eine Empfehlung von echten Dakarois, und er heißt Babacar. Während wir auf ihn warten, geht mir deshalb ein Song von France Galle durch den Kopf. Er ist aus den späten Achtzigern, wie mein Französisch, und ging so: „Babacar - Où es-tu, où es-tu?“ Gute Frage, wo ist Babacar? Er steht im Stau, und wir haben Zeit, und auf den Straßen von Plateau gibt es viel zu sehen. Die Leute sind auf dem Weg zur Arbeit oder bereits bei der Arbeit. Friseure schneiden Haare (nur Männern), Verkäufer tragen ihre Waren auf dem Kopf durch die Menge, und die Herren, die in Anzügen vor den Häusern sitzen, haben nicht frei, sondern sind Concierges.

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