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Foto: Olympos Adventure

Ferien am Olymp

Von RAINER HERMANN
Foto: Olympos Adventure

19. August 2021 · Eintauchen in Mythen und Meer: In Lykien lässt man den Pauschaltourismus der türkischen Riviera weit hinter sich und findet in verträumten Buchten, verwinkelten Baumhäusern und wilden Bergwäldern die Wohlfühlorte der antiken Götter.

Einst thronten auf einem Olymp die Götter. Hoch oben, fernab der Menschen schmiedeten sie ihre Ränke und Intrigen. Heute trägt eine Seilbahn diese Menschen gleichsam schwebend auf den Gipfel. So zumindest bei dem kleinasiatischen Olymp im Taurusgebirge südlich von Antalya. „Tahtali Daği“, den Götterthron, nennen ihn die Türken. Nur ein paar Kilometer vom Mittelmeer entfernt ragt er beeindruckende 2366 Meter in den Himmel.

Die von Schweizern gebaute, 2007 in Betrieb genommene Seilbahn überwindet in gerade mal zwölf Minuten einen Höhenunterschied von mehr als 1600 Metern. Die Gondel überfliegt erst mediterrane Pinienwälder, dann unzählige Zedern mit ihren Baumkronen, schließlich steigen nur noch Wildziegen die nackten Felsen weiter empor.

Oben angekommen staunen die Besucher über ein grandioses 360-Grad-Panorama. Im Westen breitet sich eine kahle Gebirgslandschaft aus mit Gipfeln höher als 3000 Meter. Bis auf wenige Almen ist sie weitgehend unbewohnt. Was vor uns liegt, ist das gebirgige Hinterland der Lykier, die in der Antike an der Küste gesiedelt haben und, so erzählt es Homer in der Ilias, Trojas Verbündete waren.

Auf der Anhöhe von Karaöz öffnet sich der Blick zum Kap Kelidonya.
Auf der Anhöhe von Karaöz öffnet sich der Blick zum Kap Kelidonya. Foto: Rainer Hermann

Die andere Seite, die mit der Küste, erzählt die Geschichte des türkischen Tourismus. Die Küste zur Linken ist mit jenen Hotelanlagen bebaut, die zum Inbegriff des Urlaubs an der türkischen Riviera geworden sind. Viele Hotels locken mit dem Urlaubskosmos „All inclusive“. Von Kemer über Antalya bis Belek und ganz in der Ferne Side ist die Küste durchgehend touristisch genutzt. Sie steht für die weltweit bekannte Marke „Antalya“, die in nur wenigen Jahrzehnten geschaffen wurde.

Der Blick hinab erzählt eine weitere Geschichte. Viele Orte, etwa Beldibi, hatte es schon gegeben, bevor in den 1980er-Jahren mit dem Tourismus eine neue Ära begann. Heute erinnert in der Stadt mit den glitzernden Luxushotels nichts mehr an jenes Beldibi von vor einem halben Jahrhundert. In seinen damals zwei Dutzend Häusern lebten im Winter Halbnomaden, die „Yörüks“. Sie verließen im Sommer ihre gemauerten Häuser, um in den Almen („Yayla“) des Taurusgebirges Herden zu weiden. Dann lebten sie auch einige Monate in Zelten. Mit dem Tourismus brach ein neues Zeitalter an, und die Menschen folgten nicht länger dem Lauf der Natur.

Dreht man sich auf dem Gipfel nach rechts und nach Süden, sieht man keine Hotels mehr und keine Siedlungen, dafür aber eine üppig mit Pinien bewaldete Berglandschaft und viele kleine Buchten. Es ist, als ob der Mensch diese Natur nie berührt hätte und als ob das glückliche Arkadien hier überlebte. Der Nationalpark „Beydağlari“, der älteste seiner Art in der Türkei, soll sicherstellen, dass sich daran nichts ändert.

Ins Wasser, marsch! Ein Sprung ins türkisblaue Wasser an einem Strand bei Olympos. Hier vergisst man schnell, dass die Hotelanlagen von Antalya nicht weit weg sind.
Ins Wasser, marsch! Ein Sprung ins türkisblaue Wasser an einem Strand bei Olympos. Hier vergisst man schnell, dass die Hotelanlagen von Antalya nicht weit weg sind. Foto: ddp

Während zur einen Seite Strandurlaub angesagt ist, lädt die Landschaft zur anderen zu einem aktiven Natururlaub ein. Der beginnt bereits auf dem Gipfel des Olymp. Von hier oben starten die Gleitflieger, hier beginnt eine der Routen für Mountainbiker, und auch der Lykische Fernwanderweg führt über den Berg.

Die Grenze zwischen beiden Welten lässt sich markieren, sie liegt unten in der antiken Stätte von Phaselis. Urlauber aus den großen Hotelanlagen von Kemer baden vor der eindrucksvollen Kulisse der antiken Ruinen an den Stränden der drei ehemaligen Häfen. Die Archäologen graben auch im Sommer. Zurzeit bauen sie am Ausgang des großen Boulevards, in dessen Parallelstraße auch das Freudenhaus der einst mächtigen Hafenstadt ausgewiesen wird, das große Hadrianstor wieder auf. Die von Seefahrern aus Rhodos gegründete Stadt hat Weltgeschichte geschrieben. Alexander der Große nahm der Sage nach im Hauptheiligtum von Phaselis, dem Athena-Tempel, den Speer des Achilleus an sich. Er sah sich als der neue Achilleus, und mit dem Speer in der Hand leitete er, wie es ihm prophezeit worden war, seine Welteroberung ein, und er starb jung wie der Held von Troja.

Die britische Reisende Freya Stark beschreibt das in ihren 1958 erschienenen Reiseerzählungen „Pässe, Schluchten und Ruinen. Die abenteuerliche Reise einer Frau auf den Spuren Alexanders des Großen“ so: „Er kam nach Lykien, um durch die Einnahme der Küstenstützpunkte die persische Flotte zu vernichten. Diese Häfen waren besonders wichtig wegen des Holzes in den Wäldern gleich dahinter.“ Konkret: Die Perser hatten ihre Übermacht auf ihre Schiffsflotte gegründet, und die bauten sie mit den Zedern aus Lykien. Würde Alexander ihnen die Häfen nehmen, bräche er ihre Macht.

Das Dorf Ulupinar ist für seine Forellen bekannt, aber auch für den Blick auf die Küste vor Olympos
Das Dorf Ulupinar ist für seine Forellen bekannt, aber auch für den Blick auf die Küste vor Olympos Foto: Rainer Hermann

Alexander der Große brach zu seinem Asienfeldzug nach Norden auf. Wir folgen nicht ihm, sondern dem Lykischen Weg nach Süden. Seit 1999 ist dieser 509 Kilometer lange Handelsweg der Antike, der von Antalya bis nach Fethiye meist entlang der Küste verläuft, ein meist gut markierter Fernwanderweg. Nach 40 Kilometern erreicht man das ruhige Stranddorf Çirali, das nicht mit großen Hotels lockt, sondern mit kleinen Pensionen.

Oberhalb von Çirali sind wir zurück in der Geschichte. Ein Pfad führt nach oben in die Berge. Im Sommer sind selbst nachts die letzten anderthalb Kilometer schweißtreibend, weil steil. In der Antike mieden die Menschen das Gebiet aus Furcht vor dem Fabelwesen der Chimäre. Sie bedrohte als feuerspeiendes Ungeheuer Mensch und Tier. Homer beschrieb sie in der Ilias als „das Ungeheuer, das viel hinraffte der Menschen“. Richard Wagner hätte an diesen ewigen Feuern wohl eher die Stelle gesehen, an denen Siegfried sein Schwert Nothung hätte schmieden können.

Die griechische Mythologie bietet jedoch eine andere Geschichte. Demnach tötete Bellerophon, ein Enkel des Sisyphos, mithilfe des geflügelten Pferdes Pegasus die Chimäre, die die Gestalt eines Löwenkopfs, eines Ziegenkörpers und einer Schlange angenommen hatte, indem er mit seinem Speer einen Bleiklumpen in den Rachen des Ungeheuers warf. Das Blei schmolz, und die tote Chimäre versank in den Felsspalten. Übrig blieben ewige Feuerstellen, an denen fortan Hephaistos verehrt wurde, der hinkende Schmiedegott. Noch immer tritt aus den Spalten und dem Erdinneren Gas und entzündet sich zu kleinen Feuern, die seit Hesiod die Menschen in ihren Bann ziehen.

Wieder hinab nach Çirali. Beschattet von Pinien, Lorbeerbäumen und Oleander lädt ein langer Strand mit feinen Kieselsteinchen ein. Nach vier Kilometern an seinem südlichen Ende angekommen, schwimmen wir ins türkisblaue Meer hinaus. Der Blick aus dem Wasser ist grandios. Über dem Strand erheben sich auf den Felsen die Ruinen der Akropolis der antiken Stadt Olympos, die von Macchia überwuchert werden. Dahinter erhebt sich die mächtige Bergkette des Olymp. Nach ihm benannten die Bewohner ihre Stadt, die ein wichtiges Mitglied des Lykischen Bundes wurde, der ersten konföderativen Republik der Geschichte. Der schmale Eingang in eine Schlucht schützte die wohlhabende Hafen- und Handelsstadt. Erdbeben und die Pest bereiteten ihr aber ein Ende. Sie geriet in Vergessenheit, und so blieb die alte Bausubstanz erhalten. Yörüken benutzten die antike Stätte noch bis ins 20. Jahrhundert als Winterlager. Heute legen Archäologen immer mehr Ruinen frei. Eindrucksvoll ist vor allem die Größe des Bischofssitzes aus byzantinischer Zeit.

Dahinter öffnet sich die Schlucht ein wenig, das Tal wird breiter, und der Weg führt zum Dorf Yazir. Freya Stark vermutete, dass Alexander der Große den Pass von Yazir benutzt hat, um von Osten her kommend Richtung Phaselis zu ziehen. Als sie 1958 reiste, gab es hier noch keine geteerte Straßen.

In Lykien unterwegs

Oft war sie auf Eseln unterwegs. Auch als knapp drei Jahrzehnte später Kadir Kaya erstmals nach Olympos kam, gab es noch keine Straße. Drei Bauern wohnten mit ihren Familien im Tal, alle anderen waren auf der Suche nach Arbeit in die großen Städte abgewandert.

Kadir Kaya, der Gründer des Baumhausdorfs, kam vor 35 Jahren nach Olympos – und blieb.
Kadir Kaya, der Gründer des Baumhausdorfs, kam vor 35 Jahren nach Olympos – und blieb. Foto: Rainer Hermann

Kaya, Jahrgang 1956, stammt aus einem kleinen Dorf in der Provinz Uşak, die auf dem Weg von Izmir nach Ankara liegt. Sein Vater wurde noch als Yörük, als Halbnomade, groß. Mit seiner Schafherde verbrachte er die Sommer auf einer Alm, wo er in einer Jurte, dem Zelt der Türken, lebte. Auch der junge Kaya wuchs in der Natur auf. Er studierte Französisch und Volkswirtschaftslehre, quittierte aber rasch den Schuldienst. Kurz ließ er sich in der heutigen Tourismushochburg Kemer nieder. Damals lebten dort erst 800 Einwohner, und es gab noch kein einziges Hotel.

In das Tal von Olympos kam er 1986. Er kaufte Land und errichtete zunächst ein Holzhaus für sich. Weitere folgten. Als die Türkei entlang der Küste erste moderne Hotels baute, wurde Kaya Pionier eines ökologischen Tourismus, der lange auf Unverständnis stieß. Er ließ sich aber nicht beirren und zog weiter ein Baumhaus nach dem nächsten hoch.

  • Das Baumhausdorf war schon nachhaltig, als der Begriff im Tourismus noch unbekannt war.
  • Das Baumhausdorf war schon nachhaltig, als der Begriff im Tourismus noch unbekannt war. Foto: Rainer Hermann
  • Foto: Rainer Hermann


Dazu habe er keinen einzigen Baum gefällt, betont er. Immer wieder machte er sich nach Anatolien auf, wo er in Dörfern, die verlassen wurden, Holz sammelte – Türen, Fensterrahmen, Bauholz. Er brachte auch kleinere Kunstgegenstände mit, vor allem Kupferwaren. Mit dem Material baute er die Baumhäuser nach seinen Vorstellungen, mal am Boden, mal über der Erde um einen Baum. Nirgends findet man Symmetrie, kein Baumhaus gleicht einem anderen. „Das alles sind meine Ideen“, sagt er stolz.

Das erste Dorf hat ein Waldbrand vor vierzehn Jahren teilweise zerstört. Kaya begann von vorne. Heute kann er 250 Gäste in 120 einfachen Bungalows aus Holz unterbringen. Man findet keinen Luxus in ihnen, es fehlt aber auch nichts. Künstler und Kunststudenten haben an den Baumhäusern großformatige Gemälde hinterlassen, mal antike Schiffe und Drachen, mal abstrakte Ornamente und Kelimmuster. Die Künstler sollen ausdrücken, was sie hier empfinden, lautet Kayas einziger Auftrag.

