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Urlaub in Cornwall : Wir gucken das nur wegen der Landschaft

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Das Filmteam ist wieder weg, das Idyll bleibt: In Tregoose wurde eine Folge der ZDF-Dauerserie „Herzkino aus Cornwall“ gedreht. Bild: Astrid Ludwig

Kaum eine Region in England ist bei Deutschen so beliebt wie Cornwall. Das liegt nicht zuletzt an den Verfilmungen der Romane Rosamunde Pilchers. An den Drehorten der Liebesschnulzen kann man filmreif übernachten.

          Die Anfrage kam ein Jahr im Voraus. Ein Locationscout meldete sich bei Alison O’Connor. Die ältere Dame und ihr Mann besitzen ein hübsches, 150 Jahre altes Country House im Regency-Stil unweit von Truro, etwas einsam gelegen, umgeben von einem romantischen Blumengarten und wilden Wiesen. Ob man auf ihrem malerischen Anwesen einen deutschen Film drehen dürfe, fragte der Scout. Es sei ein deutscher Liebesfilm in romantischer Küstenkulisse, erklärte er. Von Rosamunde-Pilcher-Filmen und der Serie „Herzkino aus Cornwall“ hatte die Britin bis dahin zwar noch nie gehört, „aber ich fand die Vorstellung irgendwie spannend, dass meine Blumen und Beete später mal im Fernsehen zu sehen sein würden“, lacht die Diplom-Gärtnerin. Die O’Connors sagten zu.

          Im Sommer darauf rückte dann das Filmteam aus Deutschland zu den Dreharbeiten in „Tregoose“ an. Schauspieler, Regisseur, Maskenbildner, Beleuchter, Techniker, Kameraleute, eine fast fünfzig Leute starke Crew und mit einem Equipment im Schlepptau, das mehrere Transporter und Lastwagen füllte. „Die haben alle Wiesen unterhalb des Hauses zugeparkt“, deutet Alison über das Grün, die hohen Bäume und Wege des fast zehntausend Quadratmeter großen Anwesens. Auf dem Rasen vor dem Haus, auf dem sich sonst Cleo und Tamar lümmeln, die Katze und der struppige Mischlingshund der Familie, steht im Sommer 2017 ein Hub-Kran für die richtige Ausleuchtung der Szenen. Die Glyzinie, die sich an der steingrauen Fassade des Landhauses emporwindet, ist zu dieser Zeit schon verblüht. Für die Requisite einer Liebesschnulze kein wirkliches Problem. „Sie steckten blaue und weiße Plastikblüten rein“, amüsiert sich Alison. Und auch die ganz in Blau und Silbergrau gehaltene Bepflanzung der oberen Gartenbeete ist den Filmleuten zu dezent. Im Beet landen stattdessen pinkfarbene Kunstblumen.

          Mehrere Tage dreht das Team in Alison O’Connors Garten und Haus „Geerbtes Glück“, die 139. Folge der ZDF-Serie. Gartenmöbel werden versetzt, Pflanztöpfe verschoben und den pittoresken weißen Wintergarten direkt am Haus dekoriert die Filmcrew gleich komplett um. Alle Geranien raus und massenhaft Orchideen rein, schließlich ist Tony Stuart, eine der Filmfiguren, Botanik-Professor und Orchideen-Züchter. Als die Macher Alisons urgemütliche Küche mit dem vanillegelben Aga-Ofen und dunklen Natursteinboden sehen, steht fest: Auch dort soll eine Szene gedreht werden. Der schrullige Professor trifft hier nach dem Unfalltod der Tochter auf seine rassige kolumbianische Exfrau. Die er natürlich noch liebt. Sie ahnen schon, wie es ausgeht.

          Sogar Prinz Charles ist beeindruckt von der deutschen Pilcher-Liebe

          Den deutschen Gästen ihres Bed & Breakfast erzählt Alison das Abenteuer mit der Film-Crew schon bald nach der Ankunft. Pilcher-Filme kennen die allermeisten der deutschen Cornwall-Besucher, auch wenn es nicht jeder gleich und gerne zugibt. Unsere Mütter haben sicherlich kaum eine Folge der „Herzkino aus Cornwall“-Reihe ausgelassen, die seit unfassbaren 24 Jahren im deutschen Fernsehen läuft. Als Jugendliche lästerten wir über die Liebesschnulzen, bei denen die Handlung immer vorhersehbar ist. „Aber die Landschaft und die Häuser sind doch so schön“, entgegnete meine Mutter stets ungerührt, wenn wir über den mangelnden Tiefgang der Filme herzogen.

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