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Italienurlaub : Abwechslung wird auch überbewertet

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So nahe am Meer zu sein ist toll - am schönsten aber ist die Gleichförmigkeit, mit der die Tage verstreichen.

Lignano, eine Halbinsel zwischen der Lagune von Marano und der Adria, kommt ohne historische Bedeutungsschwere aus, wenn man davon absieht, dass Generationen von Deutschen und Österreichern hier zum ersten Mal das Mittelmeer gesehen haben. Eine Sternstunde kam, als der Italien-Reisende Ernest Hemingway Lignano der sumpfigen Lagune wegen „mein kleines Florida“ nannte. Zum Dank für diesen unbezahlbaren Slogan durfte der Nobelpreisträger seinen Namen auch gleich dem Stadtpark von Pineta leihen.

Dieser Stadtteil ist unsere Wahlheimat. Er ist keine siebzig Jahre alt und verdankt seine Existenz ausschließlich dem Tourismus. Die Pinien, die dem Ort den Namen gegeben haben, tarnen Hotels und Ferienhäuser, die hier ohnehin nicht hoch geraten sind. Herzstück Pinetas ist die Einkaufsstraße, in deren Mitte sich eine Reihe von beiden Seiten begehbarer Geschäfte, Restaurants und Bars befindet. Von hier aus windet sich die Straße Arco dell’Erica in Form einer Spirale nach außen. Diese eigenartige Stadtarchitektur faszinierte schon den Vater, der als Kind hier sein Ferientaschengeld in Flipper- und Pacman-Spielautomaten einspeiste. Tatsächlich beeindruckten ihn die Kindheitssommer in Lignano so sehr, dass er später auch die Mutter herbrachte.

Die Stunden verbringt das Kind im Wasser, unterbrochen von gelegentlichen, elterlich verordneten Pausen.

Alles ist wie immer

Das Kind kennt all diese Geschichten, und unsere persönliche Historie ist nicht der geringste Reiz Lignanos. Auch diesmal schlendern wir am ersten Abend durch den Ort, laufen ein Stück über die Promenade und vergewissern uns vergangener Stationen: Da ist die Ferienwohnung, die einst Oma und Opa mieteten und in der Einbrecher am hellen Tag Opas Ehering klauten; da das Haus, aus dessen schmaler Einfahrt Papa als Achtzehnjähriger Opas Mercedes steuerte und eine Delle in die Tür fuhr; in dieser kleinen Seitenstraße liegt die Pension, in der wir – phantastisches Highlight unseres Sommerurlaubs 2014 – unter den schlechtgelaunten Blicken der Hausherrin aus Österreich Fußball-Weltmeister wurden.

Nach dem Strand geht es, wie jeden Tag, zum Spazieren in das Städtchen Grado.

Lignano beweist, dass Abwechslung im Urlaub überbewertet wird. Alles ist wie immer, und das ist schön. Den ältesten Stadtteil Sabbiadoro, der uns mit seinem Betonsteg ins Meer, den eng gestellten Liegestühlen und den vielen Geschäften zu trubelig ist, sparen wir uns für einen bedeckten Tag auf, der in diesem Sommer nicht kommt. Jeden Morgen steigen wir ins Auto, legen Edoardo Bennato oder Adriano Celentano ein und fahren nach Riviera. Im westlichsten und ruhigsten Teil Lignanos, kurz vor der Mündung des Tagliamento in die Adria, ist der Strand besonders breit und dazu nur sparsam beschirmt. Keine Musik dröhnt, stattdessen singen Zikaden. „So klingt der Sommer in Lignano“, erklärt das Kind, „und er riecht nach Pinien.“ Denn auch hier reichen die Nadelbäume bis an den Strand.

Lignano, eine Halbinsel zwischen der Lagune von Marano und der Adria, kommt ohne historische Bedeutungsschwere aus, wenn man davon absieht, dass Generationen von Deutschen und Österreichern hier zum ersten Mal das Mittelmeer gesehen haben.

Langsam steigt die Temperaturanzeige an der Cafeteria, bis sie am Nachmittag bei zweiunddreißig Grad erschöpft haltmacht. Wir beobachten, wie die Italiener zur Mittagszeit verschwinden, um in Zimmer oder Garten zu rasten. Wir bleiben und schieben unsere Liegen dem Schatten folgend um den Sonnenschirm. Es ist die einzige Anstrengung. Das Kind planscht und liest. Wenn der Sand wieder kühl genug für nackte Füße ist, spielen wir Fußball oder Boccia. Auf dem Rückweg vom Strand halten wir an unserem Lieblingsrestaurant. Das Kind bestellt Pizza Margherita, die Eltern gegrillten Tintenfisch. Später am Abend mieten wir ein „Quadriciclo“, ein Fahrrad mit Dach und vier Rädern, und fahren durch die nach Pinien duftenden Straßen. Nächstes Jahr, überlegen wir, bleiben wir länger.

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Zweite Heimat

• Strand: Die „Bagni“ an den Stränden sind gebührenpflichtig. Für Schirm und zwei Liegen zahlt man bei mittlerer Entfernung zum Wasser etwa 130 Euro pro Woche.

• Übernachten: Das Vier-Sterne-Hotel Laguna Palace in Grado liegt am Ende der Halbinsel. Der Strand ist wenige Gehminuten entfernt. Ein Zimmer für drei Personen kostet für eine Woche ab 1300 Euro; mit Halbpension 175 Euro für Erwachsene, 98 Euro für Kinder (Riva Brioni, Telefon: 0039/04/3 185612, lagunapalacehotel.it). In Lignano Pineta verbindet das Drei-Sterne-Hotel Daniele freundliche Atmosphäre und fabelhaftes Frühstücksbuffet. Das Zimmer für drei kostet pro Woche im Juli 1125 Euro (Corso degli Alisei 28–30, Tel. 0039/04/31427166, www.hoteldaniele.de).

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