Im Dorf kommt man leicht miteinander ins Gespräch.
Im Dorf kommt man leicht miteinander ins Gespräch. Foto: Rainer Hermann

Zunächst waren die Gäste fast ausnahmslos aus dem Ausland angereist. Vor zwei Jahrzehnten begannen dann auch Türken, überwiegend der jungen Generation, sich für aktiven Natururlaub zu interessieren. Langsam entwickelten sie ein Verständnis dafür, dass Urlaubsorte auch anders sein können als das, was sie aus dem Großraum Antalya kennen. Heute stellen sie, zumal in Zeiten der Pandemie, die große Mehrheit der Gäste.

Die Stadt ist weit weg: 120 Zimmer für 250 Gäste
Die Stadt ist weit weg: 120 Zimmer für 250 Gäste Foto: Rainer Hermann

Sie schätzen es, dass sie hier fernab der lauten und hektischen Großstädte in die reine Natur eintauchen – und dass sie sich das auch leisten können. Der Preis ab 20 Euro pro Person und Nacht schließt Frühstück und Abendessen ein. Auf den Tisch kommen frische Lebensmittel der Region, gegessen wird in einem großen offenen Saal. Man verabredet sich für gemeinsame Aktivitäten und spricht über vieles, bloß nicht über den Alltag in der Stadt, den niemand vermisst. Selbst der Bedarf nach Internet löst sich fast, aber nicht ganz auf, und mit sich selbst kommt man rasch ins Reine.

In Çirali lodern Flammen aus Felsspalten.
In Çirali lodern Flammen aus Felsspalten. Foto: Mauritius

Erst wurde Kaya belächelt, dann rief sein Erfolg mit den Baumhäusern, den Agaç Evleri, Nachahmer auf den Plan, sowohl im Tal von Olympos, das längst nicht mehr so abgeschieden ist wie 1986, wie auch in anderen Teilen der Türkei. Das Original bleibt aber unerreicht. Um die Atmosphäre in dem Dorf nicht durch Kommerzialisierung zu zerstören, hält Kaya alle Geschäfte mit dem üblichen touristischen Erinnerungskitsch fern. Eine robuste Absage erteilt er auch den Avancen großer Reiseveranstalter, die einsteigen wollen. Das Dorf soll seinen einzigartigen Charakter nicht verlieren.

In Olympos verändert sich der Rhythmus der Gäste. Er passt sich der Natur an, wird aber nicht notwendigerweise langsam. Zwar lockt der anderthalb Kilometer nahe Strand. Viele Gäste sind aber hier, um sich zu bewegen, und Kayas Angebot ist groß. Die mehr oder weniger anspruchsvollen Wanderwege entlang des Lykischen Wegs sind für jedermann, sie variieren ab Olympos zwischen fünf und sechzehn Kilometern. Eine weitere Option ist das Rafting in nahe gelegenen Canyons, für Mutigere das Gleitschirmfliegen und für Leute, die noch mehr Spannung brauchen, das „Deep Water Solo“, das ungesicherte Klettern an steilen Felswänden über tiefem Wasser.

Statt der Lyrik des Minnesangs zählt die Fertigkeit des Kletterns.
Statt der Lyrik des Minnesangs zählt die Fertigkeit des Kletterns. Foto: Olympos Adventure

Ferit war fünfzehn Jahre Pilot bei der türkischen Luftwaffe. Dann kam er als Gast nach Olympos – und er blieb. „Jemand kommt und bleibt und bleibt und bleibt“, sagt Kadir Kaya gerne. Auch Ferit blieb und leitet heute das Tauchprogramm des Baumhausdorfes. Im August betragen die Wassertemperaturen 29 Grad, im Oktober sind es immer noch 25 Grad, sagt er. Das Tauchen vergleicht er mit einem Ausflug in ein Museum mit vielen Ankern, Amphoren und Schiffen.

Vor zwei Jahren entdeckten sie vierzig Kilometer südlich von Olympos vor dem Kap von Kelidonya ein Boot, das vor mehr als 3000 Jahren in der Bronzezeit gesunken ist. Archäologen untersuchen es derzeit noch. Ein wahrer Schiffsfriedhof liegt vor dem Leuchtturm auf der Landzunge von Kelidonya. Wegen der unberechenbaren Strömung und den starken Winden galt die Umrundung des Kaps als eine der gefürchtetsten Schiffspassagen der Antike.

Geschichtsstunde unter Wasser: Taucher vor Olympos
Geschichtsstunde unter Wasser: Taucher vor Olympos Foto: Olympos Adventure

Immer wieder begegnet man im Wasser Karettschildkröten, die an Sandstränden in der Nähe ihre Eier ablegen. Ganz besonders seien aber die Fische, sagt Ferit. Denn die Wassertemperatur des Mittelmeers nähere sich immer mehr der des Roten Meers an. Seit ein paar Jahren sehe er daher zusätzlich zu den bekannten Fischen des Mittelmeers auch Fische aus tropischen Gewässern, etwa den bunten Papageifisch und den roten Feuerfisch.

Auch Kübra kam und blieb. Zunächst hatte sie es in Bodrum versucht, dem populären Urlaubsort der reichen und schönen Türken. Wohl hat sie sich dort nicht gefühlt. Und so leitet die frühere Bankangestellte aus Istanbul heute in Olympos das Kletterprogramm. In der Umgebung des Dorfs gebe es 500 Felsen mit Routen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, sagt sie. Sie bietet kein Freiklettern an, sondern Routen mit einer Höhe bis zu siebzig Metern, die mit Sicherungen ausgestattet sind. Ihr Programm reicht von Einstiegskursen für Vierjährige bis zu Fortgeschrittenen.

Einer der 500 Kletterfelsen in der Umgebung des Baumhausdorfs
Einer der 500 Kletterfelsen in der Umgebung des Baumhausdorfs Foto: Olympos Adventure

Zum Geist des Baumhausdorfs passt auch Levent Deniz. Der zum Physiotherapeuten ausgebildete Aschaffenburger verließ Deutschland, weil er sich mit dem strikten Zeitkorsett für Behandlungen nicht abfinden wollte. Dann studierte er in China alternative Medizin, aus der türkischen Volksheilkunde übernahm er Praktiken wie die Blutegeltherapie. Das alles verband er zu seinem eigenen ganzheitlichen Ansatz. Seine unorthodoxen Methoden haben sich in der Türkei und darüber hinaus herumgesprochen. Viele reisten an, weil sie hier entspannt im Urlaub gesund werden könnten und nicht im Stress des Alltags und eines Krankenhauses, sagt Deniz.

Legen wir noch eine Etappe des Lykischen Wegs zurück und wandern hinunter zur Landzunge von Kelidonya. Der Weg führt an zahlreichen Camping-Plätzen vorbei und an einer ehemaligen Piratenbucht, in der heute im türkisblauen Wasser kleine Yachten ankern. Mit türkischen Wanderern kommt man ins Gespräch und auch mit ausländischen, die trotz der Hitze mit leichten Rucksäcken unterwegs sind.

Bucht von Phaselis mit Blick auf den Olymp
Bucht von Phaselis mit Blick auf den Olymp Foto: Rainer Hermann

Vorne an der Spitze der Landzunge fühlt man sich eins mit der Natur. Keine Straßenbahn quietscht, kein Flugzeug dröhnt am Himmel, keine dunklen Regenwolken ziehen auf. Meeresluft füllt die gestressten Lungen, vor einem liegt ruhig das Meer. Der Windgott Aiolos bläst eine leichte Brise, die Äste des knorrigen Olivenbaums wedeln einen kühlen Luftzug zu. Wäre da nicht das pausenlose Zirpen der Zikaden, man hörte nur noch das leise Rauschen des Pinienwalds. Das ist das alternative All-inclusive-Angebot der Türkei.

Einreise
Alle Reisenden über sechs Jahre müssen innerhalb von 72 Stunden vor der Reise ein Formular des Gesundheitsamtes ausfüllen, die 3-G-Regel wird praktiziert; auswaertiges-amt.de

Anreise
Ab Antalya mit dem Bus vom zentralen Busbahnhof Richtung Kumluca. Ab der Abzweigung Olympos mit dem dort wartenden Minibus weiter. Bentours bietet vom Flughafen Antalya bis ­Olympos für bis zu vier Personen einen Kleinbus für 100 Euro an.

Kadir’s Tree Houses, Tel. 00 90/2 42/2 25 20 01; kadirstreehouses.com, Preise: ab 20 Euro pro Person inklusive Halbpension.

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Quelle: F.A.S.

Veröffentlicht: 19.08.2021 14:14 Uhr