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Griechenland : Wer hat Angst vorm hungrigen Wolf?

Endlose Weite und Schluchten tief wie Höllenschlunde: In Vikos-Aoos ist für jeden Naturgeschmack etwas dabei.

Wenn es kalt wird, suchen die Wildpferde die Höhen auf. Warum, weiß niemand. Manchmal liegt der Schnee dort so hoch, dass sie sich kaum bewegen können und Lebensgefahr droht - nicht wegen der Kälte, sondern wegen der Wölfe. Daphne hat einmal einen Angriff von weitem beobachtet. „Plötzlich färbte sich der Schnee rot“, erinnert sie sich. „Ein Wolf hatte ein Fohlen offenbar an der Halsschlagader erwischt, und die Meute machte sich schnell über ihre Beute her.“

Aris kennt einige der Wildpferde, und sie kennen ihn. Der achtunddreißig Jahre alte Grieche führt ein Restaurant und ein Hotel in Papingo; seine Eltern, die bis vor kurzem einen Bauernhof bewirtschafteten, sitzen jetzt am Kachelofen und wärmen sich. Aris hatte in den neunziger Jahren ein Dutzend wilde Pferde gefangen und gezähmt, um sie als Transporttiere für den Bau einer Berghütte einzusetzen. Danach ließ er die Pferde wieder frei. Jetzt sind sie Teil der Nahrungskette. Die Ergebnisse einiger Wolfsangriffe hat er sogar fotografiert. Die aufgerissenen Kadaver sind wahrlich kein schöner Anblick. Einmal nähte er ein verletztes Tier selbst wieder zu, weil kein Tierarzt in das entlegene Papingo kommen wollte. Nach sechs Wochen Pflege entließ er es in die Freiheit. Doch die Wölfe kamen zurück, und so überlebte es nicht lange.

Die grausamen Gesetze der Natur

Die Natur mag manchmal brutal wirken, doch man kann das Leben im Nationalpark nicht auf diese Vorfälle reduzieren. Denn das hieße, der Schönheit der Gegend ebenso wenig gerecht zu werden wie dem natürlichen Lauf der Dinge in den griechischen Bergen. Nach Ansicht von Daphne werden jedes Jahr genauso viele Fohlen geboren, wie ältere Tiere sterben. In dem Nationalpark, der fast so groß ist wie Liechtenstein, gibt es Nahrung und Raum genug für alle, für die drei Dutzend Wildpferde ebenso wie für die Wölfe. Die Griechin mit blondem Haarschopf, Mutter von zwei kleinen Kindern, die in den Vereinigten Staaten Wildlife-Management studiert hat, hält nichts von einem sentimentalen Naturverständnis. „Ich gebe zu, ich liebe Wölfe“, sagt sie. Pferde liebt sie freilich genauso. In Papingo ist sie deshalb genau richtig und will auch nicht mehr weg von hier.

In den Bergen Nordgriechenlands

Unterkunft: In Papingo und seinem noch kleineren Nebendorf Mikro Papigo gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Für einen etwas höheren Standard bietet sich das Hotel Papaevangelou an (www.hotelpapaevangelou.gr, Tel.: 0030/26530/41135). Ein einfacheres und preisgünstigeres Angebot mit traditioneller griechischer Küche ist im Hotel Kalliopi zu finden (www.kalliopi-papigo.com, Telefon: 0030/26530/ 41081).

Reitausflüge: Der Reitstall von Daphne Demos heißt White Pegasus und ist online unter www.white-pegasus.com oder telefonisch unter 0030/26530/42204 und 0030/697/7011275 zu erreichen.

Informationen: Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Neue Mainzer Straße 22, 60311 Frankfurt, Telefon: 069/2578270, www.visitgreece.gr.

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