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Griechenland : Wer hat Angst vorm hungrigen Wolf?

Himmelsstürmer und Höllenfahrer

So ist die Zeit in Papingo nur scheinbar stehengeblieben. Schon immer hat das Dorf Impulse von außen erhalten, und es hat die Außenwelt auch inspiriert. Ein Sohn des Dorfes zum Beispiel, der berühmte Michael Anagnos, war im 19. Jahrhundert einer der ersten Direktoren von Amerikas ältester Blindenschule. Bis heute verwalten die Bürger von Papingo einen Teil seines finanziellen Erbes, das er ihnen für Erziehungs- und Kulturprojekte überließ. So hat der Ort die Balance aus Bergdorf-Idyll und einem modernen, aber sanften Tourismus für Städter gefunden, die im Urlaub nicht jedem Komfort abschwören wollen. Hinter diesem Angebot stehen oft Griechen, die selbst aus der Stadt kommen und sich in den Bergen ein neues Leben aufgebaut haben - George Papaevangelou etwa, der früher in Athen Hubschrauber- und Flugzeugpilot in Diensten einer privaten Transportfirma war. Jetzt ist er Hotelmanager. Seit 1996 lebt der Zweiundfünfzigjährige glücklich und zufrieden in Papingo. Seine Frau arbeitet im Hotel mit, der Sohn studiert in Thessaloniki Ingenieurwesen, die jüngere Tochter geht noch auf die Schule im sechzig Kilometer entfernten Ioannina, wo sie unter der Woche auch wohnen muss - ganz ohne Kompromisse funktioniert das Leben am Ende der Welt dann doch nicht.

Allerdings ist die Wirtschaftskrise selbst in Papingo nicht zu übersehen. Im vergangenen Jahrzehnt ergriff ein Renovierungsboom das Dorf, der die Zahl der Betten vervielfachte. Heute steht ein großer Teil leer, die Zimmerpreise sind deutlich gesunken. Doch die Familien halten zusammen, und irgendwie geht es immer weiter zwischen den alten Steinmauern von Papingo - zumal die Hauptattraktion der Gegend unvergänglich ist: die spektakuläre Natur. Wandertouren drängen sich hier geradezu auf. Für den exotischeren Geschmack sind Ausritte zu Pferd, Paragliding oder Flussfahrten in Schlauchbooten möglich. Und alles wird von der grandiosen Vikos-Schlucht überstrahlt. Sie ist nur tausend Meter eng, aber neunhundert Meter tief. Vor einigen Jahren kürte sie das Guinness-Buch der Rekorde zur tiefsten Schlucht der Welt, allerdings nicht wegen ihrer absoluten Tiefe, die viel geringer ist als etwa beim Grand Canyon, sondern aufgrund ihrer Tiefe im Vergleich zur geringen Breite. Man kann die Schlucht am Flussbett durchschreiten oder weit oben von verschiedenen Aussichtspunkte bestaunen. Und mit ein wenig Glück stößt man hier auf Adler, Geier, Bären und Wölfe.

Plötzlich färbte sich der Schnee rot

Auf einer Wandertour Wildpferden zu begegnen ist fast schon die Regel. Wenn man Abstand hält, lassen sie sich beim Grasen nicht stören. Ihre Vorfahren lebten nicht immer wild. Sie sind Nachfahren domestizierter Pferde, die Bauern und Schäfer in die Natur entließen, als sie nicht mehr von Landwirtschaft und Tierzucht leben konnten und in die Städte zogen. Das ist mehrere Jahrzehnte her. Die Pferde haben also nichts mit den Przewalski-Pferden zu tun, die als einzige reine Wildpferdart der Welt gelten. Die meisten der frei lebenden nordwestgriechischen Pferde sind aber in der Wildnis geboren und kennen kein anderes Leben. Das heißt nicht, dass sie den Menschen völlig fern bleiben. Es ist gar nicht so ungewöhnlich, dass ein Trupp von Wildpferden bei einem Touristenausritt in rasender Geschwindigkeit vorbeigaloppiert. „Sie sind neugierig, oder sie wollen einfach nur ein Weibchen abschleppen“, sagt die Reitführerin Daphne.

